"Deutschland" streichen? Antrag aus Grünen-Basis sorgt für Wirbel

Berlin - Die aktuellen Umfragen in Deutschland lassen keine Zweifel aufkommen: Die Grünen haben starken Rückenwind, könnten nach der Bundestagswahl im September als stärkste Kraft ins Parlament einziehen. Aufregung gibt es dennoch.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (40) hat laut den aktuellen Umfragen gute Chancen auf die Nachfolge von Angela Merkel (66, CDU).
Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (40) hat laut den aktuellen Umfragen gute Chancen auf die Nachfolge von Angela Merkel (66, CDU).  © Jörg Carstensen/dpa

Aufregung? Bei den derzeit so starken Grünen, bei denen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (40) augenscheinlich beste Chance auf den großen Wurf und somit im Herbst des Jahres die Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) hat? Ja!

Auslöser ist ein Antrag der Basis, der sich mit dem Titel des Wahlprogramms "Deutschland. Alles ist drin" beschäftigt. Dieser kommt nämlich offenbar nicht bei allen Mitgliedern entsprechend gut an.

Mehr als 300 Grüne fordern eine Anpassung.

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So soll das Wort "Deutschland" gestrichen werden. "Im Mittelpunkt unserer Politik steht der Mensch in seiner Würde und Freiheit. Und nicht Deutschland", ist als Begründung im Zuge des Antrags zu lesen.

Unter den über das ganze Bundesgebiet verteilten Unterstützern des Vorstoßes, der nun jede Menge Aufmerksamkeit erhält, finden sich Kandidaten für die Bundestagswahl. Ein Zusammenhang zwischen einem Änderungswunsch des Wahlprogrammtitels und einem - vor allem im Netz - aktuell mitunter nahegelegten "Hass" auf das eigene Land wirkt zwar arg konstruiert, dies ist für viele allerdings nicht unbedingt ein Hindernis.

"Warum ich an 1 von 110 Stellen 'Deutschland' im Wahlprogramm streichen will? Die Überschrift setzt den Rahmen und grüne Politik sollte sich an Menschenwürde und Freiheit in einer globalisierten Welt ausrichten", erklärte Antragssteller Michael Sebastian Schneiß aus dem Kreisverband der Grünen im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg in einer Twitternachricht.

Wen dies empöre, der dürfe "sich freuen", führte Schneiß aus, denn er habe folglich "keine ernsthaften Probleme".

"Deutschland" streichen? Antrag der Grünen-Basis ruft politische Gegner auf den Plan

Markus Blume (46, CSU) kann den Antrag aus der Grünen-Basis nicht nachvollziehen, wählte auf Twitter entsprechend deutliche Worte.
Markus Blume (46, CSU) kann den Antrag aus der Grünen-Basis nicht nachvollziehen, wählte auf Twitter entsprechend deutliche Worte.  © Matthias Balk/dpa

Was als parteiinterner Diskussionspunkt manchem wahrscheinlich nur ein müdes Lächeln abringen dürfte, ruft die politischen Gegner auf den Plan.

Speziell im Wahljahr wird schließlich stets jegliche Angriffsfläche von sämtlichen Parteien mit Hingabe genutzt. Besonders deutlich wurde bei den zahlreichen Reaktionen, die sich mit dem Vorstoß beschäftigen, unter anderem Markus Blume (46).

"Die grüne Basis und ihr gestörtes Verhältnis zum Vaterland: 'Deutschland' soll aus dem Wahlprogramm gestrichen werden. Regieren wollen ohne Bekenntnis zum Land - was kommt als nächstes?", fragte der CSU-Generalsekretär auf dem Kurznachrichtendienst, als direkte Reaktion auf einen entsprechenden Bericht der Bild-Zeitung.

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CDU-Politiker Paul Ziemiak (35) nutzte die Gelegenheit und strich Deutschland gleich auch noch aus "Deutschland sucht den Superstar", "Deutschland - ein Wintermärchen", dem berühmten Zitat "Das Spiel ist aus. Deutschland ist Weltmeister" sowie "Deutschland einig Vaterland".

"Kannste Dir nicht ausdenken", kommentierte er.

Stefan Müller (45), Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU im Bundestag, sprach ebenfalls von einem "gestörten Verhältnis" der Grünen-Basis zu Deutschland. "Sein Vaterland aus dem Wahlprogramm löschen wollen. Das kann es nur bei den Grünen geben", schrieb der 45-Jährige auf Twitter. Das Wahlprogramm der Unionsparteien steht derzeit noch aus.

Insgesamt mehr als 3500 Anträge sind vor dem Parteitag der Grünen vom 11. bis zum 13. Juni eingereicht worden. Die Basis ist diskussionsfreudig, für die Parteiführung stehen auch deshalb anstrengende Wochen auf dem Programm.

Titelfoto: Jörg Carstensen/dpa

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