Angebliches Hofreiter-Zitat: Wird der Islam bald zum Pflichtfach?

Leipzig - Deutsch, Englisch, Mathe, Islam? Könnte so bald der Stundenplan etlicher Schülerinnen und Schüler in Deutschland aussehen?

In den sozialen Netzwerken wird behauptet, dass Islam bald ein Pflichtfach in der Schule wird. Dem ist aber nicht so. (Symbolbild)
In den sozialen Netzwerken wird behauptet, dass Islam bald ein Pflichtfach in der Schule wird. Dem ist aber nicht so. (Symbolbild)  © dolgachov/123RF

Das legt zumindest ein bei Facebook geteiltes Sharepic nahe, das den Grünen-Politiker Anton Hofreiter an einem Rednerpult zeigt. Neben ihm steht der Text: "Wir sollten kein Drama daraus machen, wenn ein paar Schüler Koranverse auswendig lernen müssen; Früher oder Später wird der Islam zum Pflichtfach." Doch stammt diese Aussage wirklich von ihm?

Eine Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion weist die Behauptung zurück. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur sagte sie, dass das im Sharepic genannte Zitat nicht von Anton Hofreiter stammt.

Während eine einfache Google-Suche nach der Aussage keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Hofreiter und den Worten liefert, dürfte es Ohnehin schwierig werden, den Islam in Deutschland zum Pflichtfach zu machen.

Über das Grundgesetz ist klar geregelt: "Niemand darf zu einer kirchlichen Handlung oder Feierlichkeit oder zur Teilnahme an religiösen Übungen oder zur Benutzung einer religiösen Eidesform gezwungen werden."

Auch wenn Schülerinnen und Schüler in der Regel automatisch zum Religionsunterricht angemeldet werden, können Erziehungsberechtigte Einspruch einlegen. In Artikel 7 des Grundgesetzes heißt es im zweiten Absatz: "Die Erziehungsberechtigten haben das Recht, über die Teilnahme des Kindes am Religionsunterricht zu bestimmen."

Schöpfer der Zeilen stand bereits vor Gericht

Grünen-Politiker Anton Hofreiter (51) werden die erfundenen Zeilen fälschlicherweise in den Mund gelegt. (Symbolbild)
Grünen-Politiker Anton Hofreiter (51) werden die erfundenen Zeilen fälschlicherweise in den Mund gelegt. (Symbolbild)  © Kay Nietfeld/dpa

Bereits in dem geteilten Sharepic selbst finden sich Hinweise darauf, dass Foto und Text nicht zusammenpassen.

Es fehlen beispielsweise die Anführungszeichen, die ein direktes Zitat kennzeichnen würden. Außerdem findet sich unten links im Bild der kleingedruckte Hinweis: "In Satira Veritas by Uwe Ostertag" - ein Latein-Englisch-Gemisch, das offenbar so viel heißen soll wie: "In der Satire liegt die Wahrheit" gepaart mit dem Autorennamen "Uwe Ostertag".

Trotz dieses Hinweises deuten die Kommentare unter dem Beitrag darauf hin, dass ein Teil der Kommentierenden dennoch davon ausgeht, dass es sich um ein echtes Zitat handelt.

Der mutmaßliche Schöpfer des Sharepics ist schon mehrfach mit erfundenen Zitaten aufgefallen und unter anderem deswegen auch schon vor Gericht gelandet.

Die Mainpost etwa schreibt, dass er 2016 vom Amtsgericht Würzburg zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt wurde. Dem Bericht zufolge stehe Ostertag zu seinen Werken, fühle sich aber unschuldig.

"Satire" nennt er seine üble Hetze, "schwarzen Humor", "eine aggressive Kunstrichtung", wie sie schon "die alten Griechen betrieben hätten", heißt es in dem Bericht. Der FAZ hatte der selbsternannte "Internet-Troll" bereits 2014 gestanden: "Provozieren, das ist wie ein Orgasmus. Wenn sich jetzt jemand aufregt, dann ist das mein Ejakulat."

Titelfoto: Montage: dolgachov/123RF, Kay Nietfeld/dpa

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