Wollen die Grünen wirklich neue Einfamilienhäuser verbieten?

Hamburg - Die Grünen verbieten den Bau von Einfamilienhäusern in Hamburg, so war es in den vergangenen Tagen in Bild, Spiegel, Welt und anderen Medien zu lesen. Doch was ist dran?

Um neue Einfamilienhäuser ist ein politischer Streit entbrannt. (Symbolbild)
Um neue Einfamilienhäuser ist ein politischer Streit entbrannt. (Symbolbild)  © Julian Stratenschulte/dpa

Als Beispiel für die Pläne wurde der Bezirk Hamburg-Nord genannt. Dort dürften den Berichten zufolge keine Eigenheime mehr gebaut werden. Stattdessen sei der Plattenbau im Kommen.

Die zugespitzte Schlussfolgerung: Das drohe auch in anderen Kommunen - vor allem nach der Bundestagswahl im Herbst, falls die Grünen mit an der neuen Regierung beteiligt sein sollten.

Die Chancen dafür sind hoch, laut einer aktuellen Umfrage für RTL kommen die Grünen mit 19 Prozent nach der CDU mit 35 Prozent auf Platz 2 - noch vor der SPD.

Kommt also ein Eigenheim-Verbot? Nein, die Behauptung, dass die Grünen das fordern, sei falsch, schreibt der Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter (51). Das Einfamilienhaus werde es auch in Zukunft geben. Die Entscheidung, was gebaut werde, treffe weiter die Kommune vor Ort.

Und was gilt nun im Bezirk Hamburg-Nord?

CDU und Grüne vor SPD bei neuer Umfrage zur Bundestagswahl

Das sagt der Bezirksamtsleiter zu neuen Eigenheimen

Sollen statt Eigenheimen nur noch Geschosswohnungen gebaut werden? (Symbolbild)
Sollen statt Eigenheimen nur noch Geschosswohnungen gebaut werden? (Symbolbild)  © Julian Stratenschulte/dpa

Dort leitet der Grüne Michael Werner-Boelz (54) seit dem Jahr 2019 das Bezirksamt. Zusammen mit der SPD reagiert dort die Ökopartei. Im Koalitionsvertrag wurde vereinbart, dass in neuen Bebauungsplänen keine Einfamilienhäuser mehr ausgewiesen werden. Kritik kam sofort von der CDU. Mit deutlicher Verzögerung kam das Thema vor wenigen Tagen in die bundesweite Medien- und Politiklandschaft.

Werner-Boelz sah sich jetzt in einem taz-Interview zu einer Klarstellung gezwungen. "Überall dort, wo wir in gültigen Bebauungsplänen solche (Anm. d. Red: Einfamilien-) Häuser ausgewiesen haben, kann man sie weiter bauen. Und jeder, der in einem Einfamilienhaus lebt, lebt natürlich weiter darin", sagte der 54-Jährige der Zeitung.

In neuen Baugebieten wolle man auf Geschosswohnungen setzen, da die Fläche für Neubauten knapp ist und gleichzeitig Wohnungsnot in Hamburg herrsche. Aktuell werde daher im Bezirk das Pergolenviertel mit 1700 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, die bis zu acht Geschosse hoch werden, gebaut.

Dieser Kurs sei übrigens nicht neu, meint Werner-Boelz: "Ich kann mich an keinen Bebauungsplan erinnern, in dem noch Einfamilienhäuser im Bezirk Hamburg-Nord erlaubt wurden – und ich bin schon einige Zeit in der Kommunalpolitik aktiv."

Also viel Aufregung um nichts? Währenddessen sind die Preise für Eigenheime in Hamburg von 2018 bis 2020 um durchschnittlich rund 25 Prozent - auch im Bezirk Hamburg-Nord - gestiegen, meldet Scoperty.

Titelfoto: Julian Stratenschulte/dpa

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