Alarm bei der CDU: Schicksalswahl für Strobl!

Stuttgart - Es ist ein echter Exodus bei der Südwest-CDU. Mehr als ein Dutzend altgediente Abgeordnete, die vor vier Jahren per Direktmandat in den Bundestag eingezogen sind, hören auf.

Mit Kanzlerkandidat Armin Laschet (60, CDU) läuft der Wahlkampf alles andere als gut für die Union.
Mit Kanzlerkandidat Armin Laschet (60, CDU) läuft der Wahlkampf alles andere als gut für die Union.  © Marius Becker/dpa

Es sind große Namen dabei. Volker Kauder (72) macht nach 31 Jahren Schluss, nachdem er schon vor drei Jahren den Fraktionsvorsitz abgeben musste.

Eberhard Gienger (70), der frühere Kunstturn-Weltmeister, beendet nach knapp 20 Jahren auch seine politische Karriere. Stephan Harbarth (49) ist schon Mitte 2020 Präsident des Bundesverfassungsgerichts geworden.

Und der Lörracher Abgeordnete Armin Schuster (60) wechselte im November auf den Posten des obersten Katastrophenschützers in Deutschland.

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Schutz vor einer drohenden Wahlkatastrophe könnte die CDU gerade gut gebrauchen. Denn die Lage drei Wochen vor der Bundestagswahl ist so schlecht, wie sie sich wohl kein Parteistratege vorher ausgemalt hat.

Die Union ist unter der Führung von Kanzlerkandidat Armin Laschet (60) im vergangenen Monat in Umfragen auf bis zu 20 Prozent abgeschmiert und von der zuvor längst abgeschriebenen SPD überholt worden.

Auch in der baden-württembergischen CDU sind nicht wenige im Panikmodus, wird hinter vorgehaltener Hand erzählt. Denn: Von den 38 Direktmandaten, welche die CDU bei den letzten beiden Wahlen erringen konnte, ist eine ganze Reihe in Gefahr.

Das Ende der Ära von Bundeskanzlerin Angela Merkel (67) läutet auch einen Generationswechsel in der CDU Baden-Württemberg ein.

Südwest-Grüne 2017 stärker als Bundespartei

Annalena Baerbock (40) gilt nicht als Zugpferd, dennoch könnten die Südwest-Grünen ein Plus verbuchen.
Annalena Baerbock (40) gilt nicht als Zugpferd, dennoch könnten die Südwest-Grünen ein Plus verbuchen.  © Kay Nietfeld/dpa

Doch ob die neuen Gesichter wie zum Beispiel Diana Stöcker (51) als Nachfolgerin von Schuster im Wahlkreis Lörrach-Müllheim bei diesem Bundestrend Erfolg haben, muss sich noch zeigen. Südbaden ist für die CDU sowieso ein schwieriges Terrain. Auch in Freiburg und Emmendingen-Lahr laufen die CDU-Bewerber Gefahr zu verlieren.

In der Unistadt Freiburg sind die Grünen traditionell stark. Im Emmendinger Wahlkreis hört der profilierte Sozialpolitiker Peter Weiß (65) auf. Hier könnte zum Beispiel der SPD-Abgeordnete Johannes Fechner (48) profitieren.

Zum Vergleich: Bei der Wahl 2017 hatte die Südwest-CDU 34,4 Prozent der Zweitstimmen und damit das Ergebnis der Bundes-CDU um 1,5 Punkte übertroffen. Die Landes-SPD rutschte 2017 um mehr als 10 Punkte nach unten und erreichte nur noch 19,3 Prozent - das war noch schwächer als die mageren 20,5 Prozent der Bundes-SPD.

Die Südwest-Grünen kamen 2017 auf 13,5 Prozent und waren damit um 4,6 Punkte stärker als die Bundespartei. Hier könnte es - auch nach der erfolgreichen Landtagswahl im Frühjahr - ein deutliches Plus geben. Auch wenn Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (40, Grüne) laut Umfragen nicht wirklich ein Zugpferd ist.

Die Südwest-CDU kann von Glück reden, dass - anders als vor der Landtagswahl - von der Masken-Affäre und der "Aserbaidschan-Connection" der Landes-CDU kaum mehr die Rede ist. Der Mannheimer Nikolas Löbel (35), der eine sechsstellige Provision durch ein Maskengeschäft erhalten habe soll, trat aus der CDU aus und gab sein Bundestagsmandat zurück.

Der Karlsruher Abgeordnete Axel Fischer (55) soll Geld aus Aserbaidschan angenommen haben, gegen ihn wird ermittelt. Auch Fischer tritt nicht mehr an. Und der Waiblinger Energieexperte Joachim Pfeiffer (54) nimmt seinen Hut, weil er nach eigenen Worten mit dem verschärften Verhaltenskodex nach der Maskenaffäre nicht einverstanden ist.

Kann sich Strobl wieder retten?

CDU-Bundesvize und Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (61).
CDU-Bundesvize und Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (61).  © Sebastian Gollnow/dpa

"Es wird ein extrem knappes Rennen", meint CDU-Fraktionschef Manuel Hagel (32). Er hält daran fest, dass die CDU alle 38 Wahlkreise holen kann. Dafür muss die Union aber noch ein paar Schippen drauflegen. Selbst Kauder sagt, er merke auch in seinem Wahlkreis schon, "dass der Kampf noch etwas intensiver werden muss".

Nun kommt Laschet auch nach Baden-Württemberg, um in den Wahlkampf einzugreifen. Allerdings hielt sich die Begeisterung über den Aachener schon vor seiner Kür zum CDU-Chef und Kanzlerkandidaten im Südwesten in engen Grenzen.

Denn die Landespartei ist schon lange ein Friedrich-Merz-Fanclub. Als der Sauerländer beim Rennen um den Bundesvorsitz nicht zum Zug kam, schwenkte die große Mehrheit der Funktionäre in der Kanzlerfrage rüber zu CSU-Chef Markus Söder (54). Aber Landesparteichef und Bundesvize Thomas Strobl (61) sowie der Altvordere Wolfgang Schäuble (78) sprachen sich klar für Laschet aus.

Irgendwie arrangierte sich die Landespartei dann mit dem NRW-Ministerpräsidenten, der ja auch Merz einbinden will. Doch das Umfragetief wird ihm angelastet, auch wenn vielen bewusst war, dass den Menschen irgendwann klar würde, dass Merkel demnächst nun endgültig weg ist.

So mancher wundert sich denn auch, dass in Baden-Württemberg kaum Großplakate mit Laschet hängen. Das liegt aber vor allem daran, dass in der Landesgeschäftsstelle eine Mail aus dem Konrad-Adenauer-Haus in Berlin zunächst unbeachtet blieb, wie es in Parteikreisen hieß. Darin bot der Bundesverband frühzeitig an, Großplakate zu liefern.

Erst mit einer Verzögerung fiel das im August auf, als die Umfragewerte der CDU nach Laschets Fauxpas bei einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (65, SPD) im Flutgebiet schon im Sinkflug waren. Zwar konnte man noch nachbestellen, aber es wurden kaum Plakate mit dem Konterfei Laschets geordert.

Für Parteichef Strobl ist das ein nachrangiger Fehler. Aber ihm dürfte - im Fall einer krassen Wahlniederlage - angekreidet werden, dass er klar für Laschet war. Am 13. November steht der Landesparteitag mit Vorstandswahlen an.

Zwar wird Strobl zugutegehalten, die CDU in die Koalition mit den Grünen im Südwesten geführt zu haben. Doch nicht wenige in der Partei haben noch eine Rechnung mit dem 61-jährigen Heilbronner offen - nur müsste sich dann auch jemand aus der Deckung wagen.

Immer wieder ist es Strobl gelungen, nach Wahlpleiten und parteiinternen Niederlagen an der Spitze zu bleiben. Klar ist: Er wird wieder Nervenstärke brauchen.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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