CDU-Politiker stört SWR-Live-Schalte von Parteitag und sorgt für Abbruch!

Mannheim - Journalismus-Eklat beim Kreisparteitag der Mannheimer CDU!

SWR-Reporterin Natalie Akbari wird in einer Live-Schalte vom Mannheimer CDU-Kreisparteitag von Stadtrat Thomas Hornung bedrängt, was einen Abbruch der Übertragung zur Folge hatte.
SWR-Reporterin Natalie Akbari wird in einer Live-Schalte vom Mannheimer CDU-Kreisparteitag von Stadtrat Thomas Hornung bedrängt, was einen Abbruch der Übertragung zur Folge hatte.  © Screenshot YouTube/SWR

Die SWR-Reporterin Natalie Akbari ist von CDU-Stadtrat Thomas Hornung bei einer Live-Schalte in der 19.30 Uhr-Ausgabe von "SWR Aktuell" am Freitagabend während ihres Vortrags vor der Kamera derart gestört worden, dass die Übertragung letztlich abgebrochen werden musste. Zunächst hatte DWDL darüber berichtet.

Akbari war gerade dabei, die Gegenposition des aktuellen Vorstands zusammenzufassen, nachdem sie zuvor den Kritiker Heinrich Braun interviewt hatte, um ausgewogen zu berichten.

Doch mitten in ihren Ausführungen fuhr Hornung ihr in die Parade, unterstellte der SWR-Journalistin unter anderem eine unseriöse Arbeitsweise und echauffierte sich darüber, dass Akbaris Schalte aus dem Saal heraus die laufende Veranstaltung massiv stören würde.

Allerdings kann man beim Ansehen des Videos durchaus den Eindruck gewinnen, dass erst Hornungs lautstarkes Eingreifen zum eigentlichen Störfaktor wurde, der letztlich im Abbruch der Schalte kulminierte.

"Es gab danach noch einige unflätige Beleidigungen, die ich nicht wiederholen möchte. Ich möchte aber auch sagen, dass ein Großteil der CDU-Mitglieder hier in Mannheim danach zu mir gekommen ist und gesagt hat, dass sie das so auch nicht in Ordnung fanden", sagte Akbari in einer späteren Ausgabe von "SWR Aktuell" im Gespräch mit Moderatorin Tatjana Geßler.

Update, 15.40 Uhr: SWR wehrt sich, SPD fordert Entschuldigung

Nikolas Löbel war nach heftiger Kritik aus der CDU ausgetreten.
Nikolas Löbel war nach heftiger Kritik aus der CDU ausgetreten.  © picture alliance / Lino Mirgeler/dpa

Wie die dpa berichtet, berichtete Akbari über die Debatte zur Verstrickung der Kreis-CDU in die Geschäfte des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Nikolas Löbel.

Dies empfand der CDU-Stadtrat und ehemalige Büroleiter Löbels, Thomas Hornung, nach eigenen Angaben als störend und griff in den Beitrag ein, so die Agentur.

Der SWR wehrte sich gegen den Vorwurf. Der Platz sei der Reporterin zugewiesen worden - vom Veranstalter. "Das Verhalten eines Mannheimer CDU-Stadtrats offenbart ein Verständnis von Pressearbeit, das mit der grundgesetzlich verbrieften Freiheit der Berichterstattung nicht vereinbar ist", sagte SWR-Chefredakteur Fritz Frey.

Hornung verteidigte sich nach dem Zwischenfall. "Es wurde ausgerechnet in dem Moment live und laut berichtet, als die kommissarische Kreisvorsitzende in ihrem Rechenschaftsbericht auf die Vorwürfe in der Sache einging", kritisierte er am Samstag.

Deshalb hätte das Interview seines Erachtens nicht zeitgleich und im Raum abgehalten werden dürfen. "Ich habe da sicher im Affekt gehandelt und bin über mich hinausgeschossen", sagte Hornung der Deutschen Presse-Agentur. Er ergänzte aber, den Eingriff bereue er nicht.

Der baden-württembergische SPD-Generalsekretär Sascha Binder forderte die CDU auf, sich bei der Reporterin und dem SWR zu entschuldigen. Es sei nicht hinnehmbar, wenn bei einer CDU-Veranstaltung in Anwesenheit der Landesgeneralsekretärin Isabell Huber eine Journalistin bei ihrer Arbeit behindert werde. "Das kannten wir bisher nur von AfD-Veranstaltungen", sagte Binder am Samstag in Freiburg.

In der Masken-Affäre ging es um Provisionen von rund 250.000 Euro für Löbels Firma. Sie soll die Gelder kassiert haben, weil sie Kaufverträge über Corona-Schutzmasken zwischen einem baden-württembergischen Lieferanten und zwei Privatunternehmen in Heidelberg und Mannheim vermittelte.

Politiker und Bürger hatten Löbel aufgefordert, das Geld zurückzugeben oder zu spenden. Nach heftiger Kritik war Löbel aus der CDU ausgetreten und hatte sich auch umgehend aus dem Parlament zurückgezogen.

Titelfoto: Montage: Screenshots YouTube/SWR

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