Darum will CDU-Mann Strobl nicht mehr Bundesvize sein

Stuttgart - Gut eine Woche vor dem CDU-Landesparteitag hat Innenminister Thomas Strobl (61, CDU) seine erneute Kandidatur für den Parteivorsitz angekündigt.

Kandidiert wieder für den Landesvorsitz: Thomas Strobl (61, CDU).
Kandidiert wieder für den Landesvorsitz: Thomas Strobl (61, CDU).  © Sebastian Gollnow/dpa

Der 61-Jährige bestätigte der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart, dass er am Freitagabend in Präsidium und Vorstand erklärt habe, sich wieder zu bewerben.

Beim CDU-Bundesparteitag im Januar wolle er aber nicht mehr für den stellvertretenden Bundesvorsitz kandidieren, den er seit zehn Jahren inne hat. Dem Vernehmen nach gab es in den Gremien für diesen Vorschlag breite Zustimmung.

Für den Posten als Bundesvize wird der Klimaexperte Andreas Jung (46) aus Konstanz gehandelt.

AfD will Untersuchungs-Ausschuss für Pannenflughafen BER: Darum stehen die Chancen nicht schlecht
AfD AfD will Untersuchungs-Ausschuss für Pannenflughafen BER: Darum stehen die Chancen nicht schlecht

Nach den historisch schwachen Ergebnissen bei Landtags- und Bundestagswahl gibt es auch in der Südwest-CDU heftige Kritik an der Führung und den Ruf nach personeller Erneuerung.

Mit dem Schachzug, die Ämter im Land und im Bund aufzuteilen, will Strobl dem Vernehmen nach auch Druck aus dem Kessel nehmen.

Ob er bei dem Parteitag am 13. November einen Gegenkandidaten haben wird, ist offen. Allerdings haben mehrere potenzielle Nachfolger schon abgewunken. Neben Jung wollen auch Unions-Bundestagsfraktionsivze Thorsten Frei (48) sowie der bisherige Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Steffen Bilger (42), nicht gegen Strobl antreten.

Der 61-Jährige sagte der dpa: "Wir sind im Moment in schwerer See - ich will gemeinsam mit einem starken Team aus Frauen und Männern, jungen und erfahrenen Köpfen, anpacken, einen Beitrag leisten und unser Schiff stabil und verlässlich wieder auf Kurs bringen. Als Ausdauersportler weiß ich freilich, dass das kein Sprint, sondern ein Marathon sein wird."

Strobl ist Vertrauter von Winfried Kretschmann

Strobl (l.) hatte im Frühjahr eine Neuauflage der grün-schwarzen Landesregierung mit Kretschmann (73, Grüne, r.) ausgehandelt.
Strobl (l.) hatte im Frühjahr eine Neuauflage der grün-schwarzen Landesregierung mit Kretschmann (73, Grüne, r.) ausgehandelt.  © Sebastian Gollnow/dpa

Strobl steht seit zehn Jahren an der Spitze der Südwest-CDU und ist auch Innenminister und Vize-Regierungschef in der grün-schwarzen Koalition.

Der Heilbronner gilt als Vertrauter des grünen Regierungschefs Winfried Kretschmann (73, Grüne), mit dem er trotz der Niederlage der CDU im Frühjahr eine Wiederauflage von Grün-Schwarz aushandelte.

In der Frage der Unions-Kanzlerkandidatur hatte sich Strobl für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (60, CDU) stark gemacht. Nach der Pleite bei der Bundestagswahl soll die Bundesführung - auch mit Hilfe einer Mitgliederbefragung - erneuert werden.

Aminata Touré sieht Schaden durch Ermittlungen gegen Grünen-Bundesvorstand für Landtagswahl
Bündnis 90/Die Grünen Aminata Touré sieht Schaden durch Ermittlungen gegen Grünen-Bundesvorstand für Landtagswahl

Dazu sagte Strobl: "Für den Bund ebnen wir aus Baden-Württemberg heraus den Weg der Erneuerung. Das heißt ganz konkret, dass ich mich nach zehn Jahren nicht erneut für den Stellvertretenden CDU-Bundesvorsitz bewerbe und damit den Weg für eine personelle Erneuerung aus Baden-Württemberg heraus bereiten möchte." Strobl ist derzeit noch einer von fünf CDU-Vize.

Zuletzt gab es aus Teilen der CDU - vor allem in Südbaden - Rufe nach einem Rückzugs Strobls. Er selbst sagte zur Stimmung in der Partei: "Freilich ist das gerade keine einfache Zeit für unsere CDU, das ist auch für mich persönlich nicht immer alles nur Friede, Freude, Eierkuchen in dieser schwierigen Lage unserer CDU in Deutschland."

Er habe aber "große Motivation, etwas zu bewegen, zu ermöglichen, unser Land voranzubringen, unserer Partei und der Sache zu dienen, die Ärmel hochzukrempeln".

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

Mehr zum Thema CDU: