Laschet zum neuen CDU-Chef gewählt, Merz unterliegt bei Stichwahl

Düsseldorf/Berlin – Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (59) soll als Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer (58) neuer CDU-Chef werden.

Der neue Parteivorsitzende Armin Laschet (59) nimmt die Glückwünsche seiner Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer entgegen beim digitalen Bundesparteitag der CDU.
Der neue Parteivorsitzende Armin Laschet (59) nimmt die Glückwünsche seiner Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer entgegen beim digitalen Bundesparteitag der CDU.  © Michael Kappeler/dpa

Der 59-Jährige setzte sich am Samstag auf dem digitalen CDU-Parteitag in einer Stichwahl gegen Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz (65) durch. Die Entscheidung muss noch formal per Briefwahl bestätigt werden.

Laschet bekam 521 Stimmen, Merz 466 Stimmen. Es wurden 991 Stimmen abgegeben, vier Delegierte enthielten sich. Im ersten Wahlgang war Merz auf 385 Stimmen gekommen, Laschet auf 380 Stimmen. 224 Stimmen entfielen auf Norbert Röttgen (55), der damit auf dem dritten Platz landete und somit aus dem Rennen war.

Laschet sagte nach der Wahl, er sei sich der Verantwortung bewusst und werde alles dafür tun, damit die CDU erfolgreich durch das Jahr gehe und den nächsten Kanzler stelle.

Er dankte der scheidenden Parteichefin Annegret Kamp-Karrenbauer sowie Röttgen und Merz für einen fairen Wahlkampf.

Der 59-Jährige ist seit 2017 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. In seiner Bewerbungsrede auf dem Parteitag hatte er seine Erfahrung als Regierungschef betont. "Man muss das Handwerkszeug einer Politik der Mitte beherrschen."

Armin Laschet feiert mit seinem Kurs von "Maß und Mitte" Erfolg

Laschet verwies auf die Verhandlungen zum Kohleausstieg oder den Kampf gegen Kriminalität in NRW. Er hat als einziger der drei Bewerber um den Parteivorsitz ein Regierungsamt.

Auch im Machtkampf um den CDU-Vorsitz hatte Laschet versucht, vor allem mit seiner Erfahrung als NRW-Ministerpräsident zu punkten - und mit einem Kurs von "Maß und Mitte".

Eine scharfe Abgrenzung von der in der Bevölkerung wieder äußerst beliebten Kanzlerin Angela Merkel (66) versuchte der Bergmannssohn aus Aachen zuletzt zu vermeiden.

Update, 12.10 Uhr: Laschet dankt nach Wahlerfolg für Vertrauen und fairen Wahlkampf

Der unterlegene Friedrich Merz (65, r) gratuliert Armin Laschet (59) zur Wahl als Parteivorsitzender beim digitalen Bundesparteitag der CDU.
Der unterlegene Friedrich Merz (65, r) gratuliert Armin Laschet (59) zur Wahl als Parteivorsitzender beim digitalen Bundesparteitag der CDU.  © Michael Kappeler/dpa

Nach seiner Wahl zum neuen CDU-Chef hat Armin Laschet seiner Partei für das große Vertrauen gedankt. "Ich bin mir der Verantwortung bewusst, die mit diesem Amt verbunden ist", sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident am Samstag auf dem digitalen Parteitag der CDU.

Nun gehe es darum, dass die CDU zunächst die anstehenden Landtagswahlen in "wenigen Wochen" gut bestehe. Zudem wolle er bei der Bundestagswahl dafür sorgen, "dass die Union den nächsten Kanzler stellt".

Laschet dankte seinen beiden Mitbewerbern um den Parteivorsitz, Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und Außenpolitiker Norbert Röttgen, für den fairen Wahlkampf in den vergangenen zehn Monaten.

Ein so langer Wettbewerb berge immer die Gefahr, dass Aggression, Gereiztheit und kleine Spitzen zunehmen. An die Adresse von Merz betonte er, dass er auch in Zukunft viel zusammen machen wolle.

Merz und Röttgen gratulierten Laschet zum Wahlerfolg und wünschten ihm für das Wahljahr viel Erfolg. Es sei eine "enorm anstrengende Zeit für uns alle zu bestehen", sagte Merz. Wie er sich nach seiner Niederlage in der CDU weiter einbringen wolle, dazu sagte Merz nichts.

Röttgen betonte, er stehe zu seinem Wort und werden Laschet nun mit voller Kraft unterstützen. "Du kannst dich auf mich verlassen. Wir müssen jetzt eine Mannschaft bilden", sagte er.

Update, 12.22 Uhr: Markus Söder gratuliert Laschet

CSU-Chef Markus Söder (54) hat Armin Laschet (59) per Twitter zum neuen CDU-Posten gratuliert.

"Herzlichen Glückwunsch @ArminLaschet. Freue mich auf unsere Zusammenarbeit! Gemeinsam werden wir die Erfolgsgeschichte der Union fortschreiben", schrieb der Ministerpräsident Bayerns unmittelbar nach der Entscheidung am Samstag beim beliebten Kurznachrichtendienst. Mehr dazu gibt's >>> hier.

Update, 12.26 Uhr: AfD prophezeit negative Folgen für NRW

Die oppositionelle AfD in Nordrhein-Westfalen sieht in der Wahl von Ministerpräsident Armin Laschet zum CDU-Bundeschef ein negatives Signal für Deutschland.

Mit dieser Wahl habe die CDU deutlich gemacht, dass sie keine Perspektiven für die Zukunft des Landes bereithalte, kommentierte AfD-Landtagsfraktionschef Markus Wagner (57) am Samstag in Düsseldorf die Entscheidung.

Der AfD-Fraktionsvorsitzender Markus Wagner (57) sieht die Wahl von Armin Laschet (59) zum neuen CDU-Chef kritisch.
Der AfD-Fraktionsvorsitzender Markus Wagner (57) sieht die Wahl von Armin Laschet (59) zum neuen CDU-Chef kritisch.  © Federico Gambarini/dpa

"Für NRW bedeutet das vermutlich, dass der amtierende Ministerpräsident noch weniger Zeit findet, sich um die Probleme des größten Bundeslandes zu kümmern."

Update, 12.50 Uhr: FDP pocht auf eigenständigen NRW-Kurs

Die FDP will ihre Zusammenarbeit mit der CDU in NRW wie gehabt fortsetzen.
Die FDP will ihre Zusammenarbeit mit der CDU in NRW wie gehabt fortsetzen.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Die in Nordrhein-Westfalen mitregierende FDP sieht die Arbeit der schwarz-gelben Koalition nicht durch das neue Amt des CDU-Bundesvorsitzenden Armin Laschet gestört.

Die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit in NRW werde fortgesetzt, unterstrich Laschets Stellvertreter im Amt des Ministerpräsidenten, FDP-Landesparteichef Joachim Stamp (50), am Samstag in einem Glückwunschschreiben.

Die Landesregierung werde weiter mit ganzer Kraft an der Bewältigung der Pandemie und der Modernisierung des Landes arbeiten, versicherte Stamp. Mit diesem Modernisierungskurs sei "die NRW-Koalition bundesweit Vorbild".

CDU und FDP hätten schon zu Beginn der Wahlperiode 2017 "gemeinsam klargemacht, dass die NRW-Koalition nicht die verlängerte Werkbank der Bundesregierung ist", betonte der Freidemokrat. "Das wird auch so bleiben."

Laschet sagte nach seiner Wahl, er werde alles dafür tun, dass die CDU die bevorstehenden Landtagswahlen erfolgreich besteht und dass nach der Bundestagswahl "die Union den nächsten Kanzler stellt".

Update, 13.13 Uhr: Baden-Württembergs Parteivorsitzender erleichtert nach Wahl

Nach der Wahl von Armin Laschet (59) als Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer (58) an der CDU-Spitze zeigte sich CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart (64) am Samstag erleichtert.

"Ich bin zunächst einmal froh, dass jetzt endlich Klarheit herrscht. Wir brauchen uns fortan nicht mehr mit uns selbst zu beschäftigen, sondern können geschlossen auf das Tor des politischen Gegners spielen", sagte Reinhart am Samstag in Stuttgart. Was er noch sagte und wen er sich anstelle von Laschet vorgestellt hätte, erfahrt Ihr >>> hier.

Update, 13.18 Uhr: SPD und Grüne ermahnen Laschet

Der Oppositionsführer im Düsseldorfer Landtag Thomas Kutschaty (52, SPD) hat mahnende Worte an den neuen CDU-Chef Armin Laschet (59) gerichtet.
Der Oppositionsführer im Düsseldorfer Landtag Thomas Kutschaty (52, SPD) hat mahnende Worte an den neuen CDU-Chef Armin Laschet (59) gerichtet.  © Federico Gambarini/dpa

SPD und Grüne haben nach der Wahl von Armin Laschet zum CDU-Chef am Samstag an den Ministerpräsidenten appelliert, Nordrhein-Westfalen jetzt nicht zu vernachlässigen.

"Einen Teilzeit-Ministerpräsidenten hat das Land nicht verdient und können wir uns in dieser Zeit auch nicht leisten", mahnte der Oppositionsführer im Düsseldorfer Landtag, Thomas Kutschaty (52, SPD).

Auch SPD-Landeschef Sebastian Hartmann (43) forderte: "Die Interessen der Menschen in Nordrhein-Westfalen und die Bekämpfung der Pandemie müssen absolute Priorität haben." Laschet übernehme mit dem CDU-Bundesvorsitz "ein entscheidendes Amt in einer Umbruchphase für die Volksparteien", stellte der SPD-Politiker fest.

Gleichzeitig beschere die Corona-Pandemie dem Land die schwerste Herausforderung seit vielen Jahrzehnten. "Zeitgleich muss Armin Laschet um seine Kanzlerkandidatur kämpfen."

Die Grünen in NRW unterstrichen ebenfalls in einer Mitteilung, nachdem der CDU-Wahlkampf nun zu Ende sei, müsse Laschet sich endlich wieder den Herausforderungen in NRW und den Sorgen und Nöten der 18 Millionen Einwohner widmen.

"Neben der Pandemiebekämpfung sind das die Klimakrise, der klimaneutrale Umbau unserer Wirtschaft und die Herstellung von Bildungsgerechtigkeit", betonten die Spitzen der Landespartei und der Landtagsfraktion.

Die Jusos und die Grüne Jugend NRW gingen hart mit Laschets Leistungsbilanz ins Gericht. Sie sehen in seiner Wahl keine Impulse für Deutschland.

"Die CDU-Delegierten haben sich entschieden, das Corona- und Regierungschaos aus NRW auf Bundesebene zu importieren", kommentierte der Landesvorsitzende der Jusos, Konstantin Achinger, Laschets Wahl. "Nicht nur die Umfragewerte zeigen, dass eine Mehrzahl der Menschen Armin Laschet als vollkommen ungeeigneten Kanzlerkandidaten ansieht."

Die Sprecherin der Grünen Jugend NRW, Nicola Dichant, meinte: "Mit Armin Laschet haben sich die Delegierten für den schlechtesten Krisenmanager bei der Klima- und der Coronakrise entschieden."

Titelfoto: Michael Kappeler/dpa

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