Mehr Transparenz! CDU-Sozialflügel fordert Verhaltenskodex für Abgeordnete wie bei CSU

Stuttgart - Der CDU-Sozialflügel hat die eigene Partei aufgefordert, dem Beispiel der CSU zu folgen und die Transparenzregeln für alle Mandatsträger zu verschärfen.

Christian Bäumler (55), Vize-Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, fordert mehr Transparenz.
Christian Bäumler (55), Vize-Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, fordert mehr Transparenz.  © Patrick Seeger/dpa

"Die CDU benötigt einen Verhaltenskodex, um Interessenkonflikte wie bei der Maskenaffäre und der Aserbaidschan-Connection in Zukunft zu verhindern", sagte Christian Bäumler (55), Vize-Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, der Deutschen Presse-Agentur.

Er warnte, der CDU könne es sonst genau so ergehen wie der italienischen Schwesterpartei: "Die CDU muss aufpassen, dass sie nicht das Schicksal der Democrazia Cristiana erleidet, die an Korruption zugrunde ging."

CSU-Chef Markus Söder (54) hatte am Wochenende angekündigt, als Konsequenz aus der Maskenaffäre und den Korruptionsermittlungen gegen Abgeordnete ihre Regeln zu verschärfen. Unter anderem soll es nun "volle Transparenz" bei Nebeneinkünften und Beteiligungen von Abgeordneten geben.

Alles soll gegenüber Partei und Parlamenten offengelegt werden müssen. Bei Führungsaufgaben für die CSU in Parlamenten sollen gewerbsmäßige Nebentätigkeiten künftig untersagt werden, ebenso wie eine bezahlte Interessensvertretung.

Mehrere Politiker legten ihre Mandate nach Masken-Affäre nieder

Nicolas Löbel (34) legte sein Mandat nach Bekanntwerden seiner Maskengeschäfte nieder.
Nicolas Löbel (34) legte sein Mandat nach Bekanntwerden seiner Maskengeschäfte nieder.  © Jörg Carstensen/dpa

Bäumler, der auch Landeschef des Sozialflügels in Baden-Württemberg ist, forderte die eigene Landespartei auf, innerhalb der Bundes-CDU Druck zu machen. "Da die CDU Baden-Württemberg von Korruptionsvorwürfen betroffen ist, sollte der Landesverband meiner Auffassung nach eine Vorreiterrolle übernehmen."

In der Maskenaffäre geht es um Unions-Bundestagsabgeordnete, die an Geschäften mit Corona-Schutzausrüstung beteiligt waren. Der Mannheimer Bundestagsabgeordnete Nikolas Löbel (34) soll eine sechsstellige Provision durch ein Maskengeschäft erhalten haben. (TAG24 berichtete)

Löbel trat aus der CDU aus und gab sein Bundestagsmandat zurück. Mit dem Begriff "Aserbaidschan-Connection" meint Bäumler eine Reihe von Abgeordneten, die sich für den autoritär regierten Staat eingesetzt haben sollen.

Gegen den Karlsruher CDU-Bundestagsabgeordneten Axel Fischer (54) wird wegen des Anfangsverdachts der Bestechlichkeit ermittelt. Der Bundestag hatte dafür seine Immunität als Abgeordneter aufgehoben. Er soll Geld aus Aserbaidschan angenommen haben. Fischer hat die Vorwürfe als haltlos zurückgewiesen.

Der Thüringer CDU-Abgeordnete Mark Hauptmann (36) hatte nach Vorwürfen, er sei als Lobbyist für Aserbaidschan tätig gewesen, sein Mandat niedergelegt.

Titelfoto: Patrick Seeger/dpa

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