Röttgen macht FDP lächerlich: Bittere Verzweiflung im Kampf um den CDU-Vorsitz?

Berlin - Röttgen schießt scharf gegen die Liberalen! Der CDU-Vorsitzkandidat Norbert Röttgen (55) hat beim Thema einer möglichen Regierungsbeteiligung der FDP in der Zukunft eine klare Haltung - und macht die Liberalen rund um Parteichef Christian Lindner (42) beinahe lächerlich. Doch warum ätzt der 55-Jährige ausgerechnet jetzt gegen die Freien Demokraten?

CDU-Politiker Norbert Röttgen (55) hat eine klare Haltung zur FDP. Strategie im Kampf um den Parteivorsitz?
CDU-Politiker Norbert Röttgen (55) hat eine klare Haltung zur FDP. Strategie im Kampf um den Parteivorsitz?  © Michael Kappeler/dpa-pool/dpa

Die FDP habe "ein historisches Versagen zu verantworten, indem sie sich nach zwei Großen Koalitionen einem neuen Anfang und der Regierungsverantwortung verweigert hat", holte Röttgen gegenüber der "Augsburger Allgemeinen" aus.

Die Marschroute scheint entsprechend klar. Für die kommende Bundestagswahl 2021 setzt man bei der CDU, ginge es nach dem 55-Jährigen, alles auf eine schwarz-grüne Karte.

Mit den Liberalen hat er, mit dem Rückzug aus den Verhandlungen im Herbst 2017 und dem damit verbundenen Platzen der Jamaika-Koalition, gebrochen.

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"Auf eine Partei, die mal Lust hat zu regieren und dann wieder nicht, kann man sich nicht verlassen", so Röttgen unmissverständlich.

Beinahe schnippisch fuhr der Außenpolitiker dann fort. Die Deutschen dürften das durch den Abbruch von Parteichef Christian Lindner nicht vergessen haben. Anstelle falsch, wolle er lieber gar nicht regieren, so der 42-Jährige damals.

Eine Entscheidung, die letztlich mehr als umstritten gewesen ist. Die Einen bezichtigten die FDP eine Umfaller-Partei gewesen zu sein, die Anderen hielten sie für konsequent und prinzipientreu.

Norbert Röttgen neben Friedrich Merz und Armin Laschet ohne Profil?

Im Konrad-Adenauer-Haus ging es hoch her. Die drei Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz um Friedrich Merz (65, l.), Armin Laschet (59, m.) und Norbert Röttgen (55, r.).
Im Konrad-Adenauer-Haus ging es hoch her. Die drei Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz um Friedrich Merz (65, l.), Armin Laschet (59, m.) und Norbert Röttgen (55, r.).  © Michael Kappeler/dpa

"Kann ja sein, dass die FDP jetzt auf einmal wieder auf die Idee gekommen ist, dass der Sinn von Politik auch darin bestehen könnte, zu gestalten, zu entscheiden und zu regieren", so der 55-Jährige angriffslustig.

Doch woher rührt dieser Frontalangriff acht Monate vor der Wahl und inmitten einer sich immer zuspitzenden Corona-Krise?

Neben Friedrich Merz (65) und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (59) kämpft Röttgen nämlich noch um den Parteivorsitz bei den Christdemokraten.

Während Merz als eher konservativere und im Hinblick auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie Ideal-Lösung gelten könnte, geht Röttgen vor allem eines ab: Profil.

Laschet, welcher mit der FDP in Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit Christian Lindner einst die Landtagswahlen für sich entscheiden konnte und seither eine schwarz-gelbe Regierung bildet, punktet genau mit diesem Faktor. Er steht in Regierungsverantwortung.

Für Laschet steht der Plan: erst Parteivorsitz, dann Bundeskanzler.

Braucht man die FDP am Ende doch mehr als man glaubt?

Christian Lindner (42) dürfte der Röttgens Schuss aus dem Hinterhalt nicht sonderlich gut schmecken.
Christian Lindner (42) dürfte der Röttgens Schuss aus dem Hinterhalt nicht sonderlich gut schmecken.  © David Hutzler/dpa

Röttgen droht indes neben Merz und Laschet ein wenig unterzugehen, musste sich von Letzterem sogar mehr oder weniger "Nachplapperei" vorwerfen lassen.

Im finalen CDU-Kandidaten-Stechen im Konrad-Adenauer-Haus schoss Laschet gegen Röttgen, dieser würde lediglich seine Argumentationen abkupfern: "Irgendwann hört dein 'na klar' auch mal auf."

Am 15. und 16. Januar findet der langersehnte CDU-Parteitag statt. Danach soll der neue Bundesvorsitz und somit die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer (58) feststehen.

Ob der neue Bundesvorsitzende dann überhaupt Kanzler werden wird, steht indes auf einem anderen Blatt Papier.

Ärgster Konkurrent um die meisten Stimmen dürften die Grünen sein. Diese lassen jedoch offen, ob es überhaupt ein schwarz-grünes Bündnis geben soll, oder nicht doch lieber ein grün-rot-rotes.

In diesem Falle wäre der Partei rund um die Doppelspitze Annalena Baerbock (40) und Robert Habeck (51) die Stellung eines grünen Kanzlers durchaus realistisch.

Ob sich Röttgen mit seinem FDP-Bashing somit also nicht sogar ins eigene (Partei-)Bein geschossen hat, wird sich zeigen. Am Ende benötigt man vielleicht sogar eine starke FDP und das ein oder andere gelbe Prozent, um überhaupt den neuen Kanzler stellen zu können.

Die FDP weiterhin einstellig unterwegs

Die Liberalen stecken indes ein Dreivierteljahr vor der Bundestagswahl am 26. September im Umfrage-Loch.

Laut der Meinungsforscher Insa wäre man mit 7,5 Prozent derzeit zwar recht klar im Bundestag, ist man jedoch von den 2017 erreichten 10,7 Prozent noch deutlich entfernt.

Update, 13. Januar, 13.50 Uhr: FDP-Landtagsfraktionschef meldet sich zu Wort, auch CDU-Kretschmer widerspricht Röttgen

FDP-Landtagsfraktionschef Christof Rasche (58).
FDP-Landtagsfraktionschef Christof Rasche (58).  © David Schwarz/dpa

Inzwischen hat sich auch die FDP zum Röttgen-Angriff zu Wort gemeldet.

Der Landtagsfraktionschef Christof Rasche (58), von den Liberalen in Nordrhein-Westfalen, äußerte sich im Hinblick auf das schlechte Abschneiden der CDU bei den Landtagswahlen 2012 recht nüchtern: "Wie CDU und FDP gemeinsam erfolgreich regieren, könnte Norbert Röttgen in NRW sehen".

Röttgen war 2012 Spitzenkandidat der Christdemokraten.

"Es ist aber eine historische Erkenntnis, dass Landespolitik und Verantwortungsübernahme ihn nicht interessieren", so Rasche weiter.

Auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) widerspricht Norbert Röttgen. Für ihn sei die FDP die einzig wahre Koalitionspartei. Dann käme "eine Weile nichts", so der 45-Jährige.

Gerade im Hinblick auf die wirtschaftlichen Aufgaben nach der Corona-Pandemie brauche es einen Partner wie die Liberalen.

Diese Aufgaben seien "mit der FDP viel eher erreichbar als mit den Grünen oder der SPD. Von daher ist es schon für viele in der CDU ein Punkt zum Nachdenken, wenn sie hören, dass einer der Kandidaten eine Koalition mit der FDP ausschließt oder als Plan B sieht."

Titelfoto: Michael Kappeler/dpa-pool/dpa, David Hutzler/dpa

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