Union reagiert auf Ampel: Söder bockig, Laschet kriecht - "klare Vorentscheidung"

Berlin - Die Ampel trifft die Union mitten ins Herz! Seit Mittwochmittag ist klar: Die Grünen und die FDP werden zunächst mit Olaf Scholz (63) und der SPD über eine mögliche Koalition sprechen. CDU/CSU haben somit erneut das Nachsehen im Rennen um die kommende Regierung. Die Reaktionen aus München sowie Düsseldorf kamen prompt.

Nachdem die Ampel anging, krachte es direkt in München. Markus Söder (54, CSU) sieht die Entscheidung von FDP und Grünen als "klare Vorentscheidung".
Nachdem die Ampel anging, krachte es direkt in München. Markus Söder (54, CSU) sieht die Entscheidung von FDP und Grünen als "klare Vorentscheidung".  © Michael Kappeler/dpa

Zunächst meldete sich CSU-Chef Markus Söder (54) zu Wort und hielt mit seiner Knallhart-Einschätzung der Lage nicht hinter dem Berg.

Es sei eine "de-facto-Absage an Jamaika", so der CSU-Kopf. Söder sieht den Erstkontakt der Grünen sowie der Liberalen als Fingerzeig in Richtung der Präferenzen des Zitrus-Duos. Es sei eine "klare Vorentscheidung", so der 54-Jährige weiter.

Man respektiere die Entscheidung und sei gesprächsbereit, dennoch ginge es auch um "Selbstachtung und Würde", so Söder. CDU/CSU seien nicht nur "das Ersatzrad und nur dazu da, quasi immer ein gewisses Druckmittel zu erzeugen in den Verhandlungen".

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Ebenso erwartbar wie die forsche Aussage aus Bayern waren die Durchhalteparolen seines Unions-Kollegen Armin Laschet (60, CDU). Dieser flüchtete sich erneut in Zweckoptimismus.

Man respektiere die Entscheidung der FDP und der Grünen, signalisiere jedoch weiterhin Gesprächsbereitschaft. Klar sein dürfte, dass Laschets politische Zukunft wohl von der Regierungsbildung abhängt.

Sollte - und so sieht es momentan aus - eine Ampel-Koalition gelingen, wäre das Großreinemachen in der CDU unumgänglich. Dabei wäre auch der 60-Jährige wohl nicht mehr zu halten.

Entsprechend bleibt dem CDU-Kanzlerkandidaten nichts weiter übrig, als jenen Zweckoptimismus zu versprühen.

Armin Laschet mimt den Gentleman: "Wir stehen auch zu weiteren Gesprächen bereit"

Armin Laschet (60, CDU) gibt gezwungenermaßen den Gentleman. "Wir stehen auch zu weiteren Gesprächen bereit", so der 60-Jährige.
Armin Laschet (60, CDU) gibt gezwungenermaßen den Gentleman. "Wir stehen auch zu weiteren Gesprächen bereit", so der 60-Jährige.  © Oliver Berg/dpa

"Die FDP hat signalisiert, dass es in sehr, sehr vielen Punkten Übereinstimmung gibt mit der Union", so Laschet. Der CDU-Politiker klammert sich an den kleineren der beiden Strohalme im Zitrus-Glas um Christian Lindner (42) und Annalena Baerbock (40).

"Wir stehen auch zu weiteren Gesprächen bereit, aber die Entscheidung, mit wem man in welcher Reihenfolge spricht, liegt bei FDP und Grünen. Und deshalb unser Respekt für die Entscheidung."

Als Gesprächspartner für die Dreier-Gesprächsrunden stehe man ausdrücklich als "CDU und CSU" weiterhin zur Verfügung.

Nach der Wahl also alles wie vor der Wahl: Einigkeit sieht anders aus.

Die Schwesterparteien wirken weniger wie ein Herz und eine Seele, sondern viel mehr wie die Zweck-WG zweier Stiefgeschwister - nun auch in der Bewertung des heißen Tanzes mit der Ampel.

Titelfoto: Montage: Michael Kappeler/dpa, Oliver Berg/dpa

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