Linken-Chefin Hennig-Wellsow will Bundeswehr abziehen, doch weiß nicht von wo

Berlin - Wie ahnungslos ist die neue Parteispitze der Linken? Diese Frage drängt sich nach einem Interview mit Susanne Hennig-Wellsow (43) zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr auf.

Susanne Hennig-Wellsow (43) zeigte sich in einem Interview ahnungslos.
Susanne Hennig-Wellsow (43) zeigte sich in einem Interview ahnungslos.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Erst am Samstag wurde die Politikerin zusammen mit Janine Wissler (39) zum neuen Führungsduo der Linkspartei gewählt. Die neue Spitze sollte Schwung in den beginnenden Wahlkampf für die Bundestagswahl im Herbst bringen. Doch schon am Donnerstag blamierte sich Hennig-Welsow.

Seit dem Jahr 2009 ist sie Mitglied des Landtags in Thüringen und führte dort - bis Mittwoch - sechs Jahre die Fraktion der Linken. Politisch unerfahren ist die 43-Jährige also keineswegs.

Am Donnerstag nahm sich Hennig-Wellsow mehr als zwei Stunden Zeit für ein Live-Interview mit Thilo Jung (35) für das Format "Jung & Naiv". Einen kurzen Ausschnitt davon teilte der Journalist am Abend auf Twitter.

Darin geht es um das Thema Auslandseinsätze deutscher Soldaten. Die Linke lehnt diese ab und fordert einen sofortigen Abzug, das unterstützen auch die neuen Vorsitzenden.

Parteivorsitzende Susanne Hennig-Wellsow im Interview bei "Jung & Naiv"

In dieser Szene zeigt Susanne Hennig-Wellsow große Wissenslücken

Hennig-Wellsow zeigt sich unsicher beim Afghanistan-Einsatz

Die Linke will Bundeswehr-Soldaten aus allen Auslandseinsätzen abziehen, auch aus Afghanistan. (Archivbild)
Die Linke will Bundeswehr-Soldaten aus allen Auslandseinsätzen abziehen, auch aus Afghanistan. (Archivbild)  © picture alliance / dpa

Also wollte Jung im Interview von Hennig-Wellsow wissen, welche Kampfeinsätze sie jetzt beenden würde. "Da muss ich ehrlicherweise sagen, die habe ich nicht alle einzeln im Blick", antwortete die 43-Jährige.

Der Journalist hakte nach: "Hast Du eine Idee, wie viele Kampfeinsätze der Bundeswehr aktuell laufen?" "Ne." Immerhin konnte die Spitzenpolitikerin Afghanistan als einen Einsatzort nennen. Dann vermutete sie, dass der Abzug aus dem Land längst beschlossen sei, ruderte schnell zurück. "Das ist offensichtlich wieder infrage gestellt."

Spoiler: Der Einsatz von bis zu 1300 deutschen Soldaten in Afghanistan soll verlängert werden. Die Bundeswehr ist derzeit in zwölf internationalen Einsätzen, darunter Kosovo, Mali und am Horn von Afrika.

Doch das Detailwissen fehlte Hennig-Wellsow offenbar.

Auf die Blamage reagierte sie am Freitagnachmittag mit einem Sport-Vergleich.

Susanne Hennig-Wellsow reagiert auf Interview-Blamage

"Beim Eisschnelllauf habe ich mir manche Beule geholt. Nun hab ich meinen ersten blauen Fleck in Berlin", schrieb die Linken-Chefin auf Twitter.

Sie sei im Interview "einfach platt" gewesen. Die Partei kann nur hoffen, dass ihre Vorsitzende beim nächsten Mal sicherer im Sattel sitzt.

Titelfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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