Sachsen-SPD: "Wir haben gewonnen. Ist das nicht ein geiles Gefühl?"

Neukieritzsch - Jahrzehntelang führte die SPD in Sachsen politisch ein Schattendasein. Verluste von Wahl zu Wahl, zu Kurt-Biedenkopf-Zeiten völlig bedeutungslos, dürfen die Genossen im Freistaat immerhin als kleiner Mehrheitsbeschaffer der CDU ein wenig beim Regieren helfen. Doch seit der vergangenen Bundestagswahl wittert die Sachsen-SPD erstmals wieder Morgenluft: Sie wurde noch vor der einst allmächtigen CDU zweitstärkste Kraft im Lande.

Blick zurück: Martin Dulig (47) scheidet als SPD-Landesvorsitzender aus.
Blick zurück: Martin Dulig (47) scheidet als SPD-Landesvorsitzender aus.  © dpa/Jan Woitas

Beim Landesparteitag am Wochenende in Neukieritzsch durften die Genossen ihr neues Siegerfühl erstmals ausleben. Ein Stimmungsbild:

Draußen versinkt das Leipziger Land noch für ein paar Stunden im morgendlichen Hochnebel, drin macht Martin Dulig (47) Stimmung. "Wir haben gewonnen. Ist das nicht ein geiles Gefühl?", ruft er in die Neukieritzscher Parkarena.

Zwölf Jahre stand er an der Spitze des sächsischen SPD-Landesverbandes, nun geht er. "Ich freue mich, heute so viele gut gelaunte und optimistische Gesichter zu sehen. Das war Anfang Juli, bei unserem letzten Parteitag, ganz anders."

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Emily Pfeiffer (18) findet das auch. Die Leipzigerin ist die Jüngste unter den 120 Delegierten und war auch im Juli dabei. Nächstes Jahr macht sie Abitur. "Total der Unterschied. Ich erlebe die Stimmung heute wirklich als euphorisch", sagt sie.

Auf dem Podium geht es inzwischen um den neuen Landesvorstand. Einwände gegen den einzigen Vorschlag, eine Doppelspitze aus Kathrin Michel (58) und Henning Homann (42)? Eine Gegenstimme. Sie kommt von Rüdiger Kleinke (52).

"Vorne muss ein Gesicht stehen, mit dem sich Partei und Wähler identifizieren können", sagt der Delitzscher und Gründungsmitglied der SPD in Sachsen. Und: "Ich bin skeptisch, ob wir den Schwung aus dem Bund nach Sachsen transportieren können." Aber die Chance dazu müsse erst mal jeder bekommen.

Kathrin Michel (58) und Henning Homann (42) spielen beide ein Instrument. Ab sofort führen sie die Landes-SPD als Doppelspitze.
Kathrin Michel (58) und Henning Homann (42) spielen beide ein Instrument. Ab sofort führen sie die Landes-SPD als Doppelspitze.  © dpa/Jan Woitas
Marie-Luise Apostel (76, l.) aus Neukirchen und Emily Pfeiffer (18) aus Leipzig.
Marie-Luise Apostel (76, l.) aus Neukirchen und Emily Pfeiffer (18) aus Leipzig.  © Bildmontage: Gerald Krauser
Rüdiger Kleinke (52) aus Delitzsch.
Rüdiger Kleinke (52) aus Delitzsch.  © Gerald Krauser

"Bei der Bundestagswahl haben die schwächsten Kandidaten die besten Listenplätze gekriegt!"

120 Delegierte nahmen am Landesparteitag teil.
120 Delegierte nahmen am Landesparteitag teil.  © dpa/Jan Woitas
Ohne die Basketballkörbe drinnen könnte man die Parkarena Neukieritzsch auch von innen für ein Kongresszentrum halten. Hier tagte die SPD am Samstag.
Ohne die Basketballkörbe drinnen könnte man die Parkarena Neukieritzsch auch von innen für ein Kongresszentrum halten. Hier tagte die SPD am Samstag.  © Gerald Krauser

Michel, die in ihrer Rede reichlich blass bleibt, und Homann, der sich kämpferisch gibt, bekommen sie. Er mit knapp 90 Prozent, sie mit fast 93 Prozent der Stimmen.

Friede, Freude, Eierkuchen? "Es muss sich dringend was ändern, vor allem bei der Personalpolitik. Bei der Bundestagswahl haben die schwächsten Kandidaten die besten Listenplätze gekriegt", sagt ein Delegierter, der namentlich nicht genannt werden will.

"Die SPD muss sichtbarer werden", meint Marie-Luise Apostel. Die 78-Jährige sitzt seit 20 Jahren im Gemeinderat in Neukirchen/Erzgebirge und ist heute die Älteste unter den Delegierten.

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Das klingt nach Arbeit und das weiß das neue Führungsduo auch. "Vorsitzende der SPD zu sein ist wie in einer Punkrock-Band zu spielen. Wenn man auf der Bühne steht, muss man alles geben oder es wird Mist", so Homann in seiner Rede.

Bis zu den Landtagswahlen in drei Jahren haben er und Michel Zeit, ihre Instrumente zu stimmen. Dann spielt die Musik.

Titelfoto: Bildmontage: dpa/Jan Woitas

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