Wirbel um Polizei-Kontrolle in Wohnungen: Morddrohungen gegen Karl Lauterbach

Berlin - Dieses Zitat von Karl Lauterbach (57, SPD) schlug hohe Wellen. Der "Rheinischen Post" hatte Lauterbach gesagt: "Wir befinden uns in einer nationalen Notlage, die schlimmer als im Frühjahr werden kann. Die Unverletzbarkeit der Wohnung darf kein Argument mehr für ausbleibende Kontrollen sein."

Karl Lauterbach (SPD) verfolgt die Sitzung im Bundestag.
Karl Lauterbach (SPD) verfolgt die Sitzung im Bundestag.  © Michael Kappeler/dpa

Wenn private Feiern in Wohnungen und Häusern die öffentliche Gesundheit und damit die Sicherheit gefährdeten, müssten die Behörden einschreiten können.

Prompt war in den Medien davon zu lesen, dass der Politiker zu Kontrollen in den Privatwohnungen aufgerufen habe. Christian Lindner (41, FDP) sprach via Twitter, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen "schärfer sind als die bei der Terrorismusabwehr".

Dabei hatte sich der 57-Jährige auf eine Aussage von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (59, CDU) bezogen, der eine Begrenzung der privaten Feiern, die in anderen Bundesländern bereits existieren, nicht eingeführt hatte. 

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Die Begründung: Die Durchsetzung dieser Regeln würde die Unverletzlichkeit der Wohnung gefährden. 

Obwohl der SPD-Gesundheitsexperte längst klargestellt hatte, was er eigentlich damit ausdrücken wollte, liefen die Corona-Kritiker im Internet zu Höchstform auf. In den sozialen Medien hagelte es Morddrohungen.

"Ich hatte nur gesagt, dass verbotene private Feiern auch kontrolliert werden müssen. Wie Lärmstörung in der Nacht. Eigentlich Selbstverständlichkeit. Jetzt wird im Netz zu meiner Ermordung aufgerufen", twitterte der Politiker und veröffentlicht einen Screenshot.

Lauterbach: "Große Gruppen im privaten Raum sind ein No-Go"

Karl Lauterbach (SPD) im Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU).
Karl Lauterbach (SPD) im Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU).  © Michael Kappeler/dpa

Dabei übertreffen sich die Wut-Bürger mal wieder selbst. Die Drohungen reichen von Zähneausschlagen bis hin zur Hinrichtung.

Der Mediziner bleibt aber bei seiner Meinung: Die Menschen in Deutschland sollen sich wegen der starken Corona-Ausbreitung derzeit auch nicht mehr in großen Gruppen in Wohnungen treffen. "Große Gruppen im privaten Raum sind ein No-Go", sagte Lauterbach am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. 

Natürlich gelte die "Unverletzlichkeit der Wohnung" nach Artikel 13 Grundgesetz. "Diese stellt niemand infrage – auch ich nicht", sagte Lauterbach. "Es muss aber auch klar sein: Jetzt ist nicht die Zeit, in größeren Gruppen zu feiern – nicht im Restaurant, nicht im Club und auch nicht in den Wohnungen."

Er sagte: "Die Rückverfolgungen werden dadurch unmöglich gemacht, und die Unterbrechung der zweiten Welle wird verhindert." Das Ziel sei klar: "Den exponentiellen Anstieg von Infizierten, Erkrankten und Toten bremsen." 

Der Weg dazu sei auch klar: "Wir alle müssen unsere Kontakte massiv reduzieren." Im Frühling habe das geklappt. "Alle haben mitgemacht. Das müssen wir wiederholen."

Titelfoto: Michael Kappeler/dpa

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