"Alle noch die volle Dröhnung DDR bekommen": Ostbeauftragter verteidigt seine Kritik

Leipzig - Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (45, CDU), hat seine Kritik an Teilen der ostdeutschen Gesellschaft verteidigt.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung: Marco Wanderwitz (45, CDU).
Der Ostbeauftragte der Bundesregierung: Marco Wanderwitz (45, CDU).  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

"Ich will nicht hinnehmen, dass wir es im Osten mit einer großen Minderheit von rechtsradikalen Wählern zu tun haben", sagte Wanderwitz am Dienstagabend in einem Lesergespräch mit der Leipziger Volkszeitung (LVZ).

Bei Urnengängen in den Neuen Bundesländern machten inzwischen 20 Prozent kontinuierlich bei der AfD ihr Kreuz, die laut Wanderwitz inzwischen eine klar rechtsradikale Partei sei.

"Es gibt viele Baustellen in der Politik, aber nichts rechtfertigt es, eine rechtsradikale Partei zu wählen."

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Als Generalkritik an den Ostdeutschen wolle er seinen Appell nicht verstanden haben. Auch nicht jeder, der heute die AfD wähle, sei tatsächlich rechtsradikal.

"Aber einen Anspruch darauf, besonders liebevoll behandelt zu werden, weil man eine rechtsradikale Partei wählt, gibt es auch nicht", sagte Wanderwitz der LVZ.

"Schwere Jahre sind schon eine ganze Weile vorbei"

Der Spitzenkandidat der sächsischen CDU für die Bundestagswahl hatte jüngst eine Diskussion ausgelöst, weil er bei Menschen in Ostdeutschland eine stärkere Neigung zur Wahl rechtsradikaler Parteien sieht als im Westen.

Die größten Probleme mit rechtsradikalen Ansichten gibt es aus Sicht von Wanderwitz vor allem in den ostdeutschen Jahrgängen der 1960er- und 1970er-Jahre.

"Die haben alle noch die volle Dröhnung DDR bekommen, damals war Margot Honecker mit ihrem Erziehungs- und Bildungssystem noch in vollem Saft", so der Ostbeauftragte.

Das Jahrzehnt nach dem Fall der Mauer habe überall im Osten auch große Wunden hinterlassen.

"Aber: Diese schweren Jahre sind schon eine ganze Weile vorbei. Ich verstehe nicht, wie man daraus immer noch eine Geschichte der Gegenwart und Zukunft erzählt."

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

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