Nach Begegnung mit Merkel: Flüchtlingsmädchen Reem fühlte sich schuldig

Rostock - Genau fünf Jahre ist nun das denkwürdige Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem einstigen Flüchtlingsmädchen Reem Sahwil her. Heute würde die junge Frau eine solche Begegnung eher vermeiden.

Reem Sahwil will im kommenden Jahr das Abitur machen.
Reem Sahwil will im kommenden Jahr das Abitur machen.  © picture alliance / Henning Kaiser/dpa

"Weil ich jetzt weiß, was danach kommt, und ich möchte diese Kritik nicht von vorne erleben", sagte die 19-jährige gebürtige Libanesin mit palästinensischen Wurzeln dem Nachrichtenportal "The Pioneer" am Mittwoch. 

Fünf Jahre später sei sie aber mit sich im Reinen. "Das ist jetzt ein Teil meiner Biografie."

Während eines Dialogs von Rostocker Schülern mit Merkel war Reem beim Schildern des eigenen und Familien-Schicksals in Tränen ausgebrochen. 

Das schon damals perfekt Deutsch sprechende Mädchen lebte mit ihrer Familie ohne gesicherten Aufenthaltsstatus in der Hansestadt und war von Abschiebung bedroht. 

Merkel hatte sie dann gestreichelt und getröstet, aber auch auf die Rechtslage verwiesen. Ein Video der Szene hatte weltweit Beachtung gefunden und war im Internet unter #merkelstreichelt mit zahllosen Kommentaren versehen worden. 

Der Bundeskanzlerin war unter anderem vorgeworfen worden, hartherzig zu sein.

2015 wollte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Reem bei einer Veranstaltung trösten.
2015 wollte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Reem bei einer Veranstaltung trösten.  © NDR/dpa

Reem hatte keine Privatsphäre mehr

Für sie sei die Zeit danach anstrengender gewesen als das, was in der Sporthalle der Schule passiert sei, sagte Sahwil, die im kommenden Schuljahr ihr Abitur machen wird.

Denn sie habe im Mittelpunkt des medialen Interesses gestanden. "Ich hatte plötzlich überhaupt keine Privatsphäre mehr."

Als sie Tage später die Kommentare unter dem Video gelesen habe, habe sie sich schlecht und schuldig gefühlt. Das Interesse der Medien habe auch nicht nachgelassen, denn wenig später habe die Flüchtlingskrise Europa erreicht.

"Ich war praktisch die Person für dieses Thema, was mich sehr überfordert hat, weil ich damit nichts zu tun haben wollte", sagte sie weiter. Sie sei zu einer Hauptakteurin der Asylpolitik Deutschlands stilisiert worden.

Titelfoto: picture alliance / Henning Kaiser/dpa , NDR/dpa

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