Bundeskanzlerin wirbt für Lockdown-Verlängerung: "Dritte Welle verhindern"

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) hat trotz sinkender Corona-Zahlen eindringlich für den längeren Lockdown bis in den Februar geworben und vor andernfalls drohenden Rückschlägen gewarnt.

Eine dritte Corona-Welle könnte laut Angela Merkel (66, CDU) "noch heftiger als jemals zuvor" werden.
Eine dritte Corona-Welle könnte laut Angela Merkel (66, CDU) "noch heftiger als jemals zuvor" werden.  © Michael Kappeler/dpa POOL/dpa

Es sei "sehr ermutigend", dass sich die aktuelle Lage zu entspannen beginne, sagte die CDU-Politikerin am Donnerstag in Berlin. Man dürfe aber nicht warten, bis sich eine neue, wohl ansteckendere Virus-Variante ausbreite und in den täglichen Zahlen niederschlage.

"Dann wäre es zu spät, um eine dritte Welle der Pandemie und gegebenenfalls eine noch heftigere als jemals zuvor zu verhindern." Merkel sicherte erneut zu, die Impfungen in Deutschland möglichst schnell voranzubringen.

Dass die täglichen Neuinfektionen und die Belegung der Intensivstationen endlich zurückgingen, seien ebenfalls "gute Nachrichten".

Laut der Kanzlerin zeigt das, "dass die harten Einschnitte, die die Menschen in Deutschland seit Wochen auf sich nehmen müssen, sich auszuzahlen beginnen."

Die Mühe lohne sich. Wie das Robert Koch-Institut am Donnerstag bekannt gab, sank die Zahl der neuen Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen nun auf 119 und damit auf den niedrigsten Wert seit dem 1. November. Zugleich gebe es aber noch "erschreckend hohe Todeszahlen", sagte Merkel.

Das mutierte Virus sei in Deutschland zwar noch nicht dominant. "Trotzdem müssen wir diese Gefahr sehr ernst nehmen. Das kann ich jedenfalls uns allen nur raten."

Bundeskanzlerin hat Verständnis für Frust und Unmut in der Bevölkerung

Die Bundeskanzlerin hielt am heutigen Donnerstag eine Pressekonferenz, auch da galt natürlich Maskenpflicht.
Die Bundeskanzlerin hielt am heutigen Donnerstag eine Pressekonferenz, auch da galt natürlich Maskenpflicht.  © Fabrizio Bensch/Reuters/POOL/dpa

Die Ausbreitung der neuen Mutationen müsse so weit wie möglich verlangsamt werden. Es sei noch etwas Zeit, um vorzubeugen. Daher ziele der längere Lockdown darauf, den Rückgang der Infektionen deutlich zu beschleunigen, bevor sich das mutierte Virus ausbreite.

Merkel äußerte Verständnis für Unmut und Frust in der Pandemie, die von allen als Zumutung empfunden werde. Etwa bei Familien, Kultur und Wirtschaft werde "die Geduld auf eine extrem harte Probe gestellt".

Bund und Länder hatten am Dienstag beschlossen, den vorerst bis Ende Januar vorgesehenen Lockdown mit Schließungen vieler Einrichtungen bis 14. Februar zu verlängern.

Merkel betonte: "Alles dient dem Ziel, in diesem Jahr die Pandemie in den Griff zu bekommen und schließlich auch zu überwinden."

Laut Merkel müssen zuerst die Kitas und Schulen wieder geöffnet werden

Wenn es um Lockerungen der Corona-Maßnahmen geht, dann haben Schulen für die Bundeskanzlerin höchste Priorität.
Wenn es um Lockerungen der Corona-Maßnahmen geht, dann haben Schulen für die Bundeskanzlerin höchste Priorität.  © Sebastian Gollnow/dpa

Angesichts von Kritik an langsam anlaufenden Impfungen sagte Merkel: "Ich verstehe die Ungeduld."

Wenn alles wie zugesagt erfolge, könne man es schaffen, "bis Ende des Sommers jedem Bürger ein Impfangebot zu machen", bekräftigte sie mit Blick auf geplante Lieferungen und Zulassungen weiterer Impfstoffe - und der Sommer gehe kalendarisch bis 21. September.

Laut Merkel solle es für bereits Geimpfte aber vorerst keine Ausnahmen von Corona-Beschränkungen geben: "Wir wissen nicht, ob der Geimpfte andere anstecken kann. So lange stellt sich die Frage von Privilegien überhaupt nicht."

Mit Blick auf mögliche Lockerungen sagte sie, man könne bei einem Niveau von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner nicht wieder alles aufmachen.

"Eine Priorität für mich ist ganz klar, dass zuerst Kitas und Schulen wieder geöffnet werden müssen." Sie stünden auf Rang eins, das sei völlig unstrittig.

Titelfoto: Michael Kappeler/dpa POOL/dpa

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