Sie macht's! Annalena Baerbock ist Kanzlerkandidatin der Grünen

Berlin - Annalena Baerbock (40) wird Bündnis 90/Die Grünen als Kanzlerkandidatin in die Bundestagswahl 2021 führen.

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock (40) soll ihre Partei als Kanzlerkandidatin in die Bundestagswahl führen.
Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock (40) soll ihre Partei als Kanzlerkandidatin in die Bundestagswahl führen.  © Kay Nietfeld/dpa

Nach monatelangen Spekulationen haben die Grünen am Montag die K-Frage beantwortet. Die Entscheidung muss noch auf einem Parteitag vom 11. bis 13. Juni bestätigt werden, die Zustimmung gilt aber als sicher.

Mit der Entscheidung enden monatelange Spekulationen. Die Partei hatte die Klärung der Kandidatenfrage ihren beiden Parteivorsitzenden Baerbock und Robert Habeck (51) überlassen, die sich geräuschlos untereinander verständigten.

Die Grünen haben sich angesichts der seit 2018 hohen Umfragewerte erstmals für eine Kanzlerkandidatur entschieden. Derzeit sind sie mit mehr als 20 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der CDU/CSU und vor der SPD.

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Anders als bei CDU und CSU hat es bei den Grünen keine größeren öffentliche Diskussionen über die Kandidatenkür geben, was sehr ungewöhnlich für die einst so streitlustige Partei ist.

In Umfragen lag die 40-jährige Baerbock bei den Sympathiewerten bisher hinter dem 51-jährigen Habeck, hat in den vergangenen Monaten aber aufgeholt. Habeck hat als Agrarminister und Vize-Ministerpräsident schon Regierungserfahrung in Schleswig-Holstein gesammelt.

Das hat Baerbock nicht, gilt dafür als inhaltlich stärker. Sie ist bei der 20. Bundestagswahl seit 1949 erst die zweite Frau nach Angela Merkel (66, CDU) die sich für das höchste Regierungsamt bewirbt.

Machtanspruch der Grünen

Robert Habeck (51,r) überließ Annalena Baerbock (49) den Posten als Kanzlerkandidatin der Grünen bei der Bundestagswahl.
Robert Habeck (51,r) überließ Annalena Baerbock (49) den Posten als Kanzlerkandidatin der Grünen bei der Bundestagswahl.  © Kay Nietfeld/dpa

Baerbock und Habeck waren am Samstag von ihren Heimatverbänden für die Bundestagswahl nominiert worden. Die Brandenburger Grünen machten Baerbock mit 106 von 109 Delegiertenstimmen auf einem Landesparteitag zu ihrer Spitzenkandidatin.

Robert Habeck wurde von den Kreisverbänden Flensburg und Schleswig-Flensburg im Norden Schleswig-Holsteins mit 72 von 73 Stimmen als Direktkandidat nominiert. Auf der Landesliste tritt er auf Platz 2 an.

In seiner Rede machte Habeck den Machtanspruch der Grünen noch einmal deutlich. "Ich will die Grünen in die Regierung führen", sagte er. Deutschland sei zu lange nicht von den Grünen regiert worden. "Das war nicht gut."

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Ähnlich kämpferisch gab sich Baerbock: "Wir fordern die Union heraus", sagte die Politikerin. "In diesem Jahr ist alles möglich, in diesem Jahr ist alles drin."

2009 bislang bestes Wahlergebnis

Annalena Baerbock (40) ist die jüngste Kanzlerkandidatin, die es je gab.
Annalena Baerbock (40) ist die jüngste Kanzlerkandidatin, die es je gab.  © Kay Nietfeld/dpa

Die Grünen waren nur einmal auf Bundesebene an der Macht: Zwischen 1998 und 2005 als Juniorpartner in einer rot-grünen Koalition unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder (77).

Grünen-Geschäftsführer Michael Kellner (43) hat nun als Wahlziel ausgegeben, dass die Grünen das Kanzleramt erobern. "Wir wollen das Land in die Zukunft führen. Darum kämpfen wir für das historisch beste grüne Ergebnis aller Zeiten und die Führung der nächsten Bundesregierung."

Ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl erzielten die Grünen 2009 mit 10,7 Prozent, bei der Wahl 2017 kamen sie nur auf 8,9 Prozent.

Baerbock wird bei der Wahl gegen zwei Männer antreten: Die SPD hat Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz (62) nominiert, die Union muss sich noch zwischen den Vorsitzenden von CDU und CSU entscheiden, Armin Laschet (60) und Markus Söder (54).

Annalena Baerbock: Aus dem Dorf ins Bundeskanzleramt?

Die nächste Kanzlerin? Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock (40).
Die nächste Kanzlerin? Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock (40).  © Kay Nietfeld/dpa

Baerbock wuchs in der Nähe von Hannover auf dem Dorf auf und studierte Politikwissenschaften und Völkerrecht in Deutschland und London.

Bei den Grünen hat die Mutter von zwei Töchtern schnell Karriere gemacht: 2009 Vorstand der europäischen Grünen und Landesvorsitzende in Brandenburg; 2013 Einzug in den Bundestag; 2018 Bundesvorsitzende der Grünen gemeinsam mit Habeck.

Bisher haben in der Regel nur CDU/CSU und SPD Kanzlerkandidaten nominiert, mit einer Ausnahme: 2002 stellte die FDP Guido Westerwelle auf, wurde dann aber mit 7,4 Prozent nur viertstärkste Kraft im Bundestag hinter SPD, CDU/CSU und Grünen.

Bundesgeschäftsführer Kellner hat als Wahlziel ausgegeben, dass die Grünen das Kanzleramt erobern.

"Wir wollen das Land in die Zukunft führen. Darum kämpfen wir für das historisch beste grüne Ergebnis aller Zeiten und die Führung der nächsten Bundesregierung."

Update, 19. April, 14.17 Uhr: Reaktionen auf die Nominierung von Annalena Baerbock

Armin Laschet (60, CDU-Vorsitzender): "Wir wissen aus den USA, was es bedeutet, polarisierte Wahlkämpfe zu führen. Und wir wissen auch, wie lange nach einer demokratischen Entscheidung dort ein neuer Präsident gebraucht hat und immer noch braucht, um das Land wieder zu versöhnen. Das sollten wir uns in Deutschland ersparen."

Saskia Esken (59) und Norbert Walter-Borjans (68, beide SPD-Parteivorsitzende): "Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten stellen uns dem fairen Wettbewerb um die Führung eines progressiven Regierungsbündnisses."

Olaf Scholz (62, Kanzlerkandidat der SPD) via Twitter: "Herzlichen Glückwunsch an Annalena Baerbock für die Nominierung! Ich freue mich auf einen spannenden und fairen Wettstreit um das beste Konzept für die Zukunft unseres Landes."

Dietmar Bartsch (63, Co-Vorsitzender der Linken) via Twitter: "Ja, Demokratie lebt vom Wechsel und Veränderungen sind notwendig. Dazu gehört, dass Schluss sein muss mit gebrochenen Wahlversprechen. Glück auf!"

Jörg Meuthen (59, Parteivorsitzender AfD): "Jung und weiblich soll sie zeitgeistgemäß Stimmen sammeln und dabei schönreden, was das grüne Wahlprogramm dem Land androht."

Christian Lindner (42, Vorsitzender Fraktion FDP im Bundestag) via Twitter: "Auf den politischen Ideenaustausch im Wahlkampf mit Annalena Baerbock freue ich mich. Jetzt fehlt nur noch die Union, damit es endlich um Inhalte geht: Nie gab es mehr zu tun."

Update, 19. April, 14.08 Uhr: Merkel beglückwünscht Baerbock

Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) hat der Grünen-Politikerin Annalena Baerbock zu ihrer Nominierung als Kanzlerkandidatin ihrer Partei gratuliert.

"Da kann ich gerne von hier aus einen Glückwunsch aussprechen von der Kanzlerin", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin, Ulrike Demmer, am Montag in Berlin.

Update, 19. April, 12.52 Uhr: Baerbock geht ohne Koalitionspräferenz in die Wahl

Die designierte Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock will ihre Partei ohne Präferenz für eine bestimmte Koalition in den Wahlkampf führen. "Wir trotten nicht anderen hinterher", sagte die Parteivorsitzende am Montag in Berlin.

Gleichzeitig machte sie ganz klar, dass die Grünen das Ziel haben, bei der Bundestagswahl am 26. September das Kanzleramt zu erobern. "Wir möchten am liebsten diese Regierung anführen. In diesem Jahr ist alles drin und alles möglich. Und dafür geben wir unser Bestes."

Nach den aktuellen Umfragewerten könnten die Grünen Juniorpartner in einer Koalition mit der Union werden. Aber auch für eine Ampel-Koalition unter Führung der Grünen mit SPD und FDP oder eine grün-rot-rote Koalition mit SPD und Linken könnte es bei der Wahl rechnerisch reichen. Baerbock betonte, es bringe jetzt nichts, darüber zu spekulieren. "Wir definieren uns nicht entlang anderer", sagte sie. "Damit gestaltet man nicht. Damit läuft man nur anderen hinterher."

Update, 19. April, 12.20 Uhr: Baerbock äußert sich zu ihrer politischen Erfahrung

"Ja, ich war noch nie Kanzlerin, auch noch nie Ministerin. Ich trete an für Erneuerung. Für den Status quo stehen andere", sagte Grünen-Chefin Annalena Baerbock nach ihrer Nominierung als Kanzlerkandidatin am Montag in Berlin zu ihrer fehlenden Regierungserfahrung.

Update, 19. April, 11.30 Uhr: Habeck: Wollten es beide, am Ende kann es nur eine machen

Grünen-Chef Robert Habeck hat für seine Co-Chefin Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin seiner Partei geworben. Er beschrieb sie am Montag in Berlin als "kämpferische, fokussierte, willensstarke Frau", die genau wisse, was sie wolle. Zuvor hatte die Partei mitgeteilt, dass der Vorstand Baerbock als Kandidatin nominiere. Der Parteitag Mitte Juni muss noch zustimmen, was aber als sicher gilt.

Habeck sagte, er selbst und Baerbock hätten in den vergangenen Wochen vertraute, manchmal auch schwierige Gespräche darüber geführt, wer von beiden die Kandidatur übernehmen solle. "Wir beide wollten es, aber am Ende kann es nur eine machen", sagte er. Er selbst wolle sich aber gleichfalls in den Wahlkampf werfen. Die Gemeinsamkeit habe die Grünen so erfolgreich gemacht. "In dieser Situation führt der gemeinsame Erfolg dazu, dass einer einen Schritt zurücktreten muss."

Update, 19. April, 11.25 Uhr: Baerbock wirbt für Neuanfang in Deutschland

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock hat nach ihrer Nominierung als Kanzlerkandidatin ihrer Partei für einen Aufbruch in Deutschland geworben.

"Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass dieses Land einen Neuanfang braucht", sagte sie am Montag in Berlin. Sie wolle eine Politik anbieten, die vorausschaue.

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa

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