Spritpreis-Debatte: Schaden die Grünen dem Klimaschutz?

Berlin - Die Diskussion um höhere Benzinpreise ist in vollem Gange. Während die eine Seite von Klimaschutz spricht, wittert die andere einen gezielten Kampf gegen Autofahrer. Vor allem Annalena Baerbock (40) und ihre Grünen stehen im Epizentrum der Kritik.

Annalena Baerbock (40, Grüne, l.) ist für eine Preiserhöhung von 16 Cent pro Liter. SPD-Chefin Saskia Esken (59) sorgt sich ums Klima.
Annalena Baerbock (40, Grüne, l.) ist für eine Preiserhöhung von 16 Cent pro Liter. SPD-Chefin Saskia Esken (59) sorgt sich ums Klima.  © Montage: dpa/Michael Kappeler, imago images/Future Image/F. Kern

Schadet die Diskussion um höhere Spritpreise dem Klimaschutz? Ja, sagt SPD-Chefin Saskia Esken (59) gegenüber dem RND.

"Wer jetzt wie Annalena Baerbock oder auch Andreas Jung von der CDU an der Spritpreis-Schraube drehen will, jagt gerade denen einen Schrecken ein, die auf ihr Auto angewiesen sind und die mit einem schmalen Budget haushalten müssen."

Solche "Manöver" könnten schlussendlich dazu führen, dass sich die Bürger "vom gemeinsamen Engagement für unser Klima abwenden": "Das wäre ein Bärendienst für unsere Umwelt."

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Die Bekämpfung des Klimawandels sei eine Menschheitsaufgabe, bei der alle mitziehen müssen. Erfolge könne man nicht "im politischen Elfenbeinturm" erreichen.

Auch vonseiten der CSU kommt deutliche Kritik am Handeln der Grünen. Generalsekretär Markus Blume (46) warf ihnen ideologisches Handeln in der Klimadebatte vor. Der Augsburger Allgemeinen sagte er: "Klimaschutz ist für Annalena Baerbock vor allem ein Kampf gegen die Autofahrer."

Der Weg an die Zapfsäule ist ein immer teureres "Vergnügen".
Der Weg an die Zapfsäule ist ein immer teureres "Vergnügen".  © dpa/Sven Hoppe

Mobilität dürfe kein Luxus sein, Klimaschutz gehe nur mit den Menschen. "Wir werden nicht zulassen, dass der ländliche Raum und die Pendler einseitig die Lasten tragen sollen."

Umweltverbände mahnten derweil die Parteien, keinen Wahlkampf auf Kosten des Klimaschutzes zu betreiben. Notwendig sei ein Parteienstreit um die besten Maßnahmen, nicht ein "unredlichen Wahlkampf auf Kosten des Klimas und der Biodiversität".

Durch diesen werde die Akzeptanz in der Bevölkerung "gerade mutwillig oder fahrlässig zerstört".

Kommentar: Die Grünen und das Murmeltier

Von Paul Hoffmann

Dresden - Es läuft so gut wie noch nie für die Grünen. Einst belacht, liegt die Ökopartei in Umfragen konstant über 20 Prozent - phasenweise sogar vor der Union. Doch sie sind auf dem besten Weg, den möglich gewordenen Wahlerfolg zu verspielen.

TAG24-Redakteur Paul Hoffmann meint: Bei den Grünen grüßt das Murmeltier.
TAG24-Redakteur Paul Hoffmann meint: Bei den Grünen grüßt das Murmeltier.  © Petra Hornig

Wieder einmal verfallen die Grünen in ein altbekanntes Muster, grüßt das berühmte Murmeltier.

Läuft es in Umfragen gut, gehen sie mit Themen an die Öffentlichkeit, die häufig übergriffig sind und einer Vielzahl von Bürgern gehörig vor den Kopf stoßen. Anstatt unaufgeregt und mit klar kommunizierten Konzepten für den Klimaschutz zu werben, soll es an vorderster Front eine plumpe Benzinpreiserhöhung richten, die es den Geringverdienern im Land noch schwerer machen wird.

Der Streit um den Preis an den Zapfsäulen könnte ein zweiter "Veggieday" für die Grünen werden. Allerdings leidet diesmal neben dem Wahlergebnis auch das Klima...

Titelfoto: Montage: dpa/Sven Hoppe, dpa/Michael Kappeler

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