Armin Laschet spricht in Erfurt, plötzlich springt "Querdenker" auf die Bühne

Erfurt - Aufregung in Thüringen! Kanzlerkandidat Armin Laschet (60, CDU) ist bei einer Wahlkampfveranstaltung in Erfurt von einem "Querdenker" auf der Bühne überrascht worden. Der Mann war von der Seite auf das Podium gesprungen.

Armin Laschet (60, CDU, rechts im Bild) nahm sich Zeit und hörte sich die Frage an.
Armin Laschet (60, CDU, rechts im Bild) nahm sich Zeit und hörte sich die Frage an.  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen war am gestrigen Freitag auf Wahlkampftour im Freistaat. Neben Apolda und Eisenach machte der potenzielle Merkel-Nachfolger noch einen Abstecher in die Landeshauptstadt Erfurt.

Dort stand neben dem Treffen mit CDU-Haushaltspolitikerin Antje Tillmann (57) ebenfalls noch ein Auftritt auf dem Anger im Terminkalender von Laschet.

Als er die Bühne betrat, gab es Pfiffe und Buhrufe für den CDU-Politiker. Später sprach er über den bevorstehenden Schulanfang in Thüringen und die Notwendigkeit von Präsenzunterricht - dann folgt ein Moment, den viele als Schrecksekunde bezeichnen würden.

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Der aus der "Querdenker"-Szene bekannte "Busfahrer Thomas Brauner", so die Bezeichnung des Mannes auf der Plattform Telegram, gelang es auf die Bühne zu kommen und auf Laschet zuzugehen. Rund 20 Zentimeter vor dem Kanzlerkandidaten bleibt er stehen. Niemand weiß, was sein Anliegen ist, doch Laschet will die Situation offenbar nutzen.

Er schickt seine Personenschützer weg und geht mit Thomas Brauner in den Dialog. Brauners Anliegen: Die Situation an den Schulen.

Laschet moderiert die Situation ruhig und gelassen

"Busfahrer Thomas Brauner" (links) war während der Veranstaltung auf die Bühne gegangen und wollte mit Armin Laschet reden.
"Busfahrer Thomas Brauner" (links) war während der Veranstaltung auf die Bühne gegangen und wollte mit Armin Laschet reden.  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Bevor Brauner selbst reden darf, fährt ihm Laschet nochmal in die Parade. Er ordnet, moderiert und stellt mit einem Schritt zur Seite wieder etwas mehr Abstand her.

"Erst mal abregen. Zweitens: Frage stellen", sagt Laschet, beruhigt die Lage und will mit diesen Worten die Kontrolle über das Gespräch gewinnen. Dann darf Brauner sein Anliegen aussprechen.

"Ich bin Vater von drei Kindern und mache mir große Sorgen. In unserem Nachbarort Schloßvippach werden Kinder einer Ordnungswidrigkeit zugeführt, wenn sie sich nicht testen lassen, keine Maske tragen und möglicherweise nicht bereit sind, sich impfen zu lassen", äußert er sich und fragt anschließend:

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"Wenn wir uns in einer Pandemie befinden, die für uns alle nicht schön ist. Warum zwinge ich die Kinder dann in die Schule und lasse sie nicht selbst bestimmen?"

Nachdem er seine Frage stellen durfte, schickt ihn Laschet wieder ins Publikum. Ohne große Probleme geht der Podiumsstörer dort auch wieder hin. Laschet erklärt daraufhin, dass wegen der unklaren Situation der Reiserückkehrer an den Schulen derzeit noch Masken getragen werden müssen.

Dazu erklärt der 60-Jährige, dass die Zuständigkeit für diese Entscheidungen beim Land und damit in den Händen von Ministerpräsident Bodo Ramelow (65, Linke) und seiner Regierung ist.

"Ich nehme Sie beim Wort, Herr Laschet"

Im weiteren Verlauf betonte Laschet dann noch, dass er eine Impfpflicht für Kinder ablehne.

"Ich nehme Sie beim Wort, Herr Laschet", ist aus dem Publikum noch zu hören. Laschet schlagfertig: "Das können Sie machen. Ich gebe Ihnen die Nummer vom Kanzleramt."

Mit diesem Konter hatte er dann auch die Lacher mal auf seiner Seite. Was in Erinnerung bleibt: Laschet löste diese zunächst unheimlich wirkende Situation ruhig, gelassen, mit schlagfertigen Antworten und ganz ohne Personenschützer.

Rüffel musste sich der Kanzlerkandidat der Union allerdings auch gefallen lassen. Auf Twitter kritisierte SPD-Politiker Karl Lauterbach (58) die Aktion Laschets aufs Schärfste. "Unfassbar. Armin Laschet lässt sich von einem Querdenker ohne Maske mit 20 cm Abstand anschreien. Das ist keine Bürgernähe, sondern einfach dumm", kommentierte er.

Titelfoto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

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