Empörung nach ZDF-Talkshow: Lügt Armin Laschet?

Berlin - Kanzlerkandidat Armin Laschet (60, CDU) sollte in der ZDF-Sendung "Klartext" reden - ob er das getan hat, darin ist man sich nun uneinig.

Armin Laschet (60, CDU) stellte sich den Fragen des ZDF-Publikums.
Armin Laschet (60, CDU) stellte sich den Fragen des ZDF-Publikums.  © Claudius Pflug/ZDF/dpa

Schaut man auf Twitter, so trendet seit Freitagabend vor allem dieser Hashtag: #LaschetLügt. Doch was hat er getan, dass der Auftritt so hohe Wellen schlägt?

Hintergrund ist das Format "Klartext, Herr Laschet", das das ZDF am Freitagabend ausstrahlte.

Hier sollte der NRW-Ministerpräsident die Fragen beantworten, die die Zuschauenden beschäftigen. Ob Corona, Klima oder Gender - es ging um die unterschiedlichsten Themen, die die Menschen beschäftigen.

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Und tatsächlich: Nimmt man Laschets Antworten auf die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger danach noch einmal unter die Lupe, so fielen auch dem ZDF und TAG24 in einem Faktencheck einige Ungereimtheiten auf.

So behauptete der Kanzlerkandidat, der derzeit neben dem Wahlkampf noch in NRW regiert, sein Bundesland spare so viel CO2 wie kein anderes.

Das stimmt zwar - trotzdem stoßen die Gebiete rund um große Städte wie Düsseldorf, Essen und Köln mehr Abgase aus als jede andere Gegend. Ein paar mehr Details hätten also nicht geschadet.

Armin Laschet: Ist er für oder gegen die Ehe für alle?

"Ich hätte dafür gestimmt", sagte Armin Laschet - und sorgte damit für Verwirrung.
"Ich hätte dafür gestimmt", sagte Armin Laschet - und sorgte damit für Verwirrung.  © Claudius Pflug/ZDF/dpa

Besonders empört waren viele allerdings über ein anderer Fauxpas des Vaters von Influencer Johannes "Joe" Laschet.

Angesprochen auf die Ehe für alle, sagte er den Moderatoren Bettina Schausten (56) und Peter Frey (64) Folgendes:

"2017 hat die Bundeskanzlerin (...) überhaupt den Weg dafür frei gemacht, dass es abgestimmt wurde, hat aber persönlich dagegen gestimmt. Das finde ich auch respektabel - ich hätte dafür gestimmt, aber man kann auch dagegen stimmen."

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Bei der Entscheidung war er selbst nicht dabei - er sitzt ja bisher nicht im Bundestag und das war auch am 30. Juni 2017 nicht der Fall, als die Abgeordneten über das Gesetz zur Gleichstellung der Ehe von Schwulen und Lesben abstimmten.

Laschet grenzte sich also von der Bundeskanzlerin Angela Merkel (67, CDU) und ihrer Einstellung gegenüber homosexuellen Männern und Frauen ab.

Verwirrend ist daran aber: Noch während der Abstimmung 2017 hatte sich Laschet mit Merkels Entscheidung solidarisiert! Damals bemängelte er in einem Interview mit dem Spiegel an dem Antrag, dass er nicht mit der Verfassung übereinstimme.

Laschet beschwichtigt, Aktivistin regt sich auf - und bekommt Applaus

Erklärungen und Beschwichtigungen reichten wohl nicht - am Ende erhielt die Aktivistin den Applaus.
Erklärungen und Beschwichtigungen reichten wohl nicht - am Ende erhielt die Aktivistin den Applaus.  © Claudius Pflug/ZDF/dpa

"Das Grundgesetz definiert Ehe als Verbindung von Mann und Frau und das Bundesverfassungsgericht hat diesen Ehebegriff präzisiert, in dem es die Ehe als juristische, soziale und emotionale, auf Dauer angelegte Partnerschaft von Mann und Frau versteht", sagte er dem Magazin "Fresh".

Vielleicht hat er seine Meinung geändert - trotzdem schien es, als wolle er versuchen, dass es diese Positionierung in den Interviews von damals nie gegeben hätte.

Am Samstag äußerte er sich dazu gegenüber dem Tagesspiegel: "Damals hätte ich so gehandelt wie Angela Merkel: Sie hat den Weg freigemacht, aber bei der Abstimmung ihre Bedenken berücksichtigt. Heute hätte ich für das Gesetz gestimmt." Ja, was denn nun jetzt?

Im ZDF-Studio regte sich am Freitagabend vor allem eine Aktivistin über Laschets schwammige Aussagen auf. Die junge Mutter hatte sich zuvor wegen ihres Sohnes an Laschet gewandt: "Kindern wie ihm wird nur ein rechtlicher Elternteil ab seiner Geburt zur Verfügung gestellt. Er hat aber zwei. Meine Frau und mich."

Ihre Frage an Laschet: "Warum verhindert die Union, dass mein Sohn rechtlich zwei Elternteile an die Seite bekommt und damit genauso gut abgesichert wird wie alle anderen Kinder im Land?"

Laschet konnte ihr darauf keine genaue Antwort geben, verwies auf eine Detaildiskussion und reagierte beschwichtigend. Die Zuschauer konnte er damit aber nicht überzeugen, Applaus bekam nur die Mutter für ihr Anliegen.

Titelfoto: Claudius Pflug/ZDF/dpa

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