Union-Streit um K-Frage spitzt sich zu: Heute wohl keine Entscheidung mehr

Düsseldorf/Berlin – Der Unions-Machtkampf über die Kanzlerkandidatur findet kein Ende. Nun bekommt CDU-Chef und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (60, CDU) von mehreren Seiten Rückendeckung gegen seinen Konkurrenten Markus Söder (54, CSU).

Eigentlich wollen Armin Laschet (60, CDU, l) und Markus Söder (54, CSU) bis Ende der Woche eine Entscheidung für die festgefahrene Kanzler-Frage präsentieren.
Eigentlich wollen Armin Laschet (60, CDU, l) und Markus Söder (54, CSU) bis Ende der Woche eine Entscheidung für die festgefahrene Kanzler-Frage präsentieren.  © Michael Kappeler/dpa

Der Arbeitnehmerflügel CDA unterstützt den 60-Jährigen. So sagte CDA-Chef Karl-Josef Laumann (63), der in Nordrhein-Westfalen in Laschets Kabinett auch Sozialminister ist, der Bild am Sonntag:

"Armin Laschet ist der richtige Kanzlerkandidat der Union, weil er eine Politik der Mitte und des Ausgleichs verkörpert. Auf ihn ist Verlass, er steht zu seinem Wort. Das ist nicht ganz unwichtig in der Politik."

Auch der Vorsitzende der Senioren-Union der CDU, Otto Wulff (88), hat sich klar hinter den CDU-Chef gestellt.

"Ich halte nichts davon, Politik auf Basis von Tagesmeinungen zu machen oder den Kanzlerkandidaten nach den Umfragen auszuwählen", sagte Wulff der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Wir müssen aus Überzeugung handeln. Und die Führungsgremien der CDU sind, wie ich auch, davon überzeugt, dass Laschet der richtige Kanzlerkandidat für die Union ist."

Laschet habe "das wichtige Talent zu integrieren. Nicht nur in der Partei, sondern auch die Menschen im Land", sagte Wulff. "Und das erscheint mir zu den wichtigsten Aufgaben zu gehören, vor denen wir derzeit stehen: Corona-Krise, Klimawandel, gesellschaftlicher Zusammenhalt."

Unionsfraktionsvize warnt vor Kampfabstimmung in der K-Frage

Armin Laschet (60, CDU, l) und Markus Söder (54, CSU) sollen sich in konstruktiven Gesprächen befinden, um die Kanzler-Frage final zu klären.
Armin Laschet (60, CDU, l) und Markus Söder (54, CSU) sollen sich in konstruktiven Gesprächen befinden, um die Kanzler-Frage final zu klären.  © Michael Kappeler/dpa-pool/dpa

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Carsten Linnemann (43, CDU), hat vor einer Kampfabstimmung gewarnt.

"Was wir jetzt brauchen ist eine gemeinsame Lösung und keine Kampfabstimmung in der Fraktion. Ansonsten drohen Gräben aufgerissen zu werden, die sich nur schwer wieder zuschütten lassen", sagte Linnemann den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Entscheidend sei jetzt, dass es sehr schnell eine Einigung gebe, sagte Linnemann. "Beide haben uns das Wort gegeben, dass sie es am Wochenende klären wollen. Also spätestens an diesem Sonntag."

Der Unionsfraktionsvize bekräftigte seine Unterstützung für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Laschet. "Er hat in NRW bewiesen, dass er die CDU breit aufstellen und mit nur einer Stimme Mehrheit regieren kann."

Der CDU-Landesvorsitzende von Thüringen, Christian Hirte (44), sprach sich mit Blick auf die Umfragezahlen indirekt für Söder aus. Laschet und Söder seien von den Parteigremien und der Fraktion beauftragt, eine Einigung herbeizuführen. "Der Wunsch in der Mehrheit von Wählern und CDU ist dabei offensichtlich", sagte er.

Ob Söder und Laschet bis zum Abend oder frühen Montagmorgen eine Lösung finden, oder ob am Ende doch noch die Unionsfraktion wohl an diesem Dienstag entscheiden muss, war zunächst unklar. Am Samstag hieß es aus Unionskreisen lediglich, die beiden Politiker seien in guten und konstruktiven Gesprächen.

Update, 14.45 Uhr: Machtkampf um K-Frage spitzt sich zu

Der niedersächsische CDU-Vorsitzende Bernd Althusmann (54) hat zu einer Online-Beratungen über die K-Frage zusammengerufen.
Der niedersächsische CDU-Vorsitzende Bernd Althusmann (54) hat zu einer Online-Beratungen über die K-Frage zusammengerufen.  © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Der niedersächsische CDU-Vorsitzende Bernd Althusmann (54) rief die Mitglieder seines Landesvorstands sowie die Bezirks- und Kreisvorsitzenden nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur für Sonntag um 20 Uhr zu Online-Beratungen zusammen.

Er begründete die Sondersitzung mit "der aktuellen Lage zur K-Frage". Es wurde erwartet, dass es um ein Stimmungsbild gehen dürfte, ob die Basis in der Frage der Kanzlerkandidatur zu Laschet oder zu Söder tendiert.

Auch der Unions-Nachwuchs wollte sich am Sonntagabend positionieren. Nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland wollten sich die Landesvorsitzenden der Jungen Union (JU) um 20 Uhr in einer Videokonferenz zusammenschalten.

JU-Chef Tilman Kuban (33) hatte diesen Schritt in der Bild angekündigt: "Wenn sie uns zwingen, sind wir im Zweifel bereit, als gemeinsame Jugendorganisation von CDU und CSU Verantwortung zu übernehmen und uns zu positionieren."

Titelfoto: Montage: Michael Kappeler/dpa

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