"Haben unsere Pflicht getan": AfD-Höcke feiert sich für Kemmerich-Skandal

Erfurt - Ein Jahr nach dem Wahl-Eklat von Thüringen hat sich der Fraktionsvorsitzende der AfD, Björn Höcke (48), für das Verhalten seiner Partei gebrüstet.

Nach der Wahl gratulierte Björn Höcke (48, r.) dem neugewählten Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich (55, l.). (Archivbild)
Nach der Wahl gratulierte Björn Höcke (48, r.) dem neugewählten Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich (55, l.). (Archivbild)  © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Am 5. Februar 2020 war das kleine und beschauliche Bundesland Thüringen plötzlich Gesprächsthema in ganz Deutschland. Der FDP-Politiker Thomas Kemmerich (55) trat als "Mann der Mitte" an und wurde tatsächlich zum Ministerpräsidenten gewählt.

Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Schließlich erhielt Kemmerich im dritten und entscheidenden Wahlgang eine Stimme mehr als Ministerpräsident Bodo Ramelow (64, Linke) - wurde somit demokratisch gewählt. Trotzdem hatte die Wahl einen ganz üblen Beigeschmack.

Um Ramelow abzuwählen und Kemmerich ins Amt zu befördern, wandte die AfD nämlich einen Trick an.

Sie stellten den parteilosen Kommunalpolitiker Christoph Kindervater (44) als Kandidaten zur Ministerpräsidenten-Wahl auf und ließen ihn im dritten Wahlgang mit null Stimmen im Regen stehen und wählten stattdessen Kemmerich - genauso wie die Abgeordneten der CDU.

Dadurch wurde der FDP-Politiker sozusagen mit Stimmen der AfD ins Amt befördert. Eine Tatsache, die viele sprachlos machte (TAG24 berichtete).

Björn Höcke: "Haben unsere Pflicht getan"

Einen den dieser Umstand nicht schockierte, sondern wohl eher glücklich machte, war Björn Höcke. Zum Jahrestag der Skandal-Wahl feierte sich der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag für das Vorgehen seiner Partei.

"Am 5. Februar 2020 erfüllten wir unser zentrales Wahlversprechen und wählten Ministerpräsident Bodo Ramelow ab", erklärte der 48-Jährige bei Instagram.

"Wir haben damit etwas Selbstverständliches getan, nämlich den Willen unserer Wähler umzusetzen – wir haben nur unsere Pflicht getan!", wird der ehemalige Gymnasiallehrer außerdem auf der Internetseite der Partei zitiert.

Kemmerich trat wenig später unter Druck der Öffentlichkeit zurück. Seitdem regiert die Linke um Ministerpräsident Bodo Ramelow zusammen mit SPD und Grünen auf Basis einer Minderheitsregierung.

Um eine eindeutige Mehrheit herbei zu führen und die politische Situation in Thüringen zu entspannen, finden parallel zur Bundestagswahl am 26. September Landtagswahlen im Freistaat statt.

Titelfoto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

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