"Angela Merkel hatte Recht, ich nicht": Bodo Ramelow gibt bei Markus Lanz Fehler zu

Hamburg/Erfurt - Am Donnerstagabend fand eine ungewöhnliche Ausgabe von "Markus Lanz" statt. Das lag vor allem an Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (64, Linke). Vor laufender Kamera gab er ungeniert seine eigenen Fehler in der Corona-Pandemie zu.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (64, Linke) war am Donnerstagabend zu Gast bei Markus Lanz.
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (64, Linke) war am Donnerstagabend zu Gast bei Markus Lanz.  © Screenshot/ZDF Mediathek/Markus Lanz

Bevor der Talkshow-Moderator mit seinen Studiogästen um Bodo Ramelow ausgiebig diskutierte, widmete sich der 51-Jährige die ersten rund 35 Minuten komplett dem Thema Donald Trump und dem Sturm des Kapitols. ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen war dafür extra aus Washington zugeschaltet und informierte über die Geschehnisse.

Der ehemalige US-Diplomat John Kornblum, Philosophin Susan Neiman und John Bolton, ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater von Donald Trump schafften es ebenfalls in die Sendung.

Anschließend gab es einen harten Schnitt mit einem Wechsel zu den Studiogästen. Lanz fokussierte sich dabei auf die allgegenwärtige Corona-Pandemie. Wie sich im Laufe der 95-Minütigen Sendung herausstellte, stand Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow besonders im Rampenlicht.

Markus Lanz - von dem man halten kann, was man will - zeigte an diesem Donnerstagabend, dass er sein Handwerk versteht...

Er stellte unangenehme Fragen, hakte kritisch nach und diskutierte lebhaft - vor allem mit Bodo Ramelow.

"Ein Mann, der eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht hat"

Markus Lanz (51) ist Talkshow-Moderator der Sendung "Markus Lanz".
Markus Lanz (51) ist Talkshow-Moderator der Sendung "Markus Lanz".  © Markus Hertrich/ZDF/dpa

Lanz holte den 64-Jährigen direkt rein und konfrontierte ihn mit seinen Aussagen aus der Vergangenheit. Ramelow hatte noch im September gesagt, er können sich Karneval und Weihnachtsmärkte vorstellen, weil er sich das Leben vorstellen kann.

Kurz vor dem Lockdown-Light im November kündigte Ramelow sein Veto gegen die drohenden Maßnahmen an, nur um es sich einen Tag später anders zu überlegen.

Derzeit kämpft Thüringen mit einer Inzidenz von 245 und Ramelow verlangt einen schärferen Lockdown.

"Ein Mann, der in dieser Pandemie eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht hat", so bezeichnete Lanz den Linken-Politiker.

Anschließend stellte der ZDF-Moderator die Frage, was passiert sei. Im Sommer hatte der Freistaat kaum Infektionen, jetzt stecke das Bundesland knietief im Schlamm.

Ramelow gesteht seine Fehler ein

Markus Lanz (51, l.) stellte Bodo Ramelow (64, Linke) unangenehme Fragen.
Markus Lanz (51, l.) stellte Bodo Ramelow (64, Linke) unangenehme Fragen.  © Screenshot/ZDF Mediathek/Markus Lanz

Ramelows Antwort: "Der 28.10. war für mich einer der schärfsten Einschnitte in meinem Leben." An diesem Tag hatte sich der 64-Jährige in einer Schalte mit Kanzlerin Angela Merkel (66, CDU) und den Ministerpräsidenten noch gegen einen flächendeckenden Lockdown ausgesprochen.

"Ich hatte mich von Hoffnungen leiten lassen, die sich als bitterer Fehler zeigen", gestand der Politiker seinen Fehler ein.

In der Folge wurde er noch deutlicher mit seinem Schuldeingeständnis: "Sie (Angela Merkel) hatte Recht, und ich habe Unrecht gehabt."

Für seine kritische Selbstreflexion erntete Ramelow weder Häme noch Spott. Stattdessen bekam er Zuspruch. Die Ethikerin Prof. Alena Buyx zeigte sich von Ramelows Worten beeindruckt.

Lanz gibt sich nicht zufrieden

Trotz dieser für Politiker ungewohnten Art, eigene Fehler so klar und deutlich anzusprechen, gab sich Lanz nicht zufrieden und machte es dem Ministerpräsidenten weiter schwer.

Lanz wollte wissen, ob Ramelow tatsächlich von diesem starken Anstieg der Infektionszahlen überrascht gewesen sei. Er habe die Verantwortung für ein ganzes Bundesland und Zugang zu allen wissenschaftlichen Quellen.

"Ich war von der Dynamik überrascht, diese war für uns nicht abbildbar", so Ramelow.

"Mir wäre es am liebsten, wir würden vier Wochen eine Pause machen", erklärte der Linken-Politiker weiter. Lanz fragte daraufhin, ob Ramelow sieben Monate lang das Falsche gemacht habe.

Ramelows Antwort: Er habe versucht, mehr "auf Gebote statt Verbote" zu setzen.

Gegen Ende der Sendung äußerte sich der 64-Jährige noch über den bundesweit kritisierten Impfprozess. Thüringen ist derzeit Schlusslicht bei den Impfungen. "Ich verliere lieber öffentlich Ansehen, weil wir die Statistik verlieren, aber tatsächlich weiß ich, die Menschen werden geimpft."

Titelfoto: Screenshot/ZDF Mediathek/Markus Lanz

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