Ramelow mit Kritik an eigener Linkspartei: "Man begegnet sich nicht einmal mehr am Müllplatz"

Erfurt - Bundesratspräsident und Ministerpräsident von Thüringen Bodo Ramelow (66, Linke) hat die eigene Linkspartei scharf kritisiert.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (66, Linke) meint, die Linkspartei müsse klären, was sie bewirken will.
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (66, Linke) meint, die Linkspartei müsse klären, was sie bewirken will.  © Jörg Carstensen/dpa

Die Partei habe "kein geordnetes Kraftzentrum" mehr, teilte Ramelow gegenüber der Tageszeitung nD.DerTag mit. Auf jede Frage bekomme man drei verschiedene Antworten.

Angesprochen auf seine Zeit als Fusionsbeauftragter bei Verschmelzung von Linkspartei PDS und WASG sagte der 66-Jährige: "Aber man hat zugelassen, dass in diesem Rohbau jeder sein Appartement baut, aber der Ausgang jedes Appartements in eine andere Richtung geht, man nicht einmal ein gemeinsames Treppenhaus hat, sich nicht einmal mehr verständigen muss, wer für die Treppenreinigung zuständig ist, wer die Hausordnung macht, man sich nicht einmal mehr begegnet, nicht einmal mehr am Müllplatz."

Das "Strukturproblem" sei auch danach geblieben. Ramelow zufolge litten die jeweiligen Vorsitzenden unter den "Mechanismen". Dabei spielte er auch auf Susanne Hennig-Wellsow (44), die im April überraschenderweise als Co-Chefin der Partei das Handtuch geschmissen hatte, an.

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Nach Ansicht Ramelows sollte die Linke klären, "was sie in dieser Gesellschaft beeinflussen will". Doch anstatt über Konzepte zu reden, würden die einen sagen, was sie nicht wollen, "während die anderen mit Austritt drohen".

Solange man so miteinander umgehe, arbeite jeder nur auf seiner Säule. "Dann haben wir keine Säulen, sondern einzelne Säulenheilige", sagte Ramelow nach Angaben der Tageszeitung.

Titelfoto: Jörg Carstensen/dpa

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