Schmäh-Text der taz gegen die Polizei: Boris Palmer ersetzt "Polizisten" durch "Asylanten"

Berlin/Tübingen - Ein Text in der linken Tageszeitung taz sorgt für jede Menge Wirbel im Netz. Jetzt hat sich Tübingens OB Boris Palmer (48, Grüne) deutlich zu Wort gemeldet.

Tübingens OB Boris Palmer.
Tübingens OB Boris Palmer.  © Tom Weller/dpa

Was war passiert? In dem Stück "All cops are berufsunfähig" fantasiert Autorin Hengameh Yaghoobifarah (beschäftigt sich laut Selbstauskunft etwa mit Queerness, Feminismus und Antirassismus) von einem Deutschland ohne Polizisten.

"Wohin also mit den über 250.000 Menschen, die dann keine Jobs mehr haben?", fragt die Autorin. Nach langen hin und her kommt ihr die Einleuchtung: "Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie." 

Und sie setzt nach: "Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten."

Der Text sorgte für viel Aufregung im Netz, die Deutsche Polizeigewerkschaft hat Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet (hier nachzulesen). Auch beim Deutschen Presserat wollen die Ordnungshüter Beschwerde einlegen.

taz-Chefredakteurin Barbara Junge schreibt im hauseigenen Blog im Bezug auf den Text: "Satire darf fast alles – und greift manchmal in seiner Wortwahl daneben." Und an anderer Stelle: "Es gibt in der taz sehr unterschiedliche Sichtweisen auf die Polizei. Nach dem am Montag erschienen Text führt die taz erneut eine intensive Diskussion darüber."

Das Thema ließ den auch Boris Palmer nicht kalt. Der 48-Jährige fragte in einem Facebook-Posting: "Wenn man in dem Text einfach Polizisten durch Asylbewerber ersetzen würde, wie wäre dann die Reaktion der Autorin und der taz? Richtig. Empörung."

Und weiter: "Den Hinweis auf Satire würde man einem AfDler, der diesen Text mit Asylbewerbern publizierte, ganz sicher nicht durchgehen lassen."

"All Asylanten are berufsunfähig"

Was, wenn man im Text "Polizisten" durch "Asylanten" ersetzt, fragte Palmer. (Symbolbild)
Was, wenn man im Text "Polizisten" durch "Asylanten" ersetzt, fragte Palmer. (Symbolbild)  © Christoph Schmidt/dpa

In einem weiteren Beitrag spielte er sein Asylbewerber-Beispiel dann konsequent durch.

Unter der Headline "All Asylanten are berufsunfähig" schreibt er etwa: "Falls das Asylrecht abgeschafft wird, Deutschland aber nicht: Was passiert dann mit all den Menschen, die heute Aslyanten sind?"

An anderer Stelle fragt er: "Wenn das Asylrecht abgeschafft wird, Deutschland jedoch nicht, in welche Branchen kann man Ex-Asylanten dann überhaupt noch reinlassen? Schließlich ist der Anteil an autoritären Persönlichkeiten und solchen mit Macho-Mindset in dieser Personengruppe überdurchschnittlich hoch. Oder haben Sie schon mal von einer Gruppenvergewaltigung in der Albvereins-Community gehört? Ich nämlich auch nicht."

Und wiederum woanders im Text: "Ich würde mir nicht mal eine Pediküre von ihnen geben lassen. Eine Nagelfeile ist eine Waffe. Keine Baumärkte, Tankstellen oder Kfz-Werkstätten. Eigentlich nichts, woraus man Bomben oder Brandsätze bauen kann. Technik generell eher nein. Keine Gastronomie wegen Vergiftungsgefahr. (...) Was ist mit Gartencentern? Hm. Zu nah an völkischen Natur- und Landideologien."

Nachdem er den Yaghoobifarah-Text nachgebaut hat, fragt Deutschlands bekanntestes Stadtoberhaupt: "Ist das Satire? Klar erkennbar ja. Darf Satire Menschen so erniedrigen? Nein."

Der Grünen-Politiker gibt zu bedenken: "Wer diesen beiden Aussagen zustimmt, sollte den Text aus der taz, der hier nur wenig verändert wurde, nochmal lesen und drüber nachdenken, ob er Satire ist und ob eine Satire Polizisten so erniedrigen darf."

Übrigens: Am kommenden Montag trifft taz-Chefredakteurin Barbara Junge den Oberbürgermeister zum Gespräch (hier nachzulesen). Palmer selbst ist schon gespannt auf die Unterhaltung...

Titelfoto: Montage: Christoph Schmidt/dpa, Tom Weller/dpa

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