Kampf gegen Coronavirus: Darum ist Boris Palmer für die Auswertung von Handydaten

Tübingen - Im Kampf gegen das Coronavirus will Gesundheitsminister Jens Spahn (39, CDU) notfalls auf Handydaten zugreifen, um Infektionsketten nachverfolgen zu können. Einen Befürworter findet er jetzt in Tübingens OB Boris Palmer (47, Grüne).

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer.
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer.  © Sebastian Gollnow/dpa

Seit Beginn der Erkrankungswelle beschäftigt sich Deutschlands wohl bekanntestes Stadtoberhaupt mit dem Thema. Unter anderem regte er an, den derzeitigen "Shutdown" zu beenden, indem künftig die Jungen arbeiten gehen und ältere Bürger eine zeitlang komplett daheim isoliert werden.

Nun hat er sich also zur Auswertung von Handydaten geäußert, wie immer auf seiner Facebook-Seite

"Priorität 1 ist jetzt, dass wir die Kontaktreduktion so effektiv wie möglich umsetzen. Das kann immer noch sehr viel besser werden", moniert er zu Beginn seines Postings. 

Denn: "Die Zahl der Menschen, die sich ohne erkennbar dringenden Grund in der Stadt aufhalten steigt nach meinem Eindruck wieder an."

Dann blickt er über die Grenzen der Uni-Stadt Tübingen (89.000 Einwohner) hinaus: "Die nach wie vor stark steigenden Fallzahlen in Italien, Frankreich und Spanien, die härtere Ausgangssperren als wir verfügt haben, zeigen aber auch, dass es noch auf einige Zeit hin keinen Spielraum gibt, die Beschränkungen für Wirtschaft und Gesellschaft zu lockern."

Was also tun? Palmer fährt fort: "Wenn wir uns nicht einfach damit abfinden wollen, dass die Einschränkungen bis zur Entdeckung eines Impfstoffs anhalten, brauchen wir Ideen für Alternativen. Jens Spahn hat eine formuliert, die ich richtig finde: Infektionsverfolgung durch Handydaten."

Handydaten auslesen: Palmers Leser sind zwiegespalten

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.  © Michael Kappeler/dpa

Südkorea habe sehr effektiv die Infektionsketten nachvollzogen, indem es Handydaten ausgewertet hat, schreibt der 47-Jährige. "Damit kann man sehr genau sagen, wer wann mit wem Kontakt hatte."

Dann kündigt er an: "Wenn es helfen würde, die Ausbreitung des Virus einzudämmen und die Einschränkungen anderer Freiheitsrechte zu verringern, wäre ich gerne bereit, dafür meine Handydaten auswerten zu lassen."

Im Zweifel erinnere sich der Oberbürgermeister gar nicht mehr an alle Kontakte der letzten 14 Tage und bringe damit Menschen in Gefahr, falls er infiziert werde. 

"Das Handy wäre dann eine ideale Gedächtnisstütze und Schutz für mein persönliches Umfeld."

In den Kommentaren unter dem Beitrag wird klar: Viele User würden die Idee unterstützen, haben aber teils größte Bedenken wegen des Datenschutzes.

"Für den einen Fall prinzipiell ja", schreibt etwa ein Nutzer. "Ich habe halt Angst, dass hier die Büchse der Pandora geöffnet wird und Bürgerrechte dauerhaft eingeschränkt werden nach dem Motto: 'Wir haben es ja schon mal gemacht...'." Einem anderen User wäre es "sehr wichtig dass so eine Datennutzung definitiv nur für einen begrenzten Zeitraum gilt, und nicht zum Standard wird, auch wenn Corona wieder vorbei ist".

Eine Nutzerin widersprach deutlich: "Auf keinen Fall! Nicht, dass nicht vernünftige Maßnahmen getroffen werden müssen, aber da derzeit sehr genau beobachtet werden muss, dass unsere wertvolle Demokratie nicht ausgehebelt wird: nein."

Ein weiterer schrieb besorgt: "George Orwell lässt grüßen." Orwells dystopischer Roman "1984" zeichnet das Schreckensbild eines totalitären Überwachungsstaates...

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Titelfoto: Montage: Michael Kappeler/dpa, Sebastian Gollnow/dpa

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