"Vater hatte passende Beleidigungen": Boris Palmer nach diesem Corona-Text wütend

Tübingen - Seit vergangenem Frühjahr überschattet die Corona-Pandemie alle anderen Themen in Deutschland. Von Anfang an beschäftigt sich Tübingens OB Boris Palmer (48, Grüne) mit dem Infektionsgeschehen. Jetzt platzte ihm der Kragen. Grund dafür: Ein Kommentar im Spiegel.

Boris Palmer (48) ist vom Inhalt des Kommentarstücks alles andere als angetan.
Boris Palmer (48) ist vom Inhalt des Kommentarstücks alles andere als angetan.  © Tom Weller/dpa

Rückblick: Seit Beginn der Pandemie meldet sich Deutschlands wohl bekanntester Rathauschef zu dem Thema zu Wort. Forderte etwa, ältere Mitbürger zu isolieren oder geriet mit einer Aussage im Frühstücksfernsehen unter starken Beschuss.

Seit Mitte Dezember ist die Republik im Lockdown. Die Wirtschaft läuft bestenfalls noch auf Sparflamme, der Staat muss Unsummen an Steuergeldern investieren, damit der Laden nicht völlig auseinander fliegt.

Und während sich langsam abzeichnet, dass der Lockdown wohl verlängert werden dürfte, hat sich ein Autor des Magazins Spiegel zu Wort gemeldet.

Im Kommentarstück "Alles schließen" fordert Janko Tietz nicht weniger als den Shutdown der deutschen Wirtschaft. Weil alle anderen Maßnahmen im Kampf gegen Corona nichts gebracht hätten.

Spiegel-Mann Janko Tietz will alles schließen

"Solange nicht hinreichend erforscht ist, wo genau die Infektionsherde sind, sollte das Land also kurzzeitig komplett stillgelegt werden", schreibt der Spiegel-Redakteur.

Was das heißt? "Alles schließen außer Lebensmittelläden. Alle, die nicht rausmüssen, bleiben zu Hause. Zwei Wochen lang. Wenn die Küche kalt bleiben kann, wenn die Ränge leer und die Instrumente stumm bleiben können, kann auch das Band bei Daimler stehen."

Palmer: "Mein Vater hatte passende Beleidigungen"

21. August 2000: Helmut Palmer (†74), Vater des heutigen Tübinger Rathauschefs, demonstriert lautstark in Asperg bei Ludwigsburg.
21. August 2000: Helmut Palmer (†74), Vater des heutigen Tübinger Rathauschefs, demonstriert lautstark in Asperg bei Ludwigsburg.  © dpa-Bildfunk

Außer Lebensmittel- und Pharmaindustrie dürfte in dem Szenario wohl alles andere dicht sein. Nicht mit Boris Palmer!

Auf seiner Facebook-Seite nahm er sich die Forderung aus dem Hamburger Magazin zur Brust. "Der Kommentar im Spiegel fordert (...) allen ernstes, es müsse noch viel mehr Schaden angerichtet werden. Endlich auch die Industrie zu machen und das Arbeiten verbieten."

Da schaltet der für seine offenen Aussagen bekannte Grünen-Politiker in den Klartext-Modus: "Mein Vater hatte passende Beleidigungen für Leute, die noch nicht gelernt haben, was schaffen heißt."

Ein Lockdown bis zum Frühjahr sei nicht akzeptabel, so der 48-Jährige. Und er fragt: "Wann endlich schlachten wir die heilige Kuh Datenschutz und nutzen moderne Technik, um die Infektionen zu verfolgen?"

Dass Palmer Einschnitte beim Datenschutz zugunsten des Schutzes von Corona-Risikogruppen fordert, ist nicht neu. Wiederholt hat er sich diesbezüglich geäußert.

"Meine Akzeptanz für Lockdownmaßnahmen sinkt mit jedem Tag, an dem die Politik sich weigert, wirksame Maßnahmen zum Schutz der Risikogruppen und zur Kontaktverfolgung einzuführen", so der Schwabe abschließend.

Titelfoto: Montage: Screenshot Spiegel.de/Tom Weller/dpa

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