Nach linksextremen Attacken: Boris Palmer knöpft sich die Täter vor

Tübingen - Zwei Farbattacken von Linksextremisten binnen kürzester Zeit haben Tübingens OB Boris Palmer (48, Grüne) auf den Plan gerufen. Den Radikalen geht's um ein Berliner Wohnprojekt, der Grüne redet Klartext.

Mit pinker Farbe hatten die Täter ein Soldaten-Denkmal beschmiert.
Mit pinker Farbe hatten die Täter ein Soldaten-Denkmal beschmiert.  © Indymedia

Am 9. Oktober dürfte es heiß hergehen in Berlin, genauer gesagt rund um die Liebigstraße 34. Denn an diesem Freitag soll das linksradikale Wohnprojekt geräumt werden. Die Szene zeigt sich seit langer Zeit auf dem Portal Indymedia mit der "Liebig 34" solidarisch - und angriffslustig.

So bekennen sich dort Unbekannte etwa zu einem Angriff auf eine "Bullenkaserne" in Berlin-Lichtenberg in der Nacht auf Mittwoch. "Wir haben Türen und Tore von außen verschlossen, Fenster mit Steinen und Farbgläsern eingeworfen, ein Auto unbrauchbar gemacht und die privaten Motorräder der Bullen umgekippt", heißt es in dem Bekennerschreiben.

Auch im baden-württembergischen Tübingen setzt sich die Szene für den Erhalt des linksradikalen Zentrums ein. 

So gab es dort in der Nacht auf Samstag einen Farbanschlag auf ein Denkmal für gefallene Soldaten des Ersten Weltkriegs. "Dies geschah in Solidarität mit der Liebig 34 und um ein Zeichen gegen Deutschland und seine Nazis zu setzen", hieß es anschließend auf Indymedia

Nun bekam das Büro des Vermieter-Vereins "Haus und Grund" in Tübingen "Besuch", wie die Szene solche Anschläge zu verniedlichen pflegt. In der Nacht auf Mittwoch habe man "das Schlüsselloch der Eingangstür mit Sekundenkleber verklebt, 'Liebig bleibt' auf die Wand gesprüht und den Rest der Dose über Fenstern und Tür entleert". 

Den Verein machen die Täter "mit dafür verantwortlich, dass die Mieten immer weiter steigen und Menschen verdrängt werden". Diesen und andere Anschläge bezeichnet man als "Nadelstiche" und hofft, dass "viele Nadelstiche die Träume von Profitmaximierung und Unterwerfung irgendwann platzen lassen".

Das ließ Tübingens Stadtoberhaupt Boris Palmer nicht unkommentiert. Auf seiner Facebook-Seite nahm er sich die Aktion vor. "Nach dem Denkmal für gefallene Soldaten ist nun Haus und Grund dran", schrieb er in einem Beitrag. 

Palmer: "Ihr habt die Falschen angesprayt"

Tübingens OB Boris Palmer (48, Grüne).
Tübingens OB Boris Palmer (48, Grüne).  © Silas Stein/dpa

Und weiter: "Immer sind die Bekennerschreiben auf Indymedia, also eindeutig links. Letztes Jahr war es mal ein Brandanschlag auf das Gebetshaus der TOS, einige Jahre davor wurden Autos angezündet. Vor dem Eigentum anderer und deren Bedürfnissen nach Sicherheit und Freiheit haben die Linksextremen leider keinerlei Respekt."

Wieso derart übler Vandalismus den Hausbesetzern in Berlin helfen solle, bleibe auch ein Rätsel, so der 48-Jährige. 

Dann widmet er sich dem Verein, der jüngstes Ziel der Radikalen wurde: 

"Haus und Grund ist der Verein, in dem sich die vielen kleinen Vermieter in der Stadt zusammenschließen. Das sind gerade nicht die Großkapitalisten, sondern Oma und Opa, die ihr Leben lang für ein Häuschen gearbeitet haben und an Studierende vermieten. Es sind die Vermieter, die oft über viele Jahre die Mieten nicht erhöhen und deutlich niedriger halten als der Mietspiegel das zeigt."

Oder anders ausgedrückt: "Haus und Grund sind die Guten. Ihr habt einfach die Falschen angesprayt. Aber irgendwie ist das bei dieser verqueren Denke auch schon wieder logisch."

Titelfoto: Montage: Indymedia, Silas Stein/dpa

Mehr zum Thema Boris Palmer:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0