Paukenschlag statt Versöhnung: Grüne lassen Boris Palmer fallen!

Tübingen - Kalte Schulter statt Wiederannäherung: Wie der Landesvorstand der Grünen in Baden-Württemberg stellt sich auch die Spitze des Tübinger Stadtverbandes gegen sein Parteimitglied, Oberbürgermeister Boris Palmer (48).

Für eine erneute Kandidatur als OB hat Boris Palmer (48) keine Unterstützung der Grünen mehr.
Für eine erneute Kandidatur als OB hat Boris Palmer (48) keine Unterstützung der Grünen mehr.  © Tom Weller/dpa

"Für uns Tübinger Grüne ist vor allem wichtig, dass Boris Palmer nicht mehr grüner OB-Kandidat 2022 wird", erklärte der Stadtvorstand am Montag.

Man werde ihn wegen dessen wiederholter verbaler Entgleisungen nicht mehr bei der Nominierung für eine Kandidatur um das Amt des Oberbürgermeisters unterstützen. An dieser Haltung habe sich seit Mai nichts geändert.

"Ob Boris Palmer daraus eine Konsequenz zieht, ist seine freie Entscheidung", hieß es in einer Stellungnahme zu Palmers Versuch einer Wiederannäherung vom Wochenende beim Parteitag in Reutlingen.

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Nachdem Palmer in einem Interview erklärt hatte, er wünsche sich eine "Versöhnung", erklärten die beiden Landesvorsitzenden Sandra Detzer (40) und Oliver Hildenbrand (32), der Beschluss des Landesvorstands, dass Palmer der Austritt nahegelegt und nicht mehr unterstützt werde, gelte unverändert.

Palmer verscherzte es sich mit Corona-Aussage

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (72, Grüne) und Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz (41) sagten, sie fänden eine Versöhnung gut, ohne Details zu nennen.

Palmer hatte es sich bei vielen Grünen unter anderem wegen seiner umstrittenen Äußerungen über ältere Menschen in der Corona-Pandemie verscherzt ("Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären").

Palmer verwundert "über so viel Unversöhnlichkeit"

Palmer selbst meldete sich auf seiner Facebook-Seite in der Sache zu Wort.

"Wenn ich im Moment nicht wirklich genug zu tun hätte mit Pandemie und Lockdownorganisation, könnte ich mich darüber vielleicht ärgern", schrieb er dort. "So bleibt nur Verwunderung über so viel Unversöhnlichkeit."

Die Grünen nahm er gegenüber Attacken im Kommentarbereich unter dem Posting in Schutz: "Allen, die meine Partei hier beschimpfen, widerspreche ich entschieden."

Und weiter: "Die Partei sind nicht die Funktionäre und ich stehe weiterhin für sie ein. Wer sie so rüde beschimpft, beschimpft auch mich."

Titelfoto: Tom Weller/dpa

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