Grüne brechen mit Boris Palmer: Dieser Satz wurde ihm 2020 zum Verhängnis

Tübingen - Das Jahr 2020 neigt sich seinem Ende entgegen. Einer, der immer wieder für Schlagzeilen sorgte, war Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (48, Grüne). Eine Aussage sorgte für den Bruch mit seiner Partei.

Boris Palmer (48) galt einst als grüner Hoffnungsträger. Mittlerweile hat die Partei ihn fallen gelassen.
Boris Palmer (48) galt einst als grüner Hoffnungsträger. Mittlerweile hat die Partei ihn fallen gelassen.  © Tom Weller/dpa

Seit dem Frühjahr hält die Corona-Pandemie Deutschland in Atem. Und seit der ersten Stunde beschäftigt sich auch Deutschlands wohl bekanntester Rathauschef mit dem weltweit grassierenden Virus.

Da der Erreger vor allem für ältere Mitbürger lebensgefährlich werden kann, sprach sich Palmer schon frühzeitig dafür aus, dass eben diese "vulnerable Gruppe" geschützt werden müsse - durch monatelange Isolation. Das sorgte für Empörung.

Doch einen riesigen Shitstorm erntete der Grüne erst später. Ende April war der 48-Jährige im Frühstücksfernsehen von Sat1 zu Gast. Thema: Corona. Dort sagte er jenen Satz über ältere Menschen, der ihn das ganze Jahr über verfolgen würde.

Corona-Alarm! Nun hat es auch Boris Palmer erwischt
Boris Palmer Corona-Alarm! Nun hat es auch Boris Palmer erwischt

"Ich sag' es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären", so Palmer.

Der Ausnahme-Grüne erlebte danach einen Shitstorm sondergleichen. Beleidigungen, Todeswünsche - die ganze Palette.

Im ganzen Wirbel ging die zweite Hälfte seiner Aussage allerdings unter. Nämlich, dass der Shutdown in zahlreichen Ländern die Armut verstärken und so rund eine Million Kinder das Leben kosten könnte.

Grüne entziehen Palmer Unterstützung bei OB-Wahl

Ende April: Palmer ist im Sat1-Frühstücksfernsehen zugeschaltet - und sagt den Satz, der ihn das ganze Jahr über verfolgen wird. (Screenshot)
Ende April: Palmer ist im Sat1-Frühstücksfernsehen zugeschaltet - und sagt den Satz, der ihn das ganze Jahr über verfolgen wird. (Screenshot)  © Grüne brechen mit Boris Palmer: Dieser Satz wurde ihm 2020 zum Verhängnis

Schließlich kündigten die Grünen an, ihn loswerden zu wollen.

Der Kreisverband Tübingen distanzierte sich deutlich von dem 48-Jährigen, "da seine Aussagen nicht mit den Grundsätzen und der Programmatik unserer Partei vereinbar sind und damit der Partei schaden".

Und der Verband kündigte in einer Mitteilung an: "Der Kreisvorstand Tübingen wird Boris Palmer bei Kandidaturen um politische Ämter zukünftig nicht mehr unterstützen." Gemeint ist die kommende OB-Wahl in Tübingen.

Boris Palmer bleibt Oberbürgermeister von Tübingen!
Boris Palmer Boris Palmer bleibt Oberbürgermeister von Tübingen!

Im Dezember schien jedoch die Wende zu kommen: Palmer ging auf die Partei zu, zeigte sich versöhnlich. Doch der Tübinger Stadtverband der Grünen blieb letztlich hart. Statt Versöhnung ließ man den deutschlandweit bekannten Politiker fallen!

"Für uns Tübinger Grüne ist vor allem wichtig, dass Boris Palmer nicht mehr grüner OB-Kandidat 2022 wird", erklärte der Stadtvorstand. Man werde ihn wegen dessen wiederholter verbaler Entgleisungen nicht mehr bei der Nominierung für eine Kandidatur um das Amt des Oberbürgermeisters unterstützen.

Und weiter: "Ob Boris Palmer daraus eine Konsequenz zieht, ist seine freie Entscheidung." Im Klartext: Palmer kann bei den Grünen ja gehen. Ende des Jahres ist das Verhältnis zwischen Boris Palmer und seiner Partei nun also denkbar schlecht.

Doch es bleibt nicht der einzige Wirbel. Nach den Krawallen in Stuttgart Ende Juni äußert sich der Grünen-Politiker auch dazu. Und das wie immer mit deutlichen Worten. Alles dazu lest Ihr morgen.

Titelfoto: Tom Weller/dpa

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