Daten von Kreditkarten und sogar GPS: Davon schwärmt Boris Palmer im Kampf gegen Corona!

Tübingen - Das Coronavirus wütet weiterhin auf der ganzen Welt. In Deutschland steigen die Zahlen der Neuinfektionen wieder deutlich, ständig werden neue Hotspots ausgerufen. Jetzt hat sich Boris Palmer (48, Grüne) zu Wort gemeldet - und dafür viel Kritik geerntet.

Palmer Ende April im Sat.1-Frühstücksfernsehen. (Screenshot)
Palmer Ende April im Sat.1-Frühstücksfernsehen. (Screenshot)  © Screenshot Sat1.de

Wir erinnern uns: Seit Ausbruch der Pandemie beschäftigt sich Deutschlands wohl berühmtestes Stadtoberhaupt mit dem Thema.

Für mächtig Wirbel sorgte eine Aussage Palmers Ende April im Sat.1-Frühstücksfernsehen.

Der Grünen-Politiker verwies darauf, dass die meisten Opfer hochbetagt seien: "Und wenn Sie die Todeszahlen anschauen durch Corona, dann ist es bei vielen so, dass eben Menschen über 80 insbesondere sterben".

Das Coronavirus sei also nicht "wie Ebola eine Krankheit, die Zwanzigjährige mitten aus dem Leben reißt, sondern tödlich ist sie für hochaltrige Menschen - fast ausschließlich".

Man müsse also abwägen, so der Oberbürgermeister. Und dann sagte er jenen Satz, der ihm wochenlange Prügel in den sozialen Netzwerken einbrachte: "Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären - aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen."

Ein Shitstorm gegen das Tübinger Stadtoberhaupt folgte. Er wurde sogar wegen Volksverhetzung angezeigt. Die Staatsanwaltschaft sah den Straftatbestand jedoch nicht erfüllt, Palmer war aus dem Schneider.

Jetzt nahm sich der 48-Jährige wieder der Pandemie an. Wie so oft auf seiner Facebook-Seite. Was er dort schrieb, gefiel nicht jedem.

Zu viel Datenschutz für Palmers Geschmack?

Hat man bei der Corona-App zu sehr auf Datenschützer gehört? Für Palmer schon. (Bildmontage)
Hat man bei der Corona-App zu sehr auf Datenschützer gehört? Für Palmer schon. (Bildmontage)  © Montage: CDC/Zuma Wire/dpa, Silas Stein/dpa

Unter der Überschrift "Wieviele Todesopfer fordert der Datenschutz?" lobte Palmer die Corona-Bekämpfung in Fernost: "Südkorea ist bemerkenswert erfolgreich in der Bekämpfung von COVID 19. Auch dort gab es Social-Distancing bis hin zu Schulschließungen."

In der Hinsicht sei das den europäischen Strategien nicht unähnlich. Nur seien die Fallzahlen in Europa drastisch höher. "Frankreich, Spanien, Niederlande haben zwischen 25 und 50 mal mehr Corona-Infektionen pro Einwohner verzeichnet, Deutschland und Italien liegen immer noch 10 bis 15 mal über dem Niveau von Südkorea."

Entsprechendes gelte auch für die Todesraten. Palmer fragt: "Was macht den Unterschied? Wieso hat auch China das Virus fast komplett unter Kontrolle und hilft mit seinen Bestellungen unsere Industrie über Wasser zu halten? (Daimler wird wegen China doch noch einen Gewinn wie in 2019 machen)"

Die Antwort liefert er gleich mit. Ob die aber jedem gefällt, der sich um seine Daten macht? "Ich sehe eigentlich nur einen relevanten Unterschied in der Qualität der Kontaktverfolgung", schreibt der 48-Jährige. "Wer auch Kreditkartendaten und GPS-Daten verwendet, kann so genau verfolgen, wie die Kontakte liefen, dass die Quarantäne rechtzeitig greift."

In Deutschland laufe die Fallverfolgung per Hand so langsam, dass zwar die Kontakte ermittelt würden, aber regelmäßig erst dann, wenn die nächste Ansteckung schon erfolgt sei.

"Die Corona-App sollte die europäische Antwort sein. Man hat dabei den Datenschutz so optimiert, dass sogar die Hardliner zufrieden sind", heißt es in dem Posting weiter. "Vermutlich war das der Fehler. Weil niemand Zugriff auf die Daten hat, kann auch niemand eingreifen."

Zudem bilanziert der Schwabe: "Und die Freiwilligkeit ist gescheitert." Gerade mal drei Prozent aller Kontakte würden durch die App gewarnt. "Logisch, dass das nichts bringt."

Seine Meinung ist klar: "Wenn ich zwischen einem halben Jahr im Lockdown und effektivem Tracing wählen muss, weiß ich ziemlich genau, was ich besser finde."

In den Kommentaren gab es daraufhin zahlreiche kritische Stimmen. "Die Quarantäne-Bestimmungen in Südkorea sind ziemlich horrend, das ist auch (effektiv) eine Insel (da undurchlässige Grenze zu N-Korea)", schrieb etwa ein User. "Das ist in Deutschland gar nicht annähernd machbar, allein schon aufgrund des (Waren-) Transitverkehrs."

Ein anderer kommentierte: "Lasst uns den totalen Überwachungsstaat errichten. Wir brauchen ja keine Angst vor Missbrauch einer solchen Kontrollinfrastruktur zu haben, das letzte Unrechtssystem auf deutschem Boden ist schließlich schon seit 30 Jahren Geschichte."

Ein anderer wurde da noch deutlicher: "War das gerade Werbung für den totalen Überwachungsstaat, Herr Palmer? Kreditkarten auslesen... GPS-Verfolgung usw. usw.!" 

Und weiter: "Mir ist ja bewusst, dass in so manchem grün-sozialistischem Traum eine ökologische DDR eine große Rolle spielt, nur sollten Sie es vielleicht nicht ganz so offensichtlich propagieren. Und wer glaubt, dass China, wie im Frühjahr geschehen, von einem auf den nächsten Tag nicht einen einzigen Corona-Fall mehr hatte, der glaubt auch an eine erfolgreiche Regierung unter grüner Führung."

Titelfoto: Montage: CDC/Zuma Wire/dpa, Silas Stein/dpa

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