Boris Palmer kritisiert: Über diese gute Corona-News liest man wenig

Tübingen - Seit Beginn der Corona-Pandemie beschäftigt sich Tübingens Stadtoberhaupt Boris Palmer (48, Grüne) mit dem Thema. Jetzt hat er über einen Erfolg im Kampf gegen den Erreger gesprochen, über den zu wenig berichtet werde.

Boris Palmer (48) beschäftigt sich seit Beginn der Pandemie intensiv mit dem Thema. (Bildmontage)
Boris Palmer (48) beschäftigt sich seit Beginn der Pandemie intensiv mit dem Thema. (Bildmontage)  © Montage: CDC/Zuma Wire/dpa, Silas Stein/dpa

Unter der Überschrift "Notstand abgewendet - und keiner sagt es" meldete er sich auf seiner Facebook-Seite (54.600 Abonnenten) zu Wort.

"Eigentlich wäre es jetzt wirklich Zeit, einen Erfolg zu vermelden", schreibt Deutschlands wohl bekanntester Rathauschef. "Der Gesundheitsnotstand in Deutschland ist abgewendet. In den letzten sieben Tagen ist die Anzahl der Intensivpatienten mit Covid 19 nur noch um 10 Prozent angestiegen."

Anfang November habe sich deren Zahl noch alle zwei Wochen verdoppelt, so der Grünen-Politiker weiter.

Und er zeigt sich sicher: Bleiben die Infektionszahlen auf dem derzeitigen Niveau, dann "kann man sicher sagen, dass ein Maximum von 4500 gleichzeitigen Intensivpatienten nicht mehr überschritten wird".

In den Augen des 48-Jährigen sei das "eine sehr gute Nachricht, weil damit die freien Kapazitäten nur zu 50 Prozent beansprucht werden".

Doch er moniert: "Über den drastischen Anstieg der Zahlen wurde intensiv berichtet. Über die Entwarnung liest man wenig."

Auch die Grafiken, die weiterhin gezeigt würden, suggerierten etwas anderes: "Meist wird ein Ausschnitt gewählt, der im März beginnt. Dadurch ist die Abflachung der Kurve in den letzten zehn Tagen kaum noch zu erkennen."

Palmer: Zahl der Intensivpatienten schon sehr abgeflacht

Die von Palmer gepostete Grafik zeigt: Im November flachte die Zahl der Intensivpatienten deutlich ab. (Screenshot)
Die von Palmer gepostete Grafik zeigt: Im November flachte die Zahl der Intensivpatienten deutlich ab. (Screenshot)  © Screenshot: Facebook.de/Boris Palmer

Palmer postet zu dem Beitrag eine Grafik. Sie zeigt die Zahl der Intensivpatienten im November. Mit Hilfe dieser Grafik erkenne man, dass die Kurve bereits sehr flach sei.

"Das ist auch logisch, denn die 7-Tages-Inzidenz steigt in Deutschland seit 14 Tagen nicht mehr an. Nachlaufend kommt auch der Anstieg der Intensivpatienten zum Stopp", notiert er.

Die Verzögerung ergebe sich aus der Zeit von der Infektion bis zum Ende der Behandlung auf der Intensivstation: "Im Mittel etwa 23 Tage."

Eine Rolle spiele jetzt noch, dass der Anteil älterer Infizierter steige. "Das wird auch die Intensivzahlen noch erhöhen", prognostiziert der regelmäßig im TV auftretende Lokalpolitiker. "Das Maximum ist Ende November/Anfang Dezember zu erwarten."

Daraus könne man verschiedene Schlüsse ziehen. "Denkbar sind schärfere Maßnahmen, um die Belastung der Intensivstationen zu senken und die Zahl der Infektionen unter 50/100.000 zu drücken."

Und weiter: "Genau so denkbar ist es, weitere Eingriffe in Grundrechte und Wirtschaft zu unterlassen, weil kein Gesundheitsnotstand droht. Die Entscheidung ist schwierig. Aber sie sollte auf einer korrekten Analyse der Daten beruhen."

Titelfoto: Montage: CDC/Zuma Wire/dpa, Silas Stein/dpa

Mehr zum Thema Boris Palmer:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0