Boris Palmer mit krasser Aussage: "Wir retten Menschen, die in halbem Jahr sowieso tot wären"

Tübingen - Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hat erneut eine Lockerung der Corona-Maßnahmen gefordert und dabei drastische Worte gewählt. 

Boris Palmer ist Oberbürgermeister von Tübingen.
Boris Palmer ist Oberbürgermeister von Tübingen.  © Sebastian Gollnow/dpa

"Ich sag es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären", sagte der Grünen-Politiker am Dienstag im Sat.1-Frühstücksfernsehen. 

Es müsse unterschiedliche Sicherheitsvorkehrungen für Junge und Ältere geben.

Palmer zufolge handelt es sich bei dem Großteil der an einer Corona-Infektion Gestorbenen um Menschen mit Vorerkrankungen, die ohnehin nicht mehr lange zu leben gehabt hätten. 

Seiner Meinung nach sind die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns gravierender und könnten etwa das Leben armutsbedrohter Kinder kosten.

Der Direktor des Instituts für Epidemiologie und Medizinische Biometrie der Universität Ulm, Dietrich Rothenbacher, betonte dagegen, dass es auch bei jüngeren Erwachsenen schwere Verläufe einer Covid-19-Erkrankung gebe. 

Laut einer Studie aus China starben in einer Patientengruppe von 35- bis 58-Jährigen 8,1 Prozent. "Die Gefährlichkeit einer Erkrankung kann auch nicht nur an der Zahl der absoluten Todesfälle festgemacht werden, sondern in der Tat sollte die Anzahl der verlorenen Lebensjahre benannt werden", teilte Rothenbacher mit. Diese Zahlen gebe es für Covid-19 noch nicht.

Der baden-württembergische FDP-Vorsitzende Michael Theurer reagierte empört auf Palmers Äußerung: "Ich rate Boris Palmer dringend, sich zu entschuldigen und diese Äußerung zurückzunehmen. Er ist nicht nur wie sonst manchmal über das Ziel hinausgeschossen, sondern erheblich entgleist."

Update 19.47 Uhr: Jetzt hat sich Palmer im Zuge der Kritik doch noch entschuldigt. Hier erfahrt Ihr dazu mehr. 

Update 18.53 Uhr: Nachdem Palmer heftig für seine Aussage kritisiert wurde, äußerte er sich nun gegenüber der "FAZ", dass er nur "Fakten der Vereinten Nationen und einen Zielkonflikt“ beschrieben habe. "Ich weiß nicht, wie ich mich für Fakten entschuldigen könnte“, sagte er weiter. 

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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