Grünen-Chef Habeck hat keine Geduld mehr mit Boris Palmer

Berlin/Tübingen - Wegen umstrittener Äußerungen zu älteren Corona-Patienten hat sich der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck (50) deutlich vom Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (47) distanziert.

Grünen-Chef Robert Habeck (50, rechts im Bild) verliert die Geduld mit Tübingens Oberbürgermeister und Parteikollege Boris Palmer (47). (Fotomontage)
Grünen-Chef Robert Habeck (50, rechts im Bild) verliert die Geduld mit Tübingens Oberbürgermeister und Parteikollege Boris Palmer (47). (Fotomontage)  © Montage: Silas Stein/dpa, Guido Kirchner/dpa

Der Satz seines Parteikollegen sei falsch und herzlos gewesen, betonte Habeck am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Anne Will". "Er spricht damit weder für die Partei noch für mich."

Zum Umgang mit hochbetagten Corona-Kranken hatte Palmer vor wenigen Tagen gesagt: "Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären." (TAG24 berichtete

Angesichts breiter Empörung entschuldigte er sich später. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur bekräftigte er am Sonntag sein Bedauern, betonte allerdings auch, dass er sich falsch dargestellt fühle.

Habeck äußerte sich wenige Stunden später verärgert über Palmer. "Nachdem er heute nachgelegt hat, muss ich sagen, dass meine Geduld wirklich erschöpft ist." Zu einem möglichen Parteiausschlussverfahren äußerte sich der Grünen-Chef ausweichend. 

Rund 100 Parteimitglieder hatten in einem offenen Brief Palmers Rauswurf gefordert. Habeck sagte lediglich, als Parteivorsitzender sei er Adressat des Schreibens und werde sich daher mit der Frage beschäftigen.

Palmer zeigte sich tags darauf überrascht über Habecks erschöpfte Geduld: "Mich wundert dieser Satz, denn was kann mir denn dieses Mal vorgeworfen werden?", fragte er am Montag im Talkformat "Bild live". Sein umstrittener Satz könne nicht widerlegt werden - "mit hoher Wahrscheinlichkeit ist er richtig".

Grüne wollen Palmer nicht mehr unterstützen

Update 14.25 Uhr: Die Grünen-Spitze entzieht Boris Palmer die Unterstützung. Die Partei werde Palmer bei einer erneuten Kandidatur in Tübingen und bei weiteren politischen Tätigkeiten nicht mehr unterstützen, sagte Grünen-Chefin Annalena Baerbock in Berlin nach einer Videokonferenz des Parteivorstands. Weitere interne Sanktionen würden geprüft.

Palmer reagiert gelassen

Update 16.35 Uhr: Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hat gelassen auf die Ankündigung der Parteispitze reagiert, ihm nach umstrittenen Äußerungen die Unterstützung zu entziehen. "Wir befinden uns in einer existenziellen Krise. Die Kandidatenfindung für die Tübinger OB-Wahl kann noch eine Weile warten. Dann ist genug Zeit, das in Ruhe zu besprechen", sagte er am Montag auf Anfrage.

Titelfoto: Montage: Silas Stein/dpa, Guido Kirchner/dpa

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