Streit mit transsexueller Politikerin: Boris Palmer spricht von Intoleranz im linken Milieu

Tübingen - Was haben Oberbürgermeister Boris Palmer (48, Grüne), Hollywood-Schauspielerin Halle Berry (53) und Autorin J.K. Rowling (54) gemeinsam? Alle drei haben sich jüngst den Zorn von Lesben, Schwulen und Transsexuellen zugezogen.

"Ich kenne ihn gar nicht" - Und schon ging es in den Facebook-Kommentaren rund.
"Ich kenne ihn gar nicht" - Und schon ging es in den Facebook-Kommentaren rund.  © Screenshot Facebook.de/Boris Palmer

Kleiner Rückblick: Über Jahre fielen dem geneigten Leser von Palmers Facebook-Seite bitterböse Kommentare der transsexuellen Grünen-Politikerin Maike Pfuderer auf. Nicht selten gab es in den Kommentarspalten Zoff zwischen den Usern und Pfuderer.

Zuletzt krachte es so richtig am Sonntag (TAG24 berichtete). Nach einem scharfen Facebook-Kommentar der Transfrau entgegnete Palmer auf einen anderen User offenbar in Richtung Pfuderer: "Ich kenne ihn gar nicht."

An anderer Stelle fragte er: "Wie spricht man Pfuderer korrekt an?" Und wiederum in einem weiteren Kommentar berichtete der 48-Jährige: "Soweit ich weiß, war Reinhard Pfuderer ein Mann, als ich in Stuttgart OB-Kandidat war."

Pfuderer wollte Strafanzeige wegen dieses "Outings" stellen, jedoch berichtete die Stuttgarter Zeitung schon vor langer Zeit ausführlich darüber, wie aus dem CDU-Mitglied Reinhard Pfuderer die Grüne Maike Pfuderer wurde.

Am Mittwoch meldete sich Palmer erneut auf Facebook in der Sache zu Wort. Und nannte zwei bekannte Persönlichkeiten, die in der jüngsten Vergangenheit mit dem Thema Transsexualität in Teufels Küche kamen - damit jedoch völlig unterschiedlich umgingen.

Denn während Halle Berry die Rolle eines transsexuellen Mannes schnell links liegen ließ (TAG24 berichtete), damit der Shitstorm abebbte, ging "Harry Potter"-Autorin Rowling in die Offensive.

"Joanne K. Rowling hat hinterfragt, welchen Sinn die Redewendung 'Menschen, die menstruieren' haben solle, da man bisher doch von Frauen reden konnte", schreibt Palmer. "Sie hat dafür nicht um Vergebung gebeten, sondern mit vielen Intellektuellen einen großartigen Appell gegen die Intoleranz im linken Milieu der Minderheitenrechtler veröffentlicht. Ihr Shitstorm hält daher an."

Junger Grüner will, dass Palmer nie wieder öffentlich auftritt

Boris Palmer ist einem jungen Grünen ein Dorn im Auge.
Boris Palmer ist einem jungen Grünen ein Dorn im Auge.  © Fabian Sommer/dpa

Dann kommt der Grünen-Politiker auf die Vorkommnisse vor ein paar Tagen zu sprechen: "Ich habe am Sonntagabend nichtsahnend zwei ähnliche Verbrechen begangen: Misgendering und Deadnaming." 

In beiden Fällen geht es um falsche Anrede. Einmal ums Geschlecht, einmal um den (abgelegten) Vornamen.

Was in den Augen Palmers danach folgte, zitiert er aus dem Aufruf von insgesamt 153 Intellektuellen (u.a. Salman Rushdie, J.K. Rowling, Noam Chomsky): "Intoleranz gegenüber Andersdenkenden, öffentliche Anprangerung und Ausgrenzung sowie die Tendenz, komplexe politische Fragen in moralische Gewissheiten zu überführen."

Und weiter heißt es dort: "Uns gilt eine kernige, mitunter bissige Gegenrede viel. Aber allzu oft werden heute als Reaktion auf vermeintliche sprachliche oder gedankliche Entgleisungen schwere Vergeltungsmaßnahmen gefordert."

Welche Vergeltungsmaßnahmen das sein könnten, will Palmer an einem Beispiel aufzeigen. Nämlich dem Tweet von Jonas Volkmann von der Grünen Jugend Rheinland-Pfalz.

Der hatte von Palmer gefordert: "Den Mund halten, aus der Partei austreten, als Bürgermeister zurücktreten, die Politik verlassen, Seminare zu toxischer Männlichkeit, Antirassismus oder Queerfeindlichkeit besuchen um sich zu bessern, nie wieder öffentlich auftreten".

Palmer beklagt "berufliche, moralische und gesellschaftliche Vernichtung"

Oder wie Palmer es zusammenfasst: "Berufliche, moralische und gesellschaftliche Vernichtung. Für ein Vergehen, das nicht im Strafgesetzbuch steht und noch nicht mal eine Ordnungswidrigkeit darstellt. Prozesse unnötig. Der Schuldige steht fest, weil Ankläger und Richter dieselben Personen sind."

Deutschlands wohl bekanntestes Stadtoberhaupt fordert: "Es ist wirklich an der Zeit, dass wir die liberale Demokratie vor ihren falschen Freunden verteidigen."

Dazu zitiert er nochmals aus dem Aufruf von Rowling und Co.: "Der freie Austausch von Informationen und Ideen, der Lebensnerv einer liberalen Gesellschaft, wird von Tag zu Tag mehr eingeengt. Während wir dies von der radikalen Rechten nicht anders erwarten, breitet sich auch in unserer Kultur zunehmend eine Atmosphäre von Zensur aus."

Titelfoto: Fabian Sommer/dpa

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