Palmer verteidigt bei stern TV Schnelltest-Sonderweg: Kritik an Langsamkeit auf Bundesebene

Tübingen - In der Ausgabe von "stern TV" am Mittwochabend auf RTL war unter anderem der "Tübinger Sonderweg" Thema, den Oberbürgermeister Boris Palmer (48, Grüne) mit freiwilligen Selbsttests an Kitas in seiner Stadt eingeschlagen hat.

Notärztin Lisa Federle steht vor den Testmobil für Corona-Antigentests. Federle hat in Tübingen bereits seit Ende November mit Schnelltests begonnen, die sie mit Spenden finanziert.
Notärztin Lisa Federle steht vor den Testmobil für Corona-Antigentests. Federle hat in Tübingen bereits seit Ende November mit Schnelltests begonnen, die sie mit Spenden finanziert.  © Sebastian Gollnow/dpa

Palmer baute zusammen mit der Notärztin Lisa Federle Anfang Februar ein eigenes Testsystem auf, bei dem neuartige Antigen-Schnelltests verwendet werden, die eine unkomplizierte und schmerzfreie Selbsttestung durch die Nase ermöglichen.

Beschäftigte in Kitas wurden in deren Anwendung geschult und begleiten die Tests vor Ort. Eine Teilnahme daran ist freiwillig. Das Konzept wurde von der Stadtverwaltung gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz, den Tübinger Schulen und dem Gesamtelternbeirat entwickelt.

Auf die Anmerkung von "stern TV"-Moderator Steffen Hallaschka (49), wonach das Vorgehen in Tübingen - einer Stadt mit 90.000 Einwohnern, die darüber hinaus aufgrund des großen Studierendenanteils überwiegend jung sind - wohl nicht als "Rezept für ganz Deutschland" gelten könne, entgegnete Palmer überzeugt: "Ich glaube nicht, dass da irgendwas dabei ist, was man andernorts nicht machen könnte."

Neben den Selbsttests könnten seiner Meinung nach auch die anderen Maßnahmen - wie die kostenlose Ausstattung älterer Menschen mit Masken sowie Taxifahrten zum Preis des Busverkehrs anzubieten - "grundsätzlich in ganz Deutschland" durchgeführt werden.

Boris Palmer: "Rings um uns herum wird aufgemacht und wir müssen weiter im Lockdown warten"

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (48, Grüne).
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (48, Grüne).  © Tom Weller/dpa

Als Halaschka die vorsichtigere Herangehensweise auf Bundesebene Palmers Vorpreschen in Tübingen entgegenstellte und diesen dazu befragte, reagierte der Grünen-Politiker mit Unverständnis.

"Österreich ist bisschen größer als Tübingen und ist schon seit Wochen dabei, Millionen von Tests gerade in Schulen durchzuführen. Das klappt dort sehr gut. Man hat sich einfach ein bisschen mehr beeilt, weil man öffnen wollte. Bei uns in Deutschland ist das Hauptaugenmerk auf dem Schließen. Nach Konzepten zur Öffnung wurde viel zu wenig gefragt", so der 48-Jährige.

Palmer zufolge müsse man in einer Pandemie "vor der Lage" sein und nicht der Letzte, der Lösungen umsetzt. Sonst drohe Deutschland zum Schlusslicht in Europa zu werden. "Rings um uns herum wird aufgemacht und wir müssen weiter im Lockdown warten."

Wie der Oberbürgermeister am vergangenen Freitag mitteilte, werden die Selbsttests in den Tübinger Kindertageseinrichtungen gut angenommen.

Bereits nach der ersten Woche hätten dieses Angebot rund 85 Prozent der Berechtigten in städtischen Kitas genutzt. Dabei habe es bisher kein positives Ergebnis gegeben.

Titelfoto: Tom Weller/dpa

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