Nach Leserbrief: Boris Palmer wehrt sich gegen "linke Spießer"

Tübingen - Boris Palmer (48, Grüne) ist nicht nur Stadtoberhaupt und Facebook-Tausendsassa, sondern auch als Gastautor aktiv. Das schmeckte einem Leser jetzt gar nicht.

Tübingens OB Boris Palmer (48, Grüne).
Tübingens OB Boris Palmer (48, Grüne).  © Christoph Soeder/dpa

Doch eins nach dem anderen: Seit mehr als 20 Jahren schreibt der 48-Jährige Gastbeiträge bei "Die Zeit". In der linksliberalen Wochenzeitung sinnt er etwa über die Piratenpartei, Flüchtlinge oder das Coronavirus nach.

Mit letzterem Thema beschäftigt sich Palmer auf Facebook bereits seit Ausbruch der Pandemie regelmäßig - und erhitzt durchaus die Gemüter einiger Leser mit seinen Ansichten. Offenbar auch das Gemüt eines "Zeit"-Lesers.

Grund dafür war der Text "Planlos in den Herbst", in dem der Tübinger Oberbürgermeister forderte, dass der Schutz älterer Bürger Vorrang haben müsse.

Das Stück nahm ein Leser zum Anlass für Feedback. "Der Artikel ist tatsächlich nicht inhaltlich verwerflich, sondern sachlich geschrieben, das vorweg", stellte der Leserbiref-Schreiber klar. "Palmer ist nun generell eine Person, bei der ich mir Sorge mache, wer in der Zeit noch so alles mit einem Gastbeitrag zu Wort kommen wird." 

Grund für die Vorbehalte gegen den OB: "Palmer hat Antirassismus als 'linksradikale Ideologie' dargestellt und von 'linksidentitärer Läuterungspropaganda' gesprochen, einen Studenten der Erziehungswissenschaft in eine Schlägerei verwickelt, Schwarzfahrer*innen fotografiert und auf Facebook gepostet, sich von Petr Bystron (AfD) und derartigen Widerlingen abfeiern lassen, erklärt Kriminalität durch 'junge Männer mit Migrationsvordergrund' und negiert Diskriminierung gegenüber LGBTIQ ('Entspannt euch')."

Palmer bemängelt "Fake News wie bei Trump"

Palmer beklagt nun "Fake News" wie bei US-Präsident Donald Trump (Foto).
Palmer beklagt nun "Fake News" wie bei US-Präsident Donald Trump (Foto).  © Alex Brandon/AP/dpa

In den Augen des "Zeit"-Lesers hacke Palmer "gerne auf diejenigen ein, die es in der Gesellschaft ohnehin am schwersten haben, um persönlich die größtmögliche Aufmerksamkeit aus diesen Provokationen zu ziehen".

Den Redakteuren der Zeitung legt er schließlich nahe, Palmer nicht mehr als Gastautoren zu Wort kommen zu lassen.

Der Angesprochene selbst meldete sich auf seiner Facebook-Seite zu Wort. Er kritisierte "linke Spießer" und zitierte aus einem Text der Zeit: "Der neue linke Spießer betrachtet Gegenwart und Vergangenheit mit puritanischem und polizeilichem Blick und genießt es, unablässig den Wuchs der Diskurshecken zu prüfen, mit der Gartenschere in der Hand."

Der Leserbrief zeige das in den Augen Palmers perfekt: "Selbst wenn mein Text nichts liefert, das man moralisch versammeln konnte, kommt die Gartenschere zum Einsatz: Keine Texte mehr von Palmer!" (Rechtschreibung übernommen.)

Die Gründe seien erfunden. "Zwar hat Arne Güttinger (der Student, mit dem Palmer dereinst aneinander geriet, Anm.d.Red.) mich bedroht und zu beleidigen versucht, aber berührt haben wir uns nicht." 

Daraus mache der linke Spießer glatt eine Schlägerei. Auch die übrigen Vorwürfe seien komplett konstruiert und leicht zu widerlegen. 

"Stört linke Spießer in ihrer moralischen Selbstgerechtigkeit aber kein bisschen", bilanziert das Stadtoberhaupt. "Fake News wie bei Trump."

Titelfoto: Montage: Screenshot blog.zeit.de, Christoph Soeder/dpa

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