Wegen Corona: Droht wieder einsames Sterben in den Heimen? Das fordert Boris Palmer jetzt

Tübingen - Im Kampf gegen das Coronavirus wird inzwischen in Deutschlands Pflegeheimen geimpft. Doch geht das schnell genug? Boris Palmer (48, Grüne) meldet sich eindringlich zu Wort.

Tübingens OB Boris Palmer (48).
Tübingens OB Boris Palmer (48).  © Fabian Sommer/dpa

"Das Sterben in den Pflegeheimen geht weiter", beginnt Palmer den jüngsten Beitrag auf seiner Facebook-Seite. "Ganz offensichtlich gelingt es vielerorts immer noch nicht, das Tübinger Modell der engmaschigen Testungen zu etablieren."

Zum Entsetzen des Grünen-Politikers seien manche Heime wieder zu absoluten Besuchsverboten für Angehörige übergegangen - "obwohl fast immer das Personal das Virus einträgt".

Palmer stellt bitter fest: "Da sterben Menschen wieder in totaler Einsamkeit, ohne die Würde des Artikel 1 unseres Grundgesetzes."

Um so wichtiger wäre es in den Augen des 48-Jährigen, jetzt schnell alle Heime durchzuimpfen. Doch das komme kaum voran.

"Wir haben bei uns in der Region noch nicht mal die Hälfte der Heime mit der ersten Impfung versorgen können. Wenn es dabei bleibt, dass wir im Abstand von drei Wochen die zweite Impfung machen, heißt das: Die erste Impfung bekommen viele Heimbewohnerinnen und -bewohner erst in der zweiten Runde im Laufe des späten Februars", so Palmer.

Palmer: Lauterbachs Vorschlag könnte Todesrate um ein Drittel senken

SPD-Mann Karl Lauterbach (57).
SPD-Mann Karl Lauterbach (57).  © Kay Nietfeld/dpa

Deutschlands wohl bekanntester Rathaus-Chef war am vergangenen Sonntag beim Bild-Talk "Die richtigen Fragen" zu Gast gewesen. Mit dabei auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (57).

Ein Vorschlag des Sozialdemokraten sagt dem Grünen zu: Die zweite Impfung der Bewohner solle erst in drei Monaten erfolgen. "Klingt riskant, aber das Gegenteil ist der Fall. Wir wissen sicher, dass die erste Impfung bereits einen hohen Schutz bietet. Die zweite Impfung sorgt nur für den 'Boost'."

Der Tübinger Oberbürgermeister rechnet vor: "Nehmen wir an, die erste Impfung hat 75 Prozent des Schutzeffektes. Wenn wir die kommenden drei Monaten alle nur einmal impfen, können wir doppelt so viele Menschen impfen. (...) Der Vergleich zeigt dann: Wenn wir alle zweimal impfen, schützen wir nur halb so viele Menschen wie mit der Lauterbach-Strategie."

Und weiter: "Selbst wenn die doppelte Zahl der Geimpften dann nur 75 Prozent der Schutzwirkung hat, ist das immer noch eine 50 Prozent höhere Schutzwirkung gegen Todesfälle."

Lauterbachs Vorschlag könnte die Todesrate um ein Drittel senken. "Vermutlich sogar mehr, denn Fachleute nehmen an, dass die erste Impfung schon 90 Prozent der Schutzwirkung erzeugt."

Wenn es wirklich darum gehe, die hohe Zahl von Todesfällen zu verringern, habe dieser Vorschlag eine vielfach größere Wirkung als so ziemlich jede Verschärfung des Lockdowns, die derzeit diskutiert werde, befindet Palmer.

"Karl Lauterbach wurde in dieser Pandemie so oft gefolgt, auch wenn er sich geirrt hat. Hier sollte ihm wirklich uneingeschränkt zugestimmt werden. Das könnte schon morgen umgesetzt werden", schreibt der Grüne.

Titelfoto: Montage: Kay Nietfeld/dpa, Fabian Sommer/dpa

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