"Die Spannungen nehmen zu": Boris Palmer für Ende der Corona-Beschränkungen!

Tübingen - Boris Palmer (49, Grüne) hatte schon im Vorfeld das Ende der kostenlosen Corona-Tests kritisiert. Nun legt Deutschlands wohl bekanntester Rathauschef nach.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (49, Grüne).
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (49, Grüne).  © Fabian Sommer/dpa

Wir erinnern uns: Bereits im August hatte der 49-Jährige deutlich gemacht, was er davon hält, Tests für Ungeimpfte kostenpflichtig zu machen. Nicht viel.

"Das ist Druck mit dem Geldbeutel auf Menschen, die nicht geimpft sind", schrieb Palmer damals auf seiner Facebook-Seite.

"Wer viel Geld hat, wird die 15 Euro pro Test locker bezahlen. Für eine Familie mit drei Kindern ist der Restaurantbesuch dann 75 Euro teurer. Das können sich nicht viele leisten."

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Auch warnte er: "Es sieht danach aus, dass sich 20 Prozent der Menschen nicht impfen lassen wollen. So viele Menschen derart massiv unter Druck zu setzen, verursacht langfristig sehr viel mehr Schaden an der Demokratie als die Einsparung bei den Tests jemals erbringen kann."

Nun ist es so weit: Seit Montag müssen Ungeimpfte für Tests löhnen, wenn sie etwa ins Restaurant oder Kino wollen. Und der Grünen-Politiker meldete sich erneut auf Facebook zu Wort!

Er bekräftigte, dass er die Entscheidung für unklug halte: "Weniger Tests heißt weniger entdeckte Infektionen. Und jetzt wird sicher weniger getestet."

Bis zum Frühjahr könnten die Tests in seinen Augen ein wichtiger Beitrag zur Pandemiekontrolle sein. In Tübingen geht man eigene Wege: "Weiterhin kann sich am Rathaus und am Haagtor jeder kostenfrei testen lassen. Man kann ja auch als Geimpfter infiziert sein und die Infektion weiter geben. Viel seltener zwar, aber eben doch nicht ausgeschlossen."

Gratis-Tests: 3G-Zertifikate kosten aber

Vor einem großen Familienfest alle kostenlos testen zu lassen, sei weiterhin eine gute Idee. Und das gehe in Tübingen.

Was jedoch nicht mehr gehe: kostenfreie Zertifikate für 3G. "Das hat zwar auch Nachteile, vor allem soziale. Denn 15 Euro für einen Test sind für manche viel Geld, für andere egal. Aber angesichts der Entscheidung im Bund, die nicht Geimpften zur Kasse zu bitten, wenn sie an Veranstaltungen teilnehmen wollen, blieb uns auch in Tübingen kaum eine Wahl."

Der 49-Jährige mahnt: Lange dürfe das alles nicht dauern. "Die Spannungen nehmen zu, wenn Menschen mit finanziellem Druck zu einer Impfung angehalten werden sollen."

Und: "Mir scheint es viel logischer, die Beschränkungen aufzuheben und allen freizustellen, ob sie lieber die Impfung oder die Infektion riskieren. Dänemark und Großbritannien haben bisher keine Überlastung ihres Gesundheitssystems hinnehmen müssen. Und wenn es kritisch würde, ließen sich 3G/2G-Regeln rasch wieder einführen."

Spätestens im kommenden Frühjahr müsse dieser Schritt gemacht werden, so Palmer. "Wir können uns nicht dauerhaft in einem Krisenmodus einigeln, während weitaus größere Risiken für die Menschheit unbeachtet oder unbearbeitet bleiben."

Titelfoto: Fabian Sommer/dpa

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