"Druck erzeugt Gegendruck": Wird jetzt das Impf-Ziel verfehlt?

Tübingen - Ab dem 11. Oktober müssen Ungeimpfte ihre Corona-Tests selbst zahlen. Tübingens OB Boris Palmer (49, Grüne) hat dies nun erneut kritisiert.

Kritisierte wiederholt die Abschaffung der kostenlosen Corona-Tests: OB Boris Palmer (49, Grüne).
Kritisierte wiederholt die Abschaffung der kostenlosen Corona-Tests: OB Boris Palmer (49, Grüne).  © Sebastian Gollnow/dpa

Wer noch nicht gegen das Coronavirus geimpft wurde und etwa ins Fitnessstudio oder Restaurant will, der darf ab Oktober blechen. Ist das fair?

Schon in den zurückliegenden Tagen hat sich Deutschlands wohl bekanntester Rathauschef äußerst kritisch zur kommenden Pflicht geäußert.

Der 49-Jährige argumentierte: "Das ist Druck mit dem Geldbeutel auf Menschen, die nicht geimpft sind", schrieb Palmer auf seiner Facebook-Seite. "Wer viel Geld hat, wird die 15 Euro pro Test locker bezahlen. Für eine Familie mit drei Kindern ist der Restaurantbesuch dann 75 Euro teurer. Das können sich nicht viele leisten."

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So verwunderte auch wenig, dass Tübingen ankündigte: In der Neckarstadt bleiben die Tests kostenfrei.

Nun hat der Grünen-Politiker erneut auf Facebook Kritik am Ende der Gratis-Tests in Deutschland geäußert. Wer sich nicht impfen lassen wolle, müsse in den kommenden Monaten mit vielen Nachteilen rechnen: "Tests werden zur ständigen Pflicht und zahlen muss man sie selbst. Das unterstützt auch die Vorsitzende des Ethikrates. Für mich ist das eher schwarze Pädagogik. Und bist Du nicht willig ..."

Es könne "durchaus sein, dass damit auch das Ziel verfehlt wird, möglichst viele Menschen zu impfen. Druck erzeugt Gegendruck."

Boris Palmer bringt Eigenverantwortung ins Spiel

Wer für sich selbst kein besonderes Risiko sehe, entscheide sich unter Umständen erst recht gegen die Impfung.

Man könne auch den Weg der Eigenverantwortung gehen, so der 49-Jährige: "Statt anzukündigen, dass die Tests ab dem 8. Oktober (sic!) kostenpflichtig werden (...) könnte man auch ankündigen, dass der Staat bis dahin alle Schutzmaßnahmen einstellt."

Wer sich schützen wolle, müsse dies dann selbst tun. "Entweder durch Masken, selbst verordnete Kontaktarmut etc. oder halt durch eine Impfung. Gut möglich, dass sich dann sehr viel Menschen impfen lassen würden."

Australien zeige, dass sich nur sehr wenige Menschen impfen ließen, wenn sie annehmen würden, dass die Pandemie durch Lockdowns so weit unterdrückt werde, dass man individuell praktisch kein Infektionsrisiko habe.

"Wenn der Staat mich schützt, muss ich mich nicht schützen, denken dort viele", so Palmer. "Könnte doch auch umgekehrt funktionieren? Wenn der Staat mich nicht ewig schützt, schütze ich mich selbst. Oder?"

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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