Impfstoff weniger wirksam: Nun stellt sich Boris Palmer vor Curevac!

Tübingen - Im Kampf gegen das Coronavirus wurden auch auf den Impfstoff von Curevac Hoffnungen gesetzt. Doch die Tübinger mussten nun einen Rückschlag verkünden. Da meldet sich auch Stadtoberhaupt Boris Palmer (48, Grüne) zu Wort.

Tübingens OB Boris Palmer (48, Grüne).
Tübingens OB Boris Palmer (48, Grüne).  © Fabian Sommer/dpa

Am Mittwochabend hatte Curevac bekannt gegeben, dass der Impfstoff eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent zeige gegen eine Covid-Erkrankung "jeglichen Schweregrades".

Andere in der EU zugelassene Impfstoffe sind da deutlich wirksamer. Das Vakzin von BioNTech/Pfizer kommt zum Beispiel auf mehr als 90 Prozent.

Auf seiner Facebook-Seite kommentierte Tübingens Rathauschef Boris Palmer die Neuigkeiten. Zunächst mal zitierte er aus einem Posting auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts (RKI).

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Das RKI hatte sich im Dezember 2017 mit der Wirksamkeit von Grippe-Schutzimpfungen beschäftigt: "Bei einer sehr guten Übereinstimmung der zirkulierenden Influenzaviren mit dem Impfstoff wurde bei jungen Erwachsenen eine Schutzwirkung bis zu 80 Prozent beobachtet."

Ältere Menschen hätten laut RKI oft eine reduzierte Immun­antwort, sodass die Impfung bei ihnen weniger zuverlässig wirke.

"Insbesondere die Effektivität gegen den Subtyp H3N2 war in den letzten Saisons aufgrund einer schlechten Übereinstimmung des Impfvirus mit den zirkulierenden Viren teilweise herabgesetzt", ist weiter zu lesen. "Dennoch können auch ältere Menschen ihr Risiko, an einer Influenza zu erkranken, im Mittel durch die Impfung in etwa halbieren."

Dies bedeute bei einer Wirksamkeit von 41 bis 63 Prozent bei älteren Erwachsenen: "Wenn im Laufe einer Influenzasaison von 100 ungeimpften älteren Erwachsenen 10 an Grippe erkranken, erkranken von 100 geimpften älteren Erwachsenen nur etwa 4 bis 6."

Palmer: Künftig jedes Jahr neuer Impfstoff?

Die Curevac-Zentrale in Tübingen.
Die Curevac-Zentrale in Tübingen.  © Bernd Weissbrod/dpa

Das sollte man wissen, wenn man die Nachrichten von Curevac kommentiere, notiert Palmer.

Und weiter: "Die vorläufig gemessene Wirksamkeit von 47 Prozent ist ein Ergebnis, das bei einer Influenza als durchschnittlicher Wert gelten würde. Das gilt erst recht, weil die Wuhan-Variante des Coronavirus, gegen die der Impfstoff entwickelt wurde, gar nicht mehr im Umlauf ist und Curevacs Impfstoff sich gegen zig Mutationen bewähren musste."

Genau aus diesem Grund seien Grippeimpfstoffe nur mäßig wirksam, schreibt Deutschlands wohl bekanntester Rathauschef: "Das Virus hat sich zwischen Impfstoffentwicklung und Einsatz so schnell weiter entwickelt, dass die Wirksamkeit deutlich herabgesetzt ist."

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Der 48-Jährige mache sich mehr Sorgen wegen des Fortgangs der Pandemie als um Curevac. "Wir wissen mangels Studien nicht, wie hoch die Wirksamkeit von BioNTech und Moderna gegen die neuen Varianten ist, die Curevac vor allem in Lateinamerika angetroffen hat."

Es spreche viel dafür, dass man gezwungen sein werde - wie bei der Grippe - jedes Jahr einen neuen Impfstoff einzusetzen, um das Coronavirus unter Kontrolle zu halten.

"Und das bedeutet, dass Curevac zwar für die erste Impfrunde in Deutschland keine große Rolle mehr spielt, aber weltweit gedacht mit der Fähigkeit, sehr schnell eine neue Generation von Impfstoffen in Milliarden Dosen zu produzieren, einen immensen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten kann", so Palmer.

Titelfoto: Montage: Bernd Weissbrod/dpa, Fabian Sommer/dpa

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