Löst diese Grüne Boris Palmer als Rathaus-Chef ab?

Tübingen - Ihren möglichen künftigen Gegner kennt Ulrike Baumgärtner (42) schon lange. Zwischen Studium und Promotion war die Grünen-Politikerin persönliche Mitarbeiterin von Boris Palmer (49) in seiner Zeit als Landtagsabgeordneter.

Will keine Einzelaktionen fahren und nicht polarisieren: Ulrike Baumgärtner (42, Grüne).
Will keine Einzelaktionen fahren und nicht polarisieren: Ulrike Baumgärtner (42, Grüne).  © Bernd Weissbrod/dpa

Dann stand sie sechs Jahre der Grünen-Fraktion im Tübinger Gemeinderat vor, als Palmer dort längst Oberbürgermeister war. Nun macht ihm die 42-Jährige Konkurrenz: Sie will ihn als Chefin im Tübinger Rathaus ablösen.

Denn der Grünen-Kandidat für die OB-Wahl soll in einer Urwahl bestimmt werden - erstmals.

Für Palmer bedeutet das, dass er, wenn er im Oktober 2022 noch einmal kandidieren möchte, nicht automatisch die Rückendeckung des Stadtverbands hat, sondern sich der Wahl der Mitglieder stellen muss.

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Baumgärtner ist Ortsvorsteherin im Tübinger Stadtteil Weilheim, sie ist verheiratet und hat drei Kinder. Geboren in Wangen im Allgäu zog es sie nach dem Abitur in die Welt. "Und die Welt hieß damals Tübingen", sagt Baumgärtner heute.

In Tübingen studierte sie zwischen 1998 und 2006 Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen, Friedens- und Konfliktforschung sowie Soziologie und Neuere Deutsche Literaturwissenschaft.

Baumgärtner will Brücken bauen und den Laden zusammenhalten

Seit Jahren Chef im Tübinger Rathaus: Boris Palmer (49, Grüne).
Seit Jahren Chef im Tübinger Rathaus: Boris Palmer (49, Grüne).  © Bernd Weissbrod/dpa

Sie reiste viel, machte viele Praktika. In Irland zum Beispiel, wo sie für die Menschenrechtsorganisation Amnesty International arbeitete.

Ihre Promotion hat den Schwerpunkt Geschlechter und Friedenssicherung in der Verwaltung der Vereinten Nationen.

Ihre Aufgabe als Ortsvorsteherin sei es, "den Laden zusammenzuhalten und Brücken zu bauen". Diesen Führungsstil wolle sie - falls sie bei der Urwahl zur Oberbürgermeisterwahl von den Grünen als Kandidatin aufgestellt und gewählt wird - beibehalten.

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Ganz wichtig sei ihr auch, keine Einzelaktionen zu fahren, nicht zu polarisieren, sich nicht zu inszenieren. "Das ist mein Markenkern und mein Angebot", sagte Baumgärtner am Samstag, nachdem sie ihre Bewerbung veröffentlicht hatte.

Ihr persönliches Lebensmotto? "So einzuschlafen, dass ich, wenn ich am nächsten Tag nicht mehr aufwachen sollte, nichts versäumt habe", sagt Baumgärtner.

Update, 9.53 Uhr: Palmer lobt Beschluss als "klug und richtig"

Am Sonntagmorgen meldete sich Palmer in der Sache auf Facebook zu Wort.

"Der Beschluss des Grünen Stadtverbands, in einer Abstimmung durch alle Mitglieder zu klären, wer mit Unterstützung der Partei in den OB-Wahlkampf ziehen kann, ist klug und richtig", schrieb der 49-Jährige. Und weiter: "Ich freue mich, dass mir damit entgegen früheren Verlautbarungen des Vorstands, wonach ich keine Unterstützung erhalten könne, die Möglichkeit eingeräumt wird, mich für eben diese Unterstützung zu bewerben."

Das entspreche der Erwartung vieler Mitglieder. Jedoch: Ein Jahr vor der Wahl sei es für Palmer nicht der Zeitpunkt, über eine Kandidatur für eine dritte Amtszeit zu entscheiden.

"Insbesondere ist für mich noch nicht absehbar, wie sich das angekündigte Parteiordnungsverfahren auswirken wird", so der deutschlandweit bekannte Grünen-Politiker.

"Wenn ich weiß, worauf sich die Ausschlussforderung gründet, werde ich mich mit meinem Anwalt Rezzo Schlauch über Konsequenzen und weitere Schritte beraten", notierte Palmer.

Titelfoto: Montage: Bernd Weißbrod/dpa, Bernd Weißbrod/dpa

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