Nach Aogo-Wirbel: Boris Palmer lädt dieses Bild hoch und schon gibt's wieder Aufregung

Tübingen - Es scheint wie verhext: Egal, was Boris Palmer (48, Grüne) im Netz macht, jemand ist sauer. So auch jetzt.

Tübingens OB Boris Palmer (48, Grüne) steht im Fokus.
Tübingens OB Boris Palmer (48, Grüne) steht im Fokus.  © Silas Stein/dpa

Nach dem Wirbel um sein "Negerschwanz"-Posting und das von den Grünen angestrebte Parteiausschlussverfahren war Deutschlands wohl bekanntester Rathauschef in den letzten Tagen auf Facebook spürbar selbstkritisch unterwegs.

Es sei unklug gewesen, "mal wieder auf Ironie in einer politischen Auseinandersetzung zu bauen", schrieb der 48-Jährige etwa am Sonntag.

Und weiter: "Ja, der ganze Streit wegen zwei Sätzen ist überflüssig wie ein Kropf. Ja, ich möchte Tübingen und mein Amt auch nicht mit derlei Wirtshausschlägerei in Verbindung bringen. Ja, viele Menschen, die täglich mit mir zusammen arbeiten haben mal wieder jede Menge unnötigen und unverdienten Stress. Und ja, ich hätte mich besser nicht provozieren lassen."

Söder warnt vor Zufallsmehrheiten und vor Schlafwagen-Wahlkampf
Markus Söder Söder warnt vor Zufallsmehrheiten und vor Schlafwagen-Wahlkampf

In einem Posting vom Montag betonte der Rathauschef, der durchaus shitstormerprobt ist: "Nein, das war kein Kalkül, auch keine Provokation für die Öffentlichkeit. Ich hatte keine Ahnung, welches Erdbeben ich da mal wieder auslöse."

Den Vorwurf der Naivität lasse er sich gefallen.

Danach äußerte er sich nicht mehr zu dem Shitstorm, der nach der Aogo-Aussage über ihn niedergegangen war.

Stattdessen aktualisierte er am Montagabend sein Facebook-Titelbild. Und damit zog er prompt wieder den Zorn von Netzbewohnern auf sich - diesmal allerdings aus anderen Gründen.

User mutmaßen: Will Boris Palmer sich bei Linken anbiedern?

Bei der Antifa-Demo am 8. Mai befestigten die Demonstranten das Schild an der Eberhardsbrücke.
Bei der Antifa-Demo am 8. Mai befestigten die Demonstranten das Schild an der Eberhardsbrücke.  © Montage: Screenshots otfr.noblogs.org

Das neue Profilbild zeigt eine Tafel an der Eberhardsbrücke in Tübingen.

Jene Brücke, über die die Alliierten 1945 in die Universitätsstadt am Neckar kamen.

"Am 19. April 1945 wurde Tübingen vom Faschismus befreit", ist darauf zu lesen. Die Eberhardsbrücke wird dort als "Brücke der Befreiung" bezeichnet. An anderer Stelle heißt es: "Jedoch auch nach der Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai ist der Faschismus in Deutschland nie vollständig zerschlagen worden."

Und: "Kampf dem Faschismus immer und überall (...). Nie wieder Faschismus - Nie wieder Krieg!"

Es dauerte nicht lange, bis den Usern ein Detail an der Tafel besonders ins Auge stach. "Wusste gar nicht, dass uns die Antifa, deren Flagge auf dem Schild so munter weht, vom Faschismus befreit hatte", kommentiert ein Nutzer.

Ein anderer wandte sich direkt an Palmer: "Nichts gegen den Text an sich, aber das Logo nutzen bevorzugt auch die Personen, die lautstark Ihre Enthebung fordern."

Wiederum ein weiterer Nutzer mutmaßt, was hinter dem Bild stecken könnte: "Ein Schild mit Antifa-Symbol? Ernsthaft? Was ist denn das für ein flacher Versuch, die pöbelnde Linke zu besänftigen? Das ist mal ganz schön durchsichtig. Das können Sie besser!" Ins gleiche Horn stößt ein anderer: "Ach Herr Palmer, welch durchsichtige Aktion, sich beim linksradikalen Flügel ihrer Partei wieder lieb Kind zu machen."

War das Besänftigen der Parteilinken tatsächlich Palmers Motivation? Das bleibt unklar. Gegenüber TAG24 antwortete er nur knapp: "Man muss nicht alles kommentieren."

Klar ist: Das Schild an der Brücke hat nicht die Stadt angebracht. Es stammte von Linken. Wie auf der Website des Offenen Treffens gegen Faschismus und Rassismus in Tübingen und der Region zu lesen ist, montierten es Antifa-Demonstranten am 8. Mai dieses Jahres.

Titelfoto: Montage: Screenshot Facebook.de/Boris Palmer, Silas Stein/dpa

Mehr zum Thema Boris Palmer: