Palmer rechtfertigt sich: Er hielt angebliches rassistisches Aogo-Zitat selbst für Fake

Stuttgart/Tübingen - Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (48) hat beim Wiederholen eines rassistischen Begriffs aus einem angeblichen Zitat von Fußball-Nationalspieler Dennis Aogo (34) nach eigenen Angaben selbst Zweifel an dessen Echtheit gehabt.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (48) rechtfertigt sich für die Aussage.
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (48) rechtfertigt sich für die Aussage.  © Tom Weller/dpa

"Mir war natürlich klar, dass es sich bei den Facebook-Vorwürfen gegen Aogo, auf die ich angespielt habe, sehr wahrscheinlich um ein Fake handelt", sagte Palmer der Bild.

"Mein Kommentar war ein erkennbar völlig grotesker und irrer Rassismusvorwurf gegen Aogo." Er habe mit seine "ironischen" Äußerung zeigen wollen, dass man jedem einen solchen Vorwurf machen könne, egal wie konstruiert dieser sei.

Palmer hatte in einem Streit auf Facebook am Freitag das N-Wort mit sexualisiertem Kontext aus einem Aogo zugeschriebenen Zitat wiederholt und kommentiert, offensichtlich ironisch: "Der Aogo ist ein schlimmer Rassist."

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Zur Begründung verwies er auf einen Kommentar von einem nicht-verifizierten Facebook-Account, der das angebliche Zitat Aogos in die Welt gesetzt hatte.

Mit dem Begriff N-Wort wird heute eine früher in Deutschland gebräuchliche rassistische Bezeichnung für Schwarze umschrieben.

Der Grünen-Landesparteitag in Baden-Württemberg will - auch vor dem Hintergrund früherer umstrittener Äußerungen - noch am Samstag über ein Ausschlussverfahren gegen den Tübinger OB entscheiden.

Update 15.33 Uhr: Südwest-Grüne leiten Ausschlussverfahren gegen Boris Palmer ein

Die Grünen in Baden-Württemberg wollen den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer aus der Partei ausschließen. Beim Landesparteitag stimmten 161 Delegierte für ein Ausschlussverfahren, 44 dagegen und 8 enthielten sich. Palmer hatte zuvor auf Facebook mit Aussagen über den früheren Fußball-Nationalspieler Dennis Aogo für Empörung gesorgt.

Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand sagte in Stuttgart zum Ausschlussverfahren gegen Palmer: "Die Zeit ist reif dafür. Denn das Maß ist voll." Zuvor hatte er schon erklärt, die Äußerung Palmers über Aogo sei «rassistisch und abstoßend". Der Tübinger OB sorge mit "inszenierten Tabubrüchen" für eine Polarisierung der öffentlichen Debatte.

Der Tübinger OB ließ sich vor der Abstimmung für eine Gegenrede zum Parteitag schalten und erklärte, es handele sich um "haltlose und absurde Vorwürfe". Hier gehe es darum, abweichende Stimmen zum Verstummen zu bringen. "Daher kann und will ich nicht widerrufen." Allerdings empfahl er dem Parteitag, dem Antrag für ein Ausschlussverfahren zuzustimmen. Dann habe er endlich die Gelegenheit, sich gegen die Anwürfe zu verteidigen.

Die Landespartei hatte Palmer schon im Mai 2020 den Austritt nahegelegt und ihm ein Ausschlussverfahren angedroht.

Titelfoto: Tom Weller/dpa

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