"Rassismus", "Körperverletzung": Das muss sich Boris Palmer wegen des Tübinger Corona-Modells anhören

Tübingen - Seit über einem Jahr kämpft Deutschland gegen die Corona-Pandemie an. Von Anfang an ganz vorne mit dabei: Tübingens OB Boris Palmer (48, Grüne). Der darf sich für den erfolgreichen Weg seiner Stadt gegen das Virus einiges anhören.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (48, Grüne).
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (48, Grüne).  © Marijan Murat/dpa

Zahlreiche Städte in der Bundesrepublik blicken derzeit neidisch auf die 89.000-Einwohner-Stadt in Baden-Württemberg. Grund: Im Gegensatz zum Rest des Landes steht dort die Welt nicht coronabedingt still.

Seit dem 16. März läuft ein Modellversuch. Menschen können sich kostenlos auf den Erreger testen lassen. Bei wem der Test negativ ausfällt, der bekommt ein Tagesticket und genießt ganz neue (oder alte?) Freiheiten.

Ob Friseurbesuch, Theater, Museum oder Gastronomie: In Tübingen ist das alles möglich.

Der "Tübinger Weg" finden bundesweit Beachtung. Selbst Kanzlerin Angela Merkel (66, CDU) animierte Kommunen, Landräte und Bürgermeister dazu, dem Beispiel der schwäbischen Stadt am Neckar zu folgen.

Bei so viel positiver Resonanz gibt es aber auch harsche Kritik an dem Modellversuch. Laut Boris Palmer werde das Modell im Netz "von Trollen und Kritikern bombardiert". Der Rathauschef postete deshalb seine Top 10 der Kritiker-Aussagen auf seiner Facebookseite.

Da wäre etwa die Behauptung, bei dem Versuch handele es sich um Rassismus.

Damit dürften die Kritiker darauf abzielen, dass die Stadt wegen der wachsenden Zahl an Tagesgästen die begehrten Tagestickets über Ostern nur an Personen ausgeben will, die im Kreis Tübingen wohnen oder arbeiten.

"Ein Wohnort ist keine Herkunft und keine Rasse", entgegnet Palmer. "Man kann ihn wechseln. Ich bin auch mal vom Geradstetter zum Tübinger geworden."

Facebook-User würden gerne in Tübingen wohnen

Ein weiterer Satz der Kritiker: "Das ist Faschismus." Der 48-Jährige stellt klar: "Das ist freiwillig. Fängt auch mit 'F' an. Niemand muss nach Tübingen fahren. Niemand muss sich testen lassen. Niemand muss in einem Biergarten sitzen."

Auch bezeichneten Kritiker den Coronatest als Körperverletzung. "Das ist Nasebohren. Fünf Sekunden lang", entgegnet Palmer trocken.

Weitere Behauptungen von Kritikern: "Das ist viel zu teuer", "Mit Schnelltest braucht man keine Maske" oder "Das ist keine Freiheit".

Unter seinem Posting erntete Palmer jede Menge Zuspruch für sein Vorgehen. Einige User wünschen sich gar, auch in Tübingen zu wohnen. Damit dürften sie dieser Tage wohl nicht alleine sein...

Titelfoto: Marijan Murat/dpa

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