Sie soll aus der Linkspartei fliegen: Boris Palmer springt Sahra Wagenknecht bei!

Tübingen - Mit lauten Rauswurf-Rufen aus den eigenen Parteien kennen sich Sahra Wagenknecht (51, Linke) und Boris Palmer (48, Grüne) aus. Nun ist der Tübinger OB der Linken-Politikerin beigesprungen.

Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht (51).
Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht (51).  © Michael Kappeler/dpa

Rückblick: Bei der NRW-Landesschiedskommission haben mehrere Parteimitglieder der Linken ein Ausschlussverfahen gegen die 51-Jährige gefordert.

Grund dafür sei, dass die "schöne Kommunistin" (Zeit) ihrer Partei "schweren Schaden" zugefügt habe.

Wagenknechts Kritiker stoßen sich vor allem an ihrem aktuellen Buch "Die Selbstgerechten" (24,95 Euro, Campus Verlag).

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Seit Erscheinen ist Wagenknecht Gast zahlreicher Talkshows gewesen, das Buch sorgt für ordentlich Aufsehen.

Kein Wunder, greift die Linken-Politikerin dort doch sogenannte Lifestyle-Linke an. "Ob in den USA oder Europa: Wer sich auf Gendersternchen konzentriert statt auf Chancengerechtigkeit und dabei Kultur und Zusammengehörigkeitsgefühl der Bevölkerungsmehrheit vernachlässigt, arbeitet der politischen Rechten in die Hände", heißt es im Klappentext.

Die 51-Jährige macht demnach einen Linksliberalismus aus, der "sich progressiv wähnt, aber die Gesellschaft weiter spaltet, weil er sich nur für das eigene Milieu interessiert und Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft ignoriert".

Wagenknecht ist NRW-Spitzenkandidatin der Linken für den Bundestag. Ausgerechnet ihre Top-Frau soll weg, weil ihre Gegner das Buch als Abrechnung der 51-Jährigen mit der eigenen Partei sehen!

Palmer: "Das schaffen nur perfekte Linke"

Tübingens Rathauschef Boris Palmer (48).
Tübingens Rathauschef Boris Palmer (48).  © Tom Weller/dpa

Jetzt bekam sie Unterstützung von einem, der in Teilen der eigenen Partei auch nicht wohl gelitten ist - und der das Wort "Parteiausschlussverfahren" nicht nur vom Hörensagen kennt: Boris Palmer.

Deutschlands wohl bekanntester Rathauschef meldete sich auf seiner Facebook-Seite zu Wort, bezog sich dabei auf einen Auftritt von Wagenknecht in der Talkshow von Anne Will (55). Dort hatte die Linken-Spitzenfrau dem AfD-Chef Tino Chrupalla (46) die Leviten gelesen.

Palmer schrieb von "linker Ausschliesseritis", kritisierte eine angesichts des AfD-Mannes hilflos agierende Anne Will und lobte, "wie brillant Sahra Wagenknecht ihn danach zerlegt hat".

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Angesichts der Forderungen aus der Linken könne man darum "über so viel dogmatisches Sektierertum nur den Kopf schütteln". Er bilanzierte ernüchtert: "Die Spitzenkandidatin ausschließen, das schaffen wirklich nur perfekte Linke."

Übrigens: Vor Kurzem sprang Wagenknecht dem Tübinger OB bei, als der in einem Shitstorm rund um seine Äußerungen zu Ex-VfB-Kicker Dennis Aogo (34) steckte. "Rassismus!", tönte es danach vielfach im Netz. Dem widersprach die 51-Jährige: Palmer sei kein Rassist.

Aogo selbst hakte den Vorfall später im Interview mit dem Spiegel ab: "Wenn ich das im Kontext betrachte, kann ich die Ironie aber natürlich erkennen. Für mich ist das Thema damit durch."

Titelfoto: Montage: Michael Kappeler/dpa, Tom Weller/dpa

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