Boris Palmer zieht Bilanz: So läuft der "Tübinger Weg" im Kampf gegen Corona

Tübingen - Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (48, Grüne) wird am Montag (18.15 Uhr) eine Bilanz zum sogenannten "Tübinger Weg" ziehen.

Tübingens Stadtoberhaupt Boris Palmer (48, Grüne).
Tübingens Stadtoberhaupt Boris Palmer (48, Grüne).  © Marijan Murat/dpa

In der Ringvorlesung "Was lernen wir in Tübingen aus der Corona-Krise?" beim Weltethos-Institut in Tübingen spricht Palmer über den früh eingeschlagenen Weg der Universitätsstadt, mit massenhaften Schnelltests auch während der Pandemie Lockerungen zu ermöglichen.

Die Diskussion wird vom Tübinger Politikwissenschaftler Christopher Gohl (47, FDP) moderiert.

In Tübingen läuft noch bis zum 18. April ein Modellprojekt zu mehr Öffnungsschritten in Corona-Zeiten.

An neun Teststationen können die Menschen kostenlose Tests machen, das Ergebnis wird bescheinigt. Damit kann man in Läden, zum Friseur oder auch in Theater und Museen.

In einer ersten Zwischenbilanz hatte sich Palmer trotz Unregelmäßigkeiten bei der Testauswertung zufrieden gezeigt. Das Modellprojekt wird vom Universitätsklinikum Tübingen wissenschaftlich begleitet.

Mit den massenhaften Schnelltests sollen viele auch symptomlose Infektionen erkannt und so weitere Ansteckungen verhindert werden.

Kreis Tübingen: Inzidenz reißt 50er-Marke

Im Zuge der Ausbreitung der ansteckenderen Varianten des Coronavirus steigt auch im Landkreis Tübingen das Infektionsgeschehen. Die Region steht im landesweiten Vergleich noch recht gut da, überschritt zuletzt aber auch mehrfach den Wert von 50 bei der Sieben-Tage-Inzidenz.

Immer mehr Städte und Landkreise im Südwesten würden ebenfalls gerne mehr Lockerungen anhand regelmäßiger Schnelltests ähnlich dem Modell in Tübingen anbieten.

Beim baden-württembergischen Gemeindetag hätten sich bereits mehr als 100 Städte und Gemeinden gemeldet, die solche Modelle umsetzen wollten, hatte Gemeindetags-Präsident Steffen Jäger der Deutschen Presse-Agentur gesagt.

Update: 10.22 Uhr

Palmer für nächtliche Ausgangsbeschränkungen

Boris Palmer hat sich für nächtliche Ausgangsbeschränkungen als weiteres Mittel zur Eindämmung der Corona-Pandemie ausgesprochen.

"Ich hätte gar nichts dagegen zu sagen: Ab 20 Uhr ist wirklich Ruhe", sagte Palmer am Sonntagabend in einer Online-Gesprächsrunde der Bild-Zeitung.

Mit Blick auf das derzeit laufende Modellprojekt in Tübingen sagte Palmer, tagsüber könne geordnet in der Außengastronomie gesessen oder mit Maske eingekauft werden. "Und nachts sind alle daheim - warum nicht."

In Tübingen habe er nämlich das Problem, dass häufig nach 20 Uhr große Gruppen auf innerstädtischen Wiesen Partys feierten. Da gebe es keinen Abstand, sondern Alkohol, sagte der Grünen-Politiker.

Auch am Wochenende waren zahlreiche Menschen in die Universitätsstadt am Neckar gekommen und hatten die dort möglichen Lockerungen genossen. In der Außengastronomie von Cafés und Restaurants waren die Plätze bei frühlingshaften Temperaturen gefüllt.

Titelfoto: Marijan Murat/dpa

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