Wie reagieren Menschen mit dunkler Hautfarbe auf Palmers N-Wort?

Tübingen - Die SWR-Sendung "Zur Sache Baden-Württemberg" hat bei einer Frau mit dunkler Hautfarbe nachgefragt, was sie von Boris Palmers (48, Grüne) rassistischer Äußerung über Dennis Aogo hält.

Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer (48,Grüne) sorgte mit seinem Facebook-Kommentar für Schlagzeilen.
Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer (48,Grüne) sorgte mit seinem Facebook-Kommentar für Schlagzeilen.  © Tom Weller/dpa

Palmer sorgte immer wieder für Aufregung und ist bekannt für seine Provokationen. Schlagzeilen machte er zuletzt mit einer rassistischen Äußerung über Ex-Nationalspieler Dennis Aogo, die er als Satire verstanden wissen will.

Was war geschehen? Dennis Aogo postete ein WhatsApp-Verlauf, bei dem Jens Lehmann (51) ihn als "Quotenschwarzen" bezeichnete. Vermutlich eine versehentliche an ihn adressierte Nachricht. Jens Lehmann entschuldigte sich öffentlich und Aogo nahm die Entschuldigung an, doch damit sollte die Sache nicht erledigt sein.

Lehmann wurde aus dem Aufsichtsrat von Hertha BSC geschmissen und wird nicht mehr für Sky tätig sein. Aogo ist vorerst ebenfalls nicht mehr als Sky-Experte tätig, weil er die Formulierung "Trainieren bis zum Vergasen" bei einem TV-Auftritt genutzt hat.

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Und auch der Tübinger Oberbürgermeister wollte etwas dazu sagen und schrieb auf Facebook: "Der Aogo ist ein schlimmer Rassist. Hat Frauen seinen Negerschwanz angeboten".

Dieser Post löste eine Diskussion aus und die Grünen leiteten ein Parteiausschlussverfahren gegen den Tübinger Oberbürgermeister ein. Palmer rechtfertigt seine Aussage, damit, dass es absurd sei, einem schwarzen selbst Rassismus zu unterstellen.

Wie verletzend ist das N-Wort?

Moderatorin Alexandra Gondorf in der Mainstage der SWR-Sendung "Zur Sache Baden-Württemberg.
Moderatorin Alexandra Gondorf in der Mainstage der SWR-Sendung "Zur Sache Baden-Württemberg.  © © SWR/Patricia Neligan

SWR-Reporter Sebastian Schley von "Zur Sache Baden-Württemberg" macht sich auf nach Tübingen und fragt die Bürger, was sie von Palmers Aussage halten. Eine Tübingerin wünschte sich mehr Zurückhaltung, ein anderer meint, dass man hinterher immer schlauer sei.

Ernst Gumrich vom Gemeinderat zeigt sich in letzter Zeit genervt vom Stadtoberhaupt und er steigere ständig seine Popularität, doch für die Stadt sei das nicht so gut. "Sie sitzen in einer Sitzung und er ist an seinem Handy und tackert ein. Er ist nicht voll bei der Sache", erklärt Gumrich.

Palmer meint, dass seine Wortwahl nicht rassistisch gemeint sei. Doch wie sehen es Menschen, die es betrifft?

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Wie verletztend Palmers Worte also für eine Frau mit dunkler Hautfarbe sind, wollte der Reporter herausfinden und fragte bei Malayika Mbassè von der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" nach.

"Es ist auf jeden Fall nicht sehr professionell, weil ich es als Kind gehasst habe dieses Wort in verschiedenen Varianten zu hören oder sonstige Bezeichnungen, die ich jetzt nicht nennen will", erklärt Malayika Mbassè. Sie sei im Schwarzwald aufgewachsen und sei häufig so bezeichnet worden.

"Wenn es andere Menschen angreift, dann muss man es denen auch mal glauben", appelliert die Frau.

Sprachwissenschaftler hat deutliche Meinung

Henning Lobin, wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim hält die Sprachwahl Palmers als "unklug" und meint, man möchte nicht, dass das Wort von einer Person des öffentlichen Lebens verwendet werde. Er habe die Ironie nicht deutlich rübergebracht, wie mit einem "so" oder einem Zwinker-Smiley neben dem Zitat.

Die ganze Sendung ist in der ARD-Mediathek zu sehen.

Titelfoto: Tom Weller/dpa

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