Experte: "Laschet und Baerbock müssen sich noch weiter bekannt machen"

Bonn - Erstmals seit den Zeiten von Joschka Fischer (73) werden die Grünen nach Einschätzung des Politologen Karl-Rudolf Korte (62) ihre Wahlplakate im kommenden Bundestagswahlkampf wieder auf eine einzelne Persönlichkeit abstellen: Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (40).

Karl-Rudolf Korte (62), Politikwissenschaftler und Experte für Politik und Wahlen.
Karl-Rudolf Korte (62), Politikwissenschaftler und Experte für Politik und Wahlen.  © Karlheinz Schindler/dpa-Zentralbild/dpa

Besonders provokant oder schrill würden die Botschaften vermutlich nicht ausfallen, sagte Korte der Deutschen Presse-Agentur.

"Ich rechne auch nicht mit furiosen Plakaten, die etwa zur Energiewende aufrufen - das schreckt die bürgerliche Mitte nur ab. Eher erwarte ich Annalena Baerbock als Sympathieträgerin in Kombination mit einer konkreten Sicherheitsbotschaft. So dass man mitnimmt: "Den Grünen kann ich vertrauen, wenn es um Transformation geht.'"

Der Unionskandidat Armin Laschet (60, CDU) sei als Teamspieler bekannt, weshalb hier auch andere Personen mit ins Bild kommen könnten.

Grünen-Politikerin fordert gratis Binden und Tampons auf Toiletten
Bündnis 90/Die Grünen Grünen-Politikerin fordert gratis Binden und Tampons auf Toiletten

Die SPD dagegen werde vermutlich ganz auf Olaf Scholz (63) setzen, da dieser deutlich höhere Zustimmungswerte verzeichne als seine Partei.

Auch im Zeitalter von Internet und sozialen Netzwerken blieben Wahlplakate sehr wichtig, sagte Korte.

Armin Laschet (60), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Bundesvorsitzender der CDU, will ebenfalls Kanzler von Deutschland werden.
Armin Laschet (60), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Bundesvorsitzender der CDU, will ebenfalls Kanzler von Deutschland werden.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Wahlkämpfe können Einstellungen von Wählern verändern

Annalena Baerbock (40), Kanzlerkandidatin und Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.
Annalena Baerbock (40), Kanzlerkandidatin und Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.  © Kay Nietfeld/dpa

Es sei wissenschaftlich eindeutig belegt, dass Wahlkämpfe Einstellungen von Wählern verändern können, und in diesem Zusammenhang hätten Plakate einen Mobilisierungseffekt.

Besonders provokante oder schräge Plakate wie zuletzt im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt die Linken-Parole "Nehmt den Wessis das Kommando" würden bundesweit diskutiert.

Das bedeute allerdings nicht unbedingt, dass diese Aufmerksamkeit der Partei auch Stimmen einbringe.

Da bahnt sich was an: CDU und Grüne wollen sondieren!
Parteien Da bahnt sich was an: CDU und Grüne wollen sondieren!

Viele Plakate zeigten einfach nur den Spitzenkandidaten oder die Spitzenkandidatin mit dem Namen der Partei.

Mitunter falle der Hinweis auf die Partei sogar weg, sagte Korte.

Einfache Plakate haben Wirkung

Annalena Baerbock und SPD-Kandidat Olaf Scholz (63).
Annalena Baerbock und SPD-Kandidat Olaf Scholz (63).  © Kay Nietfeld/dpa

Die Wirkung solcher scheinbar trivialen Plakate dürfe man jedoch nicht unterschätzen, sagte der Professor von der Universität Duisburg-Essen.

"Bekanntheit kann Vertrauen aufbauen. Deshalb ist Bekanntheit für Politiker so enorm wichtig. Vor allem Laschet und Baerbock müssen sich noch weiter bekannt machen, deshalb rechne ich für den Bundestagswahlkampf mit starker Konterfei-Plakatierung."

Im Haus der Geschichte in Bonn beginnt am Donnerstag eine Ausstellung mit etwa 100 historischen Wahlplakaten aus Bundestags- und Landtagswahlkämpfen.

Titelfoto: Karlheinz Schindler/dpa-Zentralbild/dpa /Rolf Vennenbernd/dpa / Kay Nietfeld/dpa / Montage

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