Jetzt fordert sogar schon die Parteichefin Schröder zum SPD-Austritt auf

Berlin/Hannover - Die Luft für Altkanzler Gerhard Schröder (78) wird immer dünner und dünner. Nach einem Interview mit der "New York Times", in dem er abermals eine klare Distanzierung von Wladimir Putin (69) und seinen russischen Ämtern vermied, hat ihn SPD-Chefin Saskia Esken (60) jetzt zum Parteiaustritt aufgefordert.

SPD-Chefin Saskia Esken (60) fordert Altkanzler Gerhard Schröder (78) zum Parteiaustritt aus.
SPD-Chefin Saskia Esken (60) fordert Altkanzler Gerhard Schröder (78) zum Parteiaustritt aus.  © Kay Nietfeld/dpa & Christophe Gateau/dpa

Das Niederlegen seiner Mandate bei russischen Energiekonzernen "wäre notwendig gewesen, um sein Ansehen als ehemaliger und einst erfolgreicher Kanzler zu retten. Und diesem Rat ist er leider nicht gefolgt", klagte Esken im "Deutschlandfunk".

"Gerhard Schröder agiert seit vielen Jahren lediglich als Geschäftsmann, und wir sollten damit aufhören, ihn als Elder Statesman, als Altkanzler wahrzunehmen. Er verdient sein Geld mit der Arbeit für russische Staatsunternehmen, und seine Verteidigung Wladimir Putins gegen den Vorwurf der Kriegsverbrechen ist regelrecht absurd."

Auf die Frage, ob er aus der Partei austreten sollte, antworte sie weiter: "Das sollte er."

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Esken schlägt damit in eine Kerbe, die der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (46, CDU) bereits wenige Stunden zuvor auf "Bild TV" geschlagen hatte. Das Verhalten des Altkanzlers sei "verstörend". "Wenn Gerhard Schröder an seinen gut bezahlten Mandaten bei Putin festhält, kann er nicht mehr Mitglied der SPD sein", so Wüst, der am 15. Mai als Ministerpräsident von NRW wiedergewählt werden möchte.

Das sagte Gerhard Schröder in der "New York Times"

Doch was genau hat Gerhard Schröder eigentlich in der "New York Times" gesagt? Prinzipiell sei er nach wie vor zur Vermittlung bereit, so der Altkanzler. Denn: "Ich habe immer deutsche Interessen vertreten. Ich tue, was ich kann. Wenigstens eine Seite vertraut mir." Man müsse so schnell wie möglich zu einer Friedenslösung kommen. "Ich denke, dieser Krieg war ein Fehler, und das habe ich auch immer gesagt."

Auf einen Rücktritt von seinen russischen Ämtern angesprochen, antwortete Schröder weiter, dass er sich das nur dann vorstellen könne, wenn Wladimir Putin Deutschland und der EU den Gashahn abdreht. Aber: "Das wird nicht passieren."

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa & Christophe Gateau/dpa

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